Prozess um gewaltsamen Tod von Daniel S. / „Konkrete Tathandlungen nicht nachgewiesen“ Verteidigung fordert Freispruch

Verden·Weyhe. Im Prozess um den gewaltsamen Tod des 25-jährigen Daniel S. im März vergangenen Jahres in Kirchweyhe hat die Verteidigung gestern Freispruch für den angeklagten Cihan A.
20.02.2014, 00:00
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Verteidigung fordert Freispruch
Von Michael Kerzel

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des 25-jährigen Daniel S. im März vergangenen Jahres in Kirchweyhe hat die Verteidigung gestern Freispruch für den angeklagten Cihan A. gefordert. Ihrem Mandanten habe man in dem Prozess „keine konkreten Tathandlungen nachweisen“ können, erklärten die beiden Pflichtverteidiger vor der Jugendstrafkammer des Landgerichtes Verden.

Rund zweieinhalb Stunden plädierten Martin Stucke und Jürgen Meyer. Die Staatsanwaltschaft habe sich von vornherein auf ihren Mandanten als einzigen Täter festgelegt, kritisierten sie. In ihrem Plädoyer habe die Staatsanwältin Annette Marquardt vor allem die Aussage eines Zeugen einfließen lassen. Es habe im Verlauf des Prozesses jedoch viele verschiedene Aussagen gegeben, die sich teilweise widersprochen hätten, sagte Jürgen Meyer. „Die Aussagen der Zeugen können nicht in Einklang gebracht werden.“ Es sei nicht tragbar, dass die Staatsanwältin einzelne Zeugen ignoriere und die Aussagen von anderen nur teilweise verwende.

Die Polizei hat nach Auffassung der Verteidiger bei den Ermittlungen entscheidende Fehler begangen. In der Tatnacht habe sie alle Zeugen gemeinsam in einen Bus gesetzt. Dort hätten sie sich über die Tat unterhalten können. Dadurch könne es zu Irrtümern bei der Erinnerung gekommen sein, sagte Stucke. Durch die widersprüchlichen Zeugenaussagen könne letztlich nicht geklärt werden, wie das Opfer zu Tode gekommen sei. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass es auf dem Kirchweyher Bahnhofsplatz eine Massenschlägerei gegeben habe. Objektiv seien lediglich die tödlichen Verletzungen des Opfers.

Cihan A., der zur Tatzeit 20 Jahre alt war, hatte über seine Verteidiger zu Beginn des Prozesses eine Erklärung verlesen lassen. Darin beschuldigte er einen Bekannten, für den Tod von Daniel S. verantwortlich zu sein. Er selbst habe schlichtend eingreifen wollen und sei lediglich auf dem Schnee weggerutscht und habe auf diese Weise das bereits am Boden liegende Opfer berührt.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer Anfang Februar für Cihan A. sechs Jahre Jugendhaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert, einer der Nebenklagevertreter eine Strafe von acht Jahren. Das Urteil wird am kommenden Mittwoch erwartet.

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