Netzbetreiber blockieren Mini-Solaranlagen – Grüne fordern Einlenken Verbot für Balkon-Kraftwerke

Lüneburg/Bremen. Die Werbung für die persönliche Energiewende daheim klingt verlockend. „Auspacken.
20.09.2017, 00:00
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Verbot für Balkon-Kraftwerke
Von Peter Mlodoch

Lüneburg/Bremen. Die Werbung für die persönliche Energiewende daheim klingt verlockend. „Auspacken. Aufstellen. Einstecken“, heißt es über die Mini-Solaranlagen für Garten oder Balkon. „So einfach kann ein Kraftwerk sein.“ Doch ganz so einfach ist der häusliche Umstieg auf saubere Sonnenenergie dann doch nicht. Die meisten Netzbetreiber sträuben sich noch gegen die neue Art der Stromerzeugung. Das musste nun ausgerechnet auch die Energieexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, erfahren. Während sie in ihrer Berliner Zweitwohnung bereits ein 150-Watt-Plug-in-Gerät auf ihrem Balkon betreibt, verwehrt ihr die Avacon Netz GmbH den Gebrauch im heimischen Lüneburger Garten.

„Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Anschluss von Einspeiseanlagen an End­stromkreisen zum jetzigen Zeitpunkt nicht gestattet ist“, erteilte ein Avacon- Mitarbeiter unter Verweis auf diverse DIN-Normen Verlinden eine eindeutige Abfuhr. Das will die niedersächsische Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl allerdings nicht so hinnehmen. „Es ist ein Unding, dass ein großer regionaler Netzbetreiber wie die Avacon die Energiewende von unten derart blockiert“, kritisiert die Umweltwissenschaftlerin im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Gerade im Energiewendeland Niedersachsen sollten sich die Netzbetreiber für den Anschluss jedweder Ökostrom-Anlagen stark machen, statt sie zu behindern.“

In ihrer Antwort an Avacon verweist Verlinden auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts von 2016, wonach der Betrieb von modernen, netzgekoppelten Kleinst-Fotovoltaik-Anlagen gefahrlos möglich sei. Die zitierten Vorschriften seien längst überholt. „Das von mir gemeldete Modell ist schon vielfach in anderen Ländern, zum Beispiel in Österreich, in Betrieb.“ Auch in Deutschland seien mittlerweile mehrere Tausend Geräte angeschlossen.

So erlaubt der Dortmunder Betreiber Westnetz, eine ehemalige RWE-Tochter, laut Umweltorganisation Greenpeace seinen Kunden inzwischen grundsätzlich den Einsatz von Balkon-Geräten bis zu einer Grenze von 300 Watt, sofern „Störungen anderer Anschlussnehmer und schädliche Rückwirkungen auf das Stromverteilnetz“ ausgeschlossen seien. Nutzer müssten lediglich Fabrikat, Modell und Leistung melden. Andere Unternehmen müssten diesem unbürokratischen Beispiel schnell folgen, fordert Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann. Wenn Millionen Mieter endlich die Chance bekämen, zuhause sauberen Strom zu produzieren, könne man bald auf schmutzige Braunkohlekraftwerke verzichten.

Doch die meisten Betreiber wie Wesernetz in Bremen oder EWE Netz in Oldenburg winken noch wegen Sicherheitsbedenken ab. Es handele sich um eine meldepflichtige Anlagenerweiterung, die nur ein gelernter Elektroinstallateur durchführen dürfe, erklärt ein Sprecher des Bremer Unternehmens. Bei größeren Einspeisemengen durch mehrere Kunden gleichzeitig könnten schließlich auch Probleme für das Netz in der Nachbarschaft entstehen. Man schließe aber nicht aus, dass sich so mancher Nutzer eine entsprechende Anlage bereits auf seinem Balkon installiert habe. Andere Netzfirmen warnen vor technischen und sogar steuerrechtlichen Schwierigkeiten, wenn die Mini-Kraftwerke mehr Strom erzeugen, als ihre Besitzer verbrauchen.

Solarmodule wie das Modell Simon zum Aufstellen oder Aufhängen sind im Internet für rund 600 Euro zu bestellen. Man steckt einfach den Stecker in eine Steckdose, der durch Sonnenkraft produzierte Strom wird ins Haus- oder Wohnungsnetz eingespeist. Es wird also weniger Energie von außen benötigt, der eigene Zähler dreht sich langsamer, man spart also Stromkosten. 150 Watt reichen für das Kochen eines Mittagessens oder den ganzjährigen Betrieb einer energieeffizienten Waschmaschine. Für die Grünen-Politikerin Verlinden sind auch solch kleinen Schritte äußerst effektiv. „Jede Kilowattstunde Solarstrom bedeutet am Ende eine weniger aus Kohle und Atom. Das ist gut für die Energiewende und gut für den Klimaschutz.“

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