aus dem notizblock Über die Macht der Worte

Grußformeln bei offiziellen Anlässen sind so eine Sache. Schnell drohen Fettnäpfchen, wenn Amtsbezeichnungen unkorrekt sind oder gar Personen, die wichtig sind oder sich zumindest dafür halten, vergessen werden.
18.03.2017, 00:00
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Über die Macht der Worte
Von Peter Mlodoch

Grußformeln bei offiziellen Anlässen sind so eine Sache. Schnell drohen Fettnäpfchen, wenn Amtsbezeichnungen unkorrekt sind oder gar Personen, die wichtig sind oder sich zumindest dafür halten, vergessen werden. Große Mühe gab sich jedenfalls der Lüneburger Universitätspräsident Sascha Spoun bei der Feier zur Eröffnung des umstrittenen Libeskind-Baus. Gefühlte 20 Minuten zählte er ungefähr drei Dutzend mehr oder weniger prominente Anwesende namentlich und mit vollen Titel auf. Den CDU-Landeschef begrüßte er nicht etwa in dieser Funktion, sondern als „sehr geehrter Herr ehemaliger Kultusminister Bernd Althusmann“. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kürzte in seinem Gastbeitrag das protokollarische ­Prozedere dagegen keck ab. Nur Spoun und einige wenige Auserwählte bekamen einen persönlichen Gruß, danach wandte sich der Regierungschef pauschal an alle „lieben Ehrengäste“. Einleuchtende Begründung: „Dann dürfen sich alle angesprochen fühlen.“


Eine eher zweifelhafte Ehre wurde beim Leuphana-Festakt dem wissenschaftspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Jörg Hillmer, zuteil. Vor dem Gebäude verteilte der Asta der Uni Protestflyer, mit dem er Protz, Kostenexplosion und die undurchsichtige Rolle der Uni-Leitung bei dem 100-Millionen-Euro-Projekt geißelte. Für ihre Kritik machten sich die Studenten auf der Titelseite einen früheren Spruch des Abgeordneten zu eigen: „Das ist eine Hochschule und kein Baukonzern.“ Hillmer wusste nicht so recht, ob er sich über so viel Aufmerksamkeit mehr freuen oder eher ärgern sollte. Hinter dem Zitat stehe er noch heute, versicherte er. Allerdings sei seine Aussage doch etwas aus dem Zusammenhang gerissen.


Im Bemühen um eine geschlechterge-rechte Sprache schlägt die Leibniz Universität Hannover ein neues Kapitel auf. An das neutrale Wort „Studierende“ statt der eher männlichen Bezeichnung „Studenten“ hat man sich inzwischen gewöhnt, auch wenn „Studierendenwerk“ oder „Studierendenausweis“ im Vergleich zu früher doch etwas holprig klingt. Die Hochschule der Niedersachsen-Metropole geht nun aber noch einen Schritt weiter: Sie startet für das Sommersemester ein „Gasthörenden- und Seniorenstudium“. Ganz konsequent ist dieser Begriff freilich nicht; dazu hätten zu den Senioren doch eigentlich auch die Seniorinnen hinzugefügt werden müssen.


Dieses Foto von Hannover ist wahrlich imposant. Das Bild samt Stadt-Logo, mit dem die Firma East aus dem südchinesischen Dongguan für ihren Auftritt bei der Hannover Messe im April wirbt, zeigt eine große Flusspromenade, an der mehrere Kreuzfahrtschiffe angelegt haben. Doch was ist das? Im Hintergrund erheben sich zwei weltberühmte Kirchtürme, nämlich die des Kölner Doms. Der abgelichtete Strom ist in Wirklichkeit der Rhein und nicht die im Vergleich dazu eher als Rinnsal daherkommende Leine. Vielleicht wäre vor diesem Fauxpas ein wenig Erdkunde-Nachhilfe aus Changde hilfreich gewesen. Die Sechs-Millionen-Metropole in der chinesischen Provinz ­Hunan hat vor einem halben Jahr ein eigenes Hannover-Viertel eröffnet.

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