Minister stellt Studie vor Verborgene Kriminalität

Hannover. Niedersachsen zeigen hunderttausend Verbrechen nicht an.
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72 Prozent der Menschen, die sich selbst als Opfer eines Verbrechens sehen, wenden sich nicht an die Polizei. So das Ergebnis einer ersten niedersächsischen Dunkelfeldstudie. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellte am Freitagvormittag die Ergebnisse vor.

Hunderttausende Straftaten werden laut Studie in Niedersachsen nicht angezeigt. Zumeist handelt es sich um geringfügige Taten, bei denen die Betroffenen kaum erwarten, dass die Polizei den Fall löst. So wird nur jeder zweite Fahrraddiebstahl angezeigt, allerdings auch nur eines von zehn Computerverbrechen und vier von hundert Sexualdelikten.

Wenn es für die Versicherung wichtig ist, wie etwa bei Autodiebstählen oder Wohnungseinbrüchen, werden die meisten Fälle angezeigt. Bei Körperverletzung klären die Beteiligten die Angelegenheit indes oft auf eigene Faust.

Für die Studie angeschrieben wurden 40.000 zufällig ausgewählte Männer und Frauen über 16 Jahren in rund 90 Kommunen in Niedersachsen. Knapp 19 000 antworteten. Die Erhebung soll klären, wie groß der Umfang nicht angezeigter Straftaten in Niedersachsen ist - und warum Menschen nicht immer die Polizei einschalten.

In der Statistik geht die Kriminalität in den meisten Bereichen seit Jahren zurück. Die Studie will herausfinden, ob sich dieser Trend auch in den persönlichen Erfahrungen der Menschen im Land widerspiegelt. Sie soll alle zwei Jahre wiederholt werden, sagte das Landeskriminalamt Niedersachsen. Die Erhebung sei in dieser Form bundesweit einzigartig.

Nun ist es jedoch nicht so, dass nicht auch andere Bundesländer sich für ihr Dunkelfeld in der Kriminalität interessierten. Nur haben die Erhebungen anderer Bundesländer nicht ausschließlich nicht angezeigte Verbrechen zum Thema.

Im Land Bremen zeigte eine Bürgerbefragungen mit 40.000 Personen im Jahr 2008, dass "das Anzeigeverhältnis der Büger positver" geworden sei, sagte Polizeisprecher Dirk Siemering. Sprich: Die Befragten gaben an, mehr Straftaten angezeigt zu haben als in den Untersuchungen aus den Jahren 2002 und 2001.

Nach 2008 habe es im Land Bremen allerdings keine Erhebung mehr zum Dunkelfeld gegeben. Bürgerbefragungen seien zeit- und kosteninstensiv, sagte Siemering, daher würden sie kaum noch stattfinden. Niedersachsen habe den Trend mit seiner Dunkelfeldstudie wiederbelebt. (wk)

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