Stader Staatsanwaltschaft ermittelt beim Landvolk in Diepholz / Ermittler schließen persönliche Bereicherung aus Untreue im großen Stil?

Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Landvolkverbands Grafschaft Diepholz, Lothar Lampe, ist für die Staatsanwaltschaft Verden offenbar eine Nummer zu groß. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Stade hat den Fall übernommen. Lampe soll mehr als 2,4 Millionen Euro veruntreut haben.
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Untreue im großen Stil?
Von Silke Looden

Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Landvolkverbands Grafschaft Diepholz, Lothar Lampe, ist für die Staatsanwaltschaft Verden offenbar eine Nummer zu groß. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Stade hat den Fall übernommen. Lampe soll mehr als 2,4 Millionen Euro veruntreut haben.

„Wenn sich der Verdacht der Untreue bestätigt, drohen dem Beschuldigten mehr als vier Jahre Haft“, sagt Staatsanwalt Kai-Thomas Breas. Noch aber sei nichts bewiesen. Für Lothar Lampe, den ehemaligen Landvolk-Vorsitzenden in Diepholz, gelte wie für jeden anderen auch die Unschuldsvermutung. Die Vorwürfe indes wiegen so schwer, dass die Verdener Staatsanwaltschaft den Fall an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Stade abgegeben hat. Das bestätigen die Anklagebehörden in Verden und Stade.

Lothar Lampe soll als Chef des Bauernverbandes mehr als 2,4 Millionen Euro veruntreut haben. Er selbst hatte allerdings bestritten, sich persönlich bereichert zu haben. Das konnten die ermittelnden Beamten inzwischen bestätigen. Staatsanwalt Breas: „Der Verdacht der Vorteilsnahme ist vom Tisch.“ Die Ermittlungen wegen Untreue im großen Stil aber dauern an. Lothar Lampe möchte sich dazu nicht äußern.

1,23 Millionen Euro soll Lampe im Namen des Landvolks in einen Windpark in Aschen investiert haben, der noch nicht einmal geplant war. Dieses Geld hat die Diepholzer Geschäftsstelle inzwischen nach eigenen Angaben von der fraglichen Firma aus Kirchdorf, der Westwind GmbH, zurückbekommen. Zum November hat das Landvolk mit Beate Zimdars nun eine eigene Geschäftsführerin für den Bereich Windkraft und einen eigenen Techniker eingestellt, um künftige Windparks selbst planen zu können. Der Kreisverband betreibt zehn Windparks in der Region.

Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt nicht nur gegen Lampe, sondern auch gegen den inzwischen entlassenen Diepholzer Landvolk-Geschäftsführer Wilhelm Bergmann und den Steuerberater Johann-Lüken Gerdes. Beide sollen ebenfalls an den Geschäften in der Windbranche beteiligt gewesen sein. Beide haben möglicherweise unrechtmäßige Zahlungen von jeweils 65000 Euro für Windpark-Planungen in Dillenberg erhalten. Zudem geht es um eine Spende in Millionenhöhe an die Stiftung Deutsche Kulturlandschaft, deren Stiftungsratsvorsitzender Lampe war. Eine weitere Spende in Höhe von 100000 Euro soll an die Edmund Rehwinkel-Stiftung gegangen sein. Diese vergibt Stipendien an Studierende der Fachbereiche Agrar und Ernährung. Weitere 90000 Euro soll ein Konzept zur Beschäftigung osteuropäischer Arbeitskräfte gekostet haben. Eine anonyme Anzeige hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

„Die Vorgänge sind unerfreulich“, sagt der kommissarische Landvolk-Geschäftsführer der Grafschaft, Claus Reinert. Man habe sich von denjenigen getrennt, die in die Untreuevorwürfe verstrickt seien. „Das Vertrauensverhältnis ist zerstört“, erklärt Reinert. Der neue Vorstand kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und wolle durch Transparenz zur Aufklärung beitragen, betont Reinert. Die 2300 Mitglieder des Kreisverbandes könnten sich auf die Fachkompetenz der Sachbearbeiter verlassen.

Am 21. Oktober findet eine nicht öffentliche Versammlung des Kreisverbandes statt. Der neue Diepholzer Landvolk-Vorsitzende Theo Runge will die Mitglieder über den neuesten Stand der Ermittlungen gegen seinen Vorgänger Lampe informieren und einen neuen Geschäftsführer vorstellen

. Ein Steuerberater wird noch gesucht.

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