Traditionsunternehmen H. Hermann Ehlers

Vertreiber von Messgeräten

Made in Niedersachsen: Die H. Hermann Ehlers GmbH vertreibt Messgeräte für Flüssigkeiten oder Gase, die in der Industrie, Schiffen und Fahrzeugen verbaut sind. Damit folgt sie der Familientradition.
27.03.2016, 00:00
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Von Annica Müllenberg
Vertreiber von Messgeräten

Der 54-jährige Marc Blecker ist seit Kindertagen ein Technikfan und stieg 2001 in die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens H. Hermann Ehlers ein.

Björn Hake

Made in Niedersachsen: Die H. Hermann Ehlers GmbH vertreibt Messgeräte für Flüssigkeiten oder Gase, die in der Industrie, Schiffen und Fahrzeugen verbaut sind. Damit folgt sie der Familientradition.

„Wir produzieren nichts, was man anfassen kann. Unsere Stärke besteht im Beraten“, erklärt Marc Blecker fast entschuldigend, doch im Eingangsbereich der traditionsreichen Firma H. Hermann Ehlers GmbH präsentiert sich dem Besucher bereits Geschichte zum Anfassen: Gerahmte Urkunden aus dem Jahr 1865, ein hölzerner Kapitän setzt zum Gruß an und ein noch nicht ausgedientes Messinstrument darf sich verschnaufen. „Damit wurde früher die Menge von Teer ermittelt. Zu dieser Zeit hatten die Messgeräte noch Zeiger und waren rund, deshalb hat sich der Begriff Uhr eingebürgert, beispielsweise für die Wasseruhr“, erklärt der Geschäftsführer.

Um diese „Uhren“ dreht sich alles im Familienunternehmen H. Hermann Ehlers. Vertrieben werden Messgeräte für Flüssigkeiten oder Gase, die in der Industrie, Schiffen und Fahrzeugen verbaut sind. Heiz- und Motoröl strömen durch sie hindurch, wie viel, das geben die Zähler preis. „Wir wissen ganz genau, was wir verkaufen. Jeder Mitarbeiter kennt die Geräte, erlernt sie zu reparieren, damit er dicht dran ist am Produkt. Deshalb dauert die Einarbeitung bei uns länger. Wir beziehen die Geräte aus Deutschland, Amerika und der Schweiz“, erläutert der 54-Jährige, der 2001 in die Geschäftsführung einstieg und sie zehn Jahre später übernahm.

Er selbst ist seit Kindertagen ein Technikfan, stöberte als Junge auf Messen, verdient sich das erste Geld in der großväterlichen Firma und beschritt einen Weg, der vorgelebt, aber nicht in Stein gemeißelt war – Blecker und seine Vorfahren eint das Verhandlungsgeschick, das Sortiment wechselt. Aus einem Eintrag im Handelsregister geht hervor, dass Hermann Heinrich Ehlers sein Geld 1865 mit einer Agentur, Kommission und dem Großhandel verdient. „Wir wissen nicht genau, welche Produkte damals verkauft wurden, ganz sicher wurde aber gehandelt“, meint Blecker. Er führt nun die mittlerweile 150-jährige Familientradition fort.

Der Zweite Weltkrieg ist eine Zäsur, Bleckers Großvater Hans Hermann Ehlers startet bei Null. „Er war ein gefragter Ingenieur und kam mit der Familie aus Dresden zurück, um an der Bismarckstraße die Firma neu zu beleben.“ Neben den Ingenieurtätigkeiten setzt Ehlers damals auf Dampfkesselanlagen, Flüssigkeitszähler, Messgeräte, Pumpen und Wasseraufbereitungsanlagen. Die Abnehmer sind vorrangig die großen Werften, es sind goldene Zeiten, der Handel boomt. Ehlers hat neben dem Standort an der Bismarckstraße einen weiteren in der Hafenstadt Hamburg. Letzterer ist lange geschlossen. Obwohl Wandel und Brüche die Unternehmenshistorie markieren, sind die Weichen für das Kerngeschäft der Durchflussmessung von Flüssigkeiten und Gasen seit den 40er Jahren gelegt. Ihnen bleibt Marc Blecker treu.

„Ein großer Abnehmer fiel weg"

Als 1997 die Bremer Vulkan AG die Produktion einstellt, gerät auch der Lieferant, die H. Hermann Ehlers GmbH, ins Straucheln. „Ein großer Abnehmer fiel weg. Zudem wurden Produkte aus dem Sortiment gestrichen, weil sie nicht mehr gebraucht wurden“ – der Familienvater schaut mit Unbehagen auf die dunklen Jahre zurück. Heute stehen in der Produktpalette neben den Klassikern auch die neuen Stars wie der Solarenergie-Zähler und Geräte, die über Ultraschall funktionieren. Zum Kundenkreis gehören neben den Stahlwerken, Molkereien, Lebensmittelherstellern und Ölbrennerausstattern auch die Bundeswehr und Universitäten. „Jeder will den Verbrauch drosseln und sparen. Die Bundeswehr hat zunächst ein Gerät genommen und später weitere gekauft, weil sie von der Energieoptimierung überzeugt war“, erzählt der Geschäftsführer stolz. Probleme versteht er aus Herausforderung – das Tüfteln und Aufspüren von Lösungen macht seinen Job abwechslungsreich. Die Angebotspalette sehen seine Kunden heute im Internet, dort sollen sie nur Appetit bekommen. Das Geschäft beginnt für die Verkaufsexperten, sobald sein Telefon klingelt.

„Neulich rief ein Student an und benötigte ein Regelventil für eine Mini-Dampfmaschine. Es passiert häufig, dass Studenten und Universitäten sich melden und für Experimente bestimmte Geräte erfragen.“ Bleckers fünfköpfiges Team beliefert von der Kleinstmaschine bis zum schwimmenden Riesen. „An Deck der Kreuzfahrtschiffe sind Geräte installiert, die die Temperatur auf der Wasserrutsche messen, die lieferten wir.“ Zum Kassenschlager nach dem Elbe-Hochwasser avancierte ein Rückstauventil. Es lässt Wasser aus überfluteten Kellern hinaus, aber nicht hinein.

Ein Service, auf den die Firma mit Sitz in Oyten setzt, ist die begleitete Montage. Auf Wunsch ist ein Mitarbeiter dabei. Wer will, kann die Geräte bei Blecker auch mieten: „Nicht jedes Gerät muss unbedingt gekauft werden. Die Anwendung ist leicht händelbar und falls Fragen auftauchen, beraten wir telefonisch.“

Offene Fragen soll es nach Möglichkeit nicht geben. Blecker ist stolz darauf, dass sein Team sich in jedes Problem hineindenkt. „Selbst zu Durchflussgeräten, die Kunden vor 20 Jahren gekauft haben, können wir heute noch etwas sagen. Und wenn nicht, machen wir uns schlau.“

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