Für Senioren in Niedersachsen Terminvergabe für Corona-Impfungen wird zum Geduldsspiel

Am Donnerstag hat für Hunderttausende Senioren in Niedersachsen die Vergabe von Terminen für die Corona-Impfungen begonnen. Für viele dürfte die Terminvergabe zu einem Geduldsspiel werden.
28.01.2021, 20:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Schnurr und unseren Regionalredaktionen

Es hat keine zwei Stunden gedauert, dann waren am Donnerstagmorgen alle Impftermine vergeben, die Niedersachsen fürs Erste zu vergeben hat. Wer es danach versuchte und die Internetseite www.impfportal-niedersachsen.de aufrief, wurde enttäuscht. Man solle es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal probieren, hieß es. Auch auf die Hotline 0800 9988665 wurde verwiesen, dort könne man anrufen und sich auf eine Warteliste setzen lassen. Doch bei der Hotline war über viele Stunden kaum jemand zu erreichen.

Am Donnerstag hat für Hunderttausende Senioren in Niedersachsen die Vergabe von Terminen für die Corona-Impfungen begonnen. Wer über 80 Jahre alt ist und zu Hause lebt, kann nun einen Tag anfragen. Für viele dürfte die Terminvergabe allerdings zu einem Geduldsspiel werden.

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Über das Internetportal sind am Donnerstag knapp 4500 Termine für etwa 2250 Impfberechtigte verteilt worden. Am Telefon haben 1400 Menschen Daten für die Erst- und Zweitimpfung bekommen. Jeder Impfberechtigte, der geimpft werden will, solle „in den nächsten Wochen“ einen Termin erhalten, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). „Die meisten nur nicht innerhalb der nächsten Tage.“ Angesichts des großen Andrangs warb sie um Verständnis.

Nummer nicht vergeben

Zum Auftakt sind laut Reimann allein in der ersten Stunde mehr als 700.000 Anrufe eingegangen und etwa 120.000 Zugriffe auf das Internetportal erfasst worden. Die Telefonleitungen waren überlastet. Zahlreiche Leser berichteten dem WESER-KURIER von stundenlangen Schwierigkeiten, durchgestellt zu werden. Sie nannten die Terminvergabe „chaotisch“, „ein Desaster“, „dilettantisch organisiert“ und „frustrierend“. Einige wunderten sich darüber, dass durchgesagt wurde, die Nummer sei nicht vergeben. „Dass man da keine andere Ansage schalten kann, verstehe ich nicht“, sagte der Osterholzer Landrat Bernd Lütjen (SPD), der für seine Mutter bei der Hotline angerufen hatte.

Der Andrang kommt nicht überraschend. Der Dienstleister Majorel, der die Hotline betreibt, hatte sein Team im Vorfeld bereits vergrößert. In den kommenden Wochen soll die Zahl weiter steigen, auf insgesamt 280 Mitarbeiter. Laut Majorel können diese etwa 25.000 Anrufe täglich bearbeiten. Der niedersächsische Corona-Krisenstab hatte erwartet, dass die Kapazitäten nicht ausreichen würden. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Hotline dem Ansturm am Anfang nicht gewachsen sein wird“, sagte Krisenstabsleiter Heiger Scholz.

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In Niedersachsen leben etwa 550.000 Menschen über 80 Jahre. Im ersten Schritt sollen aber nur 15.000 Impftermine vergeben werden. Niedersachsen steht weniger Impfstoff zur Verfügung als geplant. Zwei Lieferungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs sind ausgefallen, auch Moderna hat bisher nur einen Teil der angekündigten Dosen geschickt.

Impfzentren im Unklaren

„Impfstoff, der bei uns nicht ankommt, kann nicht weiterverteilt werden“, sagte Krisenstabsleiter Scholz. Auch Gesundheitsministerin Reimann betonte: „Solange Niedersachsen nicht regelmäßig deutlich mehr Impfstoff erhält, wird es leider nicht möglich sein, die Zahl der Termine schon kurzfristig deutlich zu erhöhen.“

Laut NDR haben am Donnerstag nur 18 der 50 Impfzentren in Niedersachsen Impftermine anbieten können. Der Landkreis Holzminden teilte mit, bisher keine Informationen bekommen zu haben, wann mit der nächsten Impfstofflieferung zu rechnen sei. Erst dann könnten aber weitere Termine angeboten werden. „Nach dem Zuteilungsschlüssel des Landes wären wir wieder in 23 Tagen dran“, erklärte die Dezernentin. Wegen der bisherigen Lieferprobleme könne der Kreis sich darauf jedoch nicht verlassen.

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Auch viele Impfzentren in der Region können noch nicht genau sagen, wann es bei ihnen losgeht. In Delmenhorst etwa hofft man auf einen Start in den nächsten Wochen. „Das Impfzentrum wird frühestens ab dem 8. Februar neuen Impfstoff für eine Erst-Impfung erhalten", sagte der Delmenhorster Corona-Krisenstabsleiter Rudolf Mattern.

Anders als in Niedersachsen sei die Bremer Hotline nicht überlastet, teilte das Gesundheitsressort am Donnerstag mit. Man habe eine Erreichbarkeit von nahezu hundert Prozent. Das Bremer Call-Center wird im Auftrag der Gesundheitsbehörde von der Initiative "Bremen impft“, der Handelskammer und weiteren Firmen der Bremer Privatwirtschaft betrieben. Aktuell arbeiten dort bis zu 60 Helfer, sie kommen etwa aus der Hotellerie und der Veranstaltungsbranche.

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