Niedersachsen legt Zahlen aus neuem Report vor Verden ist Hochburg der Impfverweigerer

Hannover. „Eine Impfpflicht gegen Masern ist nicht nötig. Man soll nicht 95 Prozent der Bevölkerung zu etwas zwingen, wozu sie freiwillig bereit ist.
25.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Joachim Göres

„Eine Impfpflicht gegen Masern ist nicht nötig. Man soll nicht 95 Prozent der Bevölkerung zu etwas zwingen, wozu sie freiwillig bereit ist.“ Mit diesen Worten hat Fabian Feil, Referent für Infektionsschutz im niedersächsischen Gesundheitsministerium, Überlegungen im Bundesgesundheitsministerium eine Absage erteilt. Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) lehnte auch ab, den Kitabesuch von der nachgewiesenen Masernimpfung abhängig zu machen.

Beim niedersächsischen Impfsymposium in Hannover wurden Zahlen aus dem gerade erschienenen Impfreport vorgestellt. Danach haben 2014 bei der Schuleingangsuntersuchung 93,7 Prozent der Kinder in Niedersachsen ihr Impfbuch vorgelegt. Von diesen waren 97 Prozent einmal und 94,2 Prozent zweimal gegen Masern geimpft, fast ebenso viele waren gegen Röteln geimpft. Eine Quote von mindestens 95 Prozent wird angestrebt, damit sich die Krankheiten nicht ausbreiten können.

Im Vergleich zu 2013 nahm die Zahl der Schulanfänger mit zwei Schutzimpfungen gegen Masern, Röteln, Mumps und Windpocken zu. Bei Kinderlähmung, Tetanus, Diphterie, Pertussis (Keuchhusten), Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ B ist die Zahl stabil und liegt weit über 90 Prozent. Regional gibt es allerdings deutliche Unterschiede. So sind im Landkreis Osterode 99 Prozent der Kinder mit vorgelegtem Impfbuch einmal gegen Masern geimpft, im Landkreis Verden liegt dieser Wert bei 92,8 Prozent. Zusammen mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg gehört Verden bei den Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln zur niedersächsischen Hochburg der Impfverweigerer.

Werte unter Landesdurchschnitt

Auch bei den anderen Schutzimpfungen liegen die Werte in Verden durchweg unter dem niedersächsischen Durchschnitt. In den Landkreisen Wesermarsch und Osterholz liegen die Werte ebenfalls meist unter dem Landesdurchschnitt, während in den Landkreisen Rotenburg und Diepholz sowie in der Stadt Delmenhorst die Impfbereitschaft deutlich größer ist. In Bremen liegt die Impfquote etwas unter den niedersächsischen Zahlen. Laut dem gerade erschienenen Bericht des Robert Koch Instituts waren 2013 bei den Schuleingangsuntersuchungen 96,8 Prozent der Kinder einmal und 92,5 Prozent zweimal gegen Masern geimpft. Allerdings ist die Datengrundlage wesentlich unsicherer – in Bremen legten nur 86,6 Prozent der untersuchten Kinder ihr Impfbuch vor.

Bislang 31 Masernfälle

In diesem Jahr sind in Niedersachsen 31 Masernfälle aufgetreten, die meisten davon bei einer Großfamilie aus Bosnien-Herzegowina. „Die meisten Flüchtlinge sind nicht geimpft, wenn sie nach Deutschland kommen. Ich kann sie nicht einfach impfen, weil die Übernahme der Kosten nicht geklärt ist. Es ist unerträglich, dass die einzelnen Landräte darüber entscheiden, ob Asylbewerber geimpft werden oder nicht“, sagt Barbara Janssen, Allgemeinmedizinerin aus Ihlow (Landkreis Aurich).

Laut Referent Feil gibt es vor allem bei Menschen mit hoher Schulbildung und besonders bei Anthroposophen Vorbehalte gegen Impfungen. Bei Migranten liege die Impfbereitschaft über dem Durchschnitt. Nach Angaben von Gisbert Voigt, Vizepräsident der niedersächsischen Ärztekammer, gibt es zudem eine kleine Gruppe von Ärzten, die sich gegen Schutzimpfungen ausspricht. „Die müssen wir überzeugen und können sie nicht dazu vergattern, die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zu übernehmen“, so Voigt. Sie sind die Grundlage für die Kostenübernahme der Impfungen durch die Krankenkassen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und das Paul-Ehrlich-Institut haben den Bericht über Verdachtsfälle von Komplikationen nach Masernimpfungen im Jahre 2013 vorgelegt. Danach gab es bundesweit 309 solcher Fälle. Zu häufigen Nebenwirkungen zählen Fieber, Ausschlag und Fieberkrämpfe. In drei Fällen trat ein bleibender Schaden auf. Da es keine Hinweise auf neue Risikosignale gebe, stellt das Paul-Ehrlich-Institut „für die in Deutschland zugelassenen masernhaltigen Impfstoffe eine uneingeschränkt positive Nutzen-Risiko-Bewertung“ aus.

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