Weser-Hochwasser Umweltbehörde gibt Entwarnung für Bremen

Bremen. Rund um Hannoversch Münden herrscht weiterhin "Land unter". Tauwetter und Regen hatten am Wochenende die Pegelstände stark ansteigen lassen. Für Bremen und die Region geben Experten der Wasserwirtschaft indes Entwarnung.
11.01.2011, 05:00
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Von Heidi Niemann

Bremen. Rund um Hannoversch Münden herrscht weiterhin "Land unter". Tauwetter und Regen hatten am Wochenende die Pegelstände stark ansteigen lassen. Für Bremen und die Region geben Experten der Wasserwirtschaft indes Entwarnung.

In Bremen würden allenfalls die Wiesen überschwemmt, hieß es. Doch zurück zu Hannoversch Münden. Hier war am Sonntagabend um 21.15 Uhr der bislang höchste Pegelstand erreicht: 6,20 Meter. Danach habe sich die Lage etwas stabilisiert, sagte Ordnungsamtsleiter Jürgen Liebrecht. Bis Montagmorgen sank der Pegel um vier Zentimeter auf 6,16 Meter. "Wir hoffen auf eine leichte Entspannung", sagte Liebrecht. Allerdings laufe kaum Wasser ab, deshalb sei vermutlich noch bis in die Abendstunden mit starkem Hochwasser zu rechnen.

Damit lag das Hochwasser zwölf Zentimeter unter der Pegelmarke vom "Jahrhunderthochwasser" des Jahres 1995, als ein Spitzenwert von 6,32 Metern erreicht wurde. Damals waren sogar mehrere Häuser von den Wassermassen eingeschlossen und konnten nur noch per Boot erreicht werden.

So schlimm ist es diesmal nicht geworden. Die hochwassererprobten Mündener hatten frühzeitig Vorkehrungen getroffen. Bereits am Freitag hatte erstmals der Krisenstab getagt, ab Sonnabend in den frühen Morgenstunden war er durchgehend im Einsatz.

Rund 200 Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk packten stundenlang Sandsäcke ab, insgesamt rund 6000 Stück. Zahlreiche Bewohner der flussnahen Gebäude bauten damit Barrieren vor ihre Eingänge. An vielen Stellen drang allerdings die braune Brühe in die Häuser. Vor allem an der Peripherie der Altstadt und im Wohngebiet Blume wurden Keller überflutet. Auch zahlreiche Kleingartenanlagen stehen unter Wasser. Die Schäden hielten sich jedoch bislang in Grenzen, sagte Ordnungsamtsleiter Liebrecht.

Wegen des Hochwassers mussten mehrere Straßen gesperrt werden, unter anderem die Bundesstraße 80. Auch der Campingplatz auf der Tanzwerderinsel musste geräumt werden. Der Pächter hatte sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen können, sodass ihn Mitglieder des Technischen Hilfswerks mit einem Boot evakuieren mussten. Eine weitere Rettungsaktion gab es gestern Vormittag. Feuerwehrleute evakuierten aus einer überfluteten Kleingartenanlage zehn Hühner und mehrere Kaninchen. Wirklich freuen konnten sich nur die Schulkinder: Gestern blieben die Schulen in Hannoversch Münden wegen des Hochwassers geschlossen, an einigen fällt auch heute der Unterricht aus.

"Das Wasser fließt kontrolliert ab"

Noch bis morgen wird es wohl dauern, bis die Hochwasserwelle von Hannoversch-Münden in Bremen ankommt. Das sagte gestern auf Nachfrage Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter Wasserwirtschaft in der Bremer Umweltbehörde. Allerdings werde man die hier aller Voraussicht kaum noch wahrnehmen können. Allenfalls werde die Weser im Bereich Hemelingen etwas großflächiger über die Ufer treten, aber das bewege sich alles im "Rahmen der üblichen Hochwasser im Winter und im Frühjahr". Koldehofe beruhigt: "Alles nichts Außergewöhnliches für Bremen. Das Wasser fließt kontrolliert ab."

Die Wettervorhersage für die kommenden Tage bringt indes für die Hochwasserregionen in Niedersachsen keine guten Nachrichten. Erneute Regenfälle könnten die Pegel der Flüsse weiter ansteigen lassen und die Situation verschlimmern. Und morgen sei im gesamten Bundesland wieder mit Regen zu rechnen, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes.

Die Pegelstände an den Flüssen gaben gestern kein einheitliches Bild ab. Während es an Aller und Oker sowie im oberen Leinegebiet Entwarnung gab und die Pegelstände sanken, bleibt die Hochwasserlage an der Weser und auch an der Elbe weiterhin kritisch. "Der Regen in der Nacht zum Sonntag hat dafür gesorgt, dass es an der Weser ein dickeres Hochwasser geworden ist, als wir erwartet hätten", räumte eine Sprecherin des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ein.

Ende der Woche könnte es in den niedersächsischen Städten entlang der Elbe kritisch werden. Die Pegel des Flusses steigen nach Angaben des NLWKN im oberen Lauf an und könnten dafür sorgen, dass am Wochenende die Alarmstufe eins ausgerufen wird. "Dann wird möglicherweise auch die Sechs-Meter-Marke überschritten", sagte die Sprecherin des NLWKN.

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