Wechselunterricht in Corona-Hotspots

Niedersachsen beschließt schärfere Regeln für Schulen

Die niedersächsische Landesregierung hat den kritisierten Corona-Kurs an Schulen nachgeschärft. Demnach soll in Hotspots automatisch zu Wechselunterricht übergegangen werden.
26.11.2020, 17:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Evers

Mitten in der zweiten Welle der Corona-Epidemie schärft Niedersachsens Landesregierung die oft kritisierten Regeln für den Schulunterricht nach den Bund-Länder-Beratungen noch einmal nach. Landesweit werde nun automatisch in Hotspots ab 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zu Wechselunterricht übergegangen, kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag in Hannover an.

In den vergangenen Wochen hatte es verstärkt Forderungen nach einem schnelleren und zentral vorgegebenen Wechsel in das Szenario B gegeben, um Ansteckungsrisiken für Lehrer, Schüler und deren Familien zu reduzieren. An allen Schulen in den entsprechenden Hotspots gelte das Szenario B künftig mindestens für zwei Wochen, und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht gebe es erst bei einem dreitägigen Rückgang der Inzidenz unter 200, betonte Tonne.

Kombiniert wird die Maßnahme mit einer generellen Maskenpflicht an allen Schulen. Die Bund-Länder-Einigung sieht darüber hinaus nach Infektionsfällen eine straffere Kontrollstrategie mit Schnelltests und einer fünftägigen Verdachtsquarantäne für alle Schüler der Klasse vor. „Ich bin dagegen, Schulen ohne Not in Szenario B zu schicken“, sagte Tonne zur Forderung, landesweit vorsorglich Wechselunterricht einzuführen. An einer wachsenden Zahl von Schulen in Niedersachsen war zuletzt ein Unterricht ohne Corona-Beschränkungen möglich.

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Aktuell sei der Präsenzunterricht uneingeschränkt an 2430 Schulen möglich, sagte Tonne. An 570 Schulen gebe es entweder Wechselunterricht oder seien Klassen oder Lerngruppen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen. Dies seien deutlich weniger Schulen als vor einer Woche, als noch 675 Schulen betroffen waren. Ob an der nun weiter ausgefeilten Strategie zum Betrieb der Schulen in der Corona-Krise unverändert festgehalten wird, soll in der Woche vor Weihnachten und dann erneut eine Woche vor Schulstart im Januar überprüft werden, so der Minister.

Weder Schüler noch Eltern sollten Nachteile dadurch haben, dass der Start der Weihnachtsferien auf den 19. Dezember vorgezogen wird. Für Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht gewährleisten könnten, werde eine Notbetreuung bis zum ursprünglichen Ferienstart am 22. Dezember eingerichtet, sagte Tonne. Die Zahl der im Halbjahr pro Fach erforderlichen Klassenarbeiten werde von zwei auf eine gesenkt, damit es nicht zu Prüfungsstress komme. Auch zu Hause erbrachte Leistungen sollten in die Benotung einfließen können.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte zwar den erleichterten Wechsel ins Szenario B. Nötig sei aber mehr als kurzfristiges Krisenmanagement, nämlich das Beheben von Personalmangel sowie der Defizite bei Sicherheit und Ausstattung in den Schulen. Es müsse endlich zu einer dauerhaften Investitionsoffensive an den Schulen kommen, forderte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) betonte, dass die Regeln für den Umstieg auf einen Wechselunterricht auch das Gedränge in Bussen und Bahnen bei der Schülerbeförderung beende. Die Ausweitung der Schnelltests in Schulen sei zu begrüßen, es sei aber nicht nachvollziehbar, warum der verstärkte Gesundheitsschutz nicht für Lehrkräfte greife.

Die Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg bemängelte, das jeweilige Schulszenario hänge weiterhin von den völlig überlasteten Gesundheitsämtern ab. Darüber sollten die Schulen endlich selbst entscheiden können. Vom Koalitionspartner CDU kam nach deutlicher Kritik an Tonnes Kurs in der vergangenen Landtagssitzung nur noch der Hinweis, man habe sich einen niedrigeren Inzidenzwert als 200 für den Wechsel ins Szenario B vorstellen können.

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