Ungewöhnliche Adoption Verwaistes Wildschwein findet Aufnahme in Kuhherde

Was kann man tun, wenn man die Mutter verloren hat? Ein junges Wildschwein im Landkreis Göttingen, dem genau das passiert ist, hat jetzt einen ungewöhnlichen Ausweg aus seiner prekären Lage gefunden.
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Von Heidi Niemann

Was kann man tun, wenn man die Mutter verloren hat und plötzlich ohne Familie ganz allein auf weiter Flur steht? Ein junges Wildschwein im Landkreis Göttingen, dem genau das passiert ist, hat jetzt einen ungewöhnlichen Ausweg aus seiner prekären Lage gefunden: Der verwaiste Frischling hat sich kurzerhand einer Rinderherde angeschlossen.

Die Kühe verhalten sich gegenüber dem Neuzugang mit Migrationshintergrund nicht nur ausgesprochen tolerant, sondern praktizieren sogar eine Willkommenskultur auf der Viehweide. Der Frischling wird kräftig abgeleckt und darf sich an die Kühe ankuscheln, wenn sie dösend im Gras liegen. „Die Kühe kümmern sich um das Tier, als wenn es ihr eigenes Kalb wäre“, erzählt Jakob Kraft.

Der 16-jährige Landwirtssohn aus Meensen hatte das Wildschwein vor zehn Tagen entdeckt. Er fährt regelmäßig zu der Wiese am Ortsrand, wo die Rinder grasen, um nach den Tieren zu sehen. Als er mal wieder die Weidezäune kontrollierte, wunderte er sich, dass zwischen den Kühen ein kleines Tier herumlief. „Ich dachte erst, dass einer der Rinder auf der Wiese gekalbt hätte“, erzählt er. Dann aber war schnell klar: Das muntere Tier war kein Kalb, sondern ein Wildschwein.

Jäger werden Wildschwein leben lassen

Erst war ihm etwas mulmig, weil er nicht wusste, ob die Wildschweinmutter in der Nähe war. Doch als die Rinder aufstanden und zu ihm kamen, kam der Frischling munter hinterhergewetzt. Inzwischen hat er ein Vertrauensverhältnis zu dem Frischling aufgebaut. Kein Wunder: Jakob Kraft bringt regelmäßig leckeres Futter vorbei. Wenn er mit dem Eimer auftaucht, kommt Johann – so der Name – bis auf einen Meter Entfernung zu ihm heran.

Angst vor Jägern braucht der Frischling derzeit nicht zu haben. Die beiden örtlichen Jäger haben das kleine Wildschwein inspiziert und Jakob Kraft zugesichert, dass sie auf Johann nicht anlegen werden.

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In sechs Wochen wird sich zeigen, wie stark die Familienbande zu der Herde sind. Dann kommen die Rinder über den Winter zurück in den Stall. „Entweder kommt das Wildschwein dann mit zu uns, oder es läuft in den Wald“, sagt Jakob Kraft.

Vor fünf Jahren hatte schon einmal ein junges Wildschwein bundesweit Schlagzeilen gemacht. Damals hatte ein Frischling namens „Friederike“ bei einer Galloywayherde im Landkreis Göttingen Unterschlupf gefunden. Wildbiologen erklärten damals, dass der verwaiste Frischling das Beste aus seiner Situation gemacht habe. Junge Wildschweine seien wegen ihrer verhältnismäßig großen Körperoberfläche sehr kälteempfindlich. Der Körperkontakt zu den Galloways mit ihrem doppelschichtigen Fell und einer Körpertemperatur von 39 Grad sei nicht nur schön kuschelig, sondern verringere auch die Kräfte zehrenden Energieverluste.

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