Juniorwahl an den BBS

Üben für die Bundestagswahl

An vielen weiterführenden Schulen hat die Juniorwahl begonnen. Auch an den BBS können die Schüler ihre Stimme abgeben. Im Unterricht befassen sie sich mit den Parteiprogrammen und dem Wahlystem.
19.09.2017, 23:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Jonas Mielke
Üben für die Bundestagswahl

Marvin Buscher (21).

Jonas Mielke

Osterholz-Scharmbeck. Eine lange Schlange steht vor dem Wahllokal; die Wahlleitung kontrolliert die Wahlbenachrichtigung und den Personalausweis, dann wird im Wählerverzeichnis ein Häkchen gemacht. Doch anders als bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag darf an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Osterholz jeder seine Stimme abgeben. Seit Montag findet dort die sogenannte Juniorwahl statt, ein bundesweites Projekt, an dem Schulen kostenlos teilnehmen können.

Marvin Buscher und Lokman Abdi stehen in der Schlange vor dem provisorischen Wahllokal. Sie sind beide 21 Jahre alt und dürfen am Sonntag zum ersten Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen. Sie dürfen nicht nur wählen gehen, sie wollen es auch: „Mir ist persönlich sehr wichtig, dass meine Stimme gezählt wird und das ich Anteil an den Entscheidungen nehme“, sagt Marvin Buscher.

Die beiden besuchen die zwölfte Klasse des Beruflichen Gymnasiums an den BBS. Bevor sie ihre Stimme bei der Juniorwahl abgeben, hat die Klasse mit Politiklehrer Frank Helmes in den vergangenen Wochen die Wahlprogramme verglichen und im Internet den Wahl-O-Mat benutzt – so sollen die Schüler herausfinden, welche Positionen zu Themen, die ihnen wichtig sind, von den Parteien vertreten werden. Doch welche Themen sind den Schülern wichtig?

„Ich finde die EU-Politik sehr wichtig“, sagt Selina Schmidt. Die 17-Jährige darf noch nicht wählen gehen am Sonntag, eine Absenkung des Wahlalters auf 16 fände sie trotzdem nicht gut: „Viele sind dann noch nicht reif genug“, meint sie. Selina hat sich freiwillig als Wahlhelferin gemeldet, sie sorgt gemeinsam mit ihrem Mitschüler Leon Bruns dafür, dass alles seine Ordnung hat, bevor die Schüler an einem Computer ihre Stimme abgeben können – natürlich geheim. „Die Juniorwahl ist sehr interessant und es macht auch Spaß“, sagt sie.

Auch der 18-jährige Luca Seurig hat, bevor er am Sonntag sein Kreuz setzt, probehalber seine Stimme bei der Juniorwahl abgegeben. „Mich interessieren vor allem Themen, die uns direkt betreffen. Zum Beispiel die Bildungspolitk“, sagt er. „Da will ich mit entscheiden.“ Deswegen fand er auch die Interviews von Angela Merkel und Martin Schulz auf dem Internetportal Youtube unter dem Motto „#DeineWahl“ gut. Denn da sei es vor allem um Themen von Jugendlichen gegangen, anders als im großen TV-Duell, sagt Luca Seurig.

Die Schüler finden es gut, im Unterricht viel über die Bundestagswahl zu lernen – in ihren Freundeskreisen werde die Wahl aber kaum besprochen. „In meinem Freundeskreis ist die Wahl kaum ein Thema“, sagt etwa Marvin Buscher. Auch bei Luca Seurig tausche man sich zwar zu Hause mit der Familie über die anstehende Bundestagswahl und aktuelle politische Themen aus, aber im Freundeskreis eher nicht.

Das versucht Lehrer Frank Helmes mit dem Fachteam Politik an den BBS Osterholz zu ändern. Neben der Juniorwahl standen auch eine Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten des Wahlkreises Osterholz-Verden (wir berichteten) sowie ein Vortrag des Politologen und Journalisten Ingo Espenschied zum deutschen Wahlsystem und zur Entwicklung der Demokratie auf dem Programm. So sollen die Schüler möglichst informiert ihre Wahlentscheidung treffen, egal ob bei der Juniorwahl oder der Bundestagswahl.

Der Lehrer hofft, dass noch möglichst viele Schüler der BBS Osterholz ausprobieren, wie es sich anfühlt an einer Wahl teilzunehmen. Bis zum Freitag ist das simulierte Wahlbüro noch geöffnet. „Mein Ziel ist, dass am Ende etwa 1100 Schüler mitmachen“, sagt Helmes, der in den kommenden Tagen in der Schule noch einmal für die Juniorwahl werben möchte.

Bundesweit nehmen an der Juniorwahl im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 laut dem überparteilichen Projektträger Kumulus e.V. 3300 Schulen mit etwa einer Millionen Schüler teil. Damit ist die Juniorwahl eines der größten Schulprojekte zur politischen Bildung in Deutschland. Schirmherr des Projekts ist in diesem Jahr der Präsident des Deutschen Bundestags, Norbert Lammert. Die Wahlergebnisse der Juniorwahl aus allen teilnehmenden Schulen werden dann am Sonntag um 18 Uhr, zeitgleich mit den ersten Hochrechnungen zur Bundestagswahl, veröffentlicht.

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