Vorbild Metronom

Viele Verkehrsunternehmen planen Alkoholverbote

Bässe dröhnen, Flaschen klirren und Angetrunkene grölen. Die übrigen Fahrgäste im voll besetzten Großraumwagen verdrehen genervt die Augen. In immer weniger Zügen und Straßenbahnen ist das erlaubt.
24.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Viele Verkehrsunternehmen planen Alkoholverbote
Von Lisa Boekhoff
Viele Verkehrsunternehmen planen Alkoholverbote

Trotz solcher Bilder nach einem Gelage – die Deutsche Bahn plant noch keine Verbote.

dpa

Bässe dröhnen, Flaschen klirren und Angetrunkene grölen. Die übrigen Fahrgäste im voll besetzten Großraumwagen verdrehen genervt die Augen. Feuchtfröhliche Gelage verderben so manchem Zugreisenden die Laune.

Und Spaziergängern, die im Park die Ruhe genießen wollen, geht es manchmal nicht nicht viel besser. Doch Kommunen und Bahngesellschaften zeigen den Promillefreunden zunehmend die Rote Karte. Sie verhängen Alkoholkonsumverbote – mit Erfolg.

Sauberer und sicherer

Einige Bahnunternehmen im Nordwesten haben Alkohol aus ihren Zügen bereits seit längerer Zeit verbannt. Vorreiter war 2009 die Metronom Eisenbahngesellschaft, 2011 zogen Erixx und die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) nach. Die Züge seien seit Einführung des Alkoholkonsumverbots deutlich sauberer und sicherer, insbesondere an den Wochenenden, heißt es bei Metronom. Bei Einzelreisenden sei das Verbot meist leicht durchsetzbar, sagt Erixx-Sprecher Harald Lukaschewsky. In der Regel reiche die freundliche Ansprache, und das eigentlich fällige Bußgeld von 40 Euro müsse gar nicht verhängt werden. „Wir haben aber immer mal wieder Probleme mit Fußballfans, insbesondere wenn sie in Gruppen auftreten.“

Ganz promillefrei geht es in den Regionalbahnen aber noch nicht zu. „Bei uns darf man Alkohol trinken“, sagt Stephanie Nölke von der Nordwestbahn (NWB). „Wir machen regelmäßig Kundenzufriedenheitsbefragungen, die Fahrgäste fühlen sich objektiv sicher.“ Dennoch werde es ab Dezember 2016 eine Ausnahme geben. Dann übernimmt die NWB das Weser-Ems-Netz und führt auf der Strecke auf Wunsch der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ein Alkoholkonsumverbot ein. Nölke: „Die LNVG hat bei anderen Verkehrsunternehmen gute Erfahrungen damit gemacht, auch was Vandalismus angeht.“ Zudem steige bei den Fahrgästen das subjektive Sicherheitsgefühl. Die Deutsche Bahn plant laut Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis keine Verbote.

Hemmschwelle Videoüberwachung

In Bremer Straßenbahnen und Bussen gilt dagegen schon seit vielen Jahren ein striktes Alkoholverbot. Wer dennoch welchen trinke, werde darauf zunächst aufmerksam gemacht, sagt Jens-Christian Meyer, Pressesprecher der BSAG. „Die meisten reagieren darauf dann sofort.“ Eine Geldstrafe gibt es nicht.

Weil die Fahrer sich auf den Verkehr konzentrieren sollen, könnten sie das Verbot tagsüber nicht kontrollieren. „Sie haben natürlich nicht den Blick über 36 Meter Straßenbahn oder 18 Meter Bus“. Die Aufgabe übernehmen deshalb die Fahrscheinkontrolleure. Durchhaus Wirkung gezeigt habe auch, dass im Bus ab 20 Uhr, wenn der Einstieg nur noch vorn möglich sei, die Fahrer auf das Thema achten könnten.

Mit alkoholisierten Gästen oder solchen, die in der Bahn tränken, hätten sie keine besonderen Probleme, sagt Meyer. „Dass sich jemand durch sie belästigt fühlt, ist sehr selten.“ Geholfen hätte dabei vor allem die Videoüberwachung, die die BSAG etwa vor zehn Jahren einführte. „Seitdem gibt es eine andere Hemmschwelle. Wir haben einen Rückgang von Übergriffen auf Fahrgäste und Fahrpersonal, aber auch an Vandalismus.“ In Ausnahmesituationen, etwa bei Werder-Spielen, seien sowieso Ordner vor Ort. Generell gelte in den Bussen und Bahnen ein Verzehrverbot, auf das man mit Piktogrammen hinweise. In den Achtzigern brachte die BSAG das charmant mit dem Spruch „Eten, supen un pupen, dat mook buten“ auf den Punkt.

Gestiegene Kosten bei Müllentsorgung

Erst jüngst für ein Alkoholverbot entschlossen hat sich der Bremer Bürgerpark. Zum 1. Oktober tritt es in Kraft. Alkoholisierte Gruppen wurden dort zum Problem. Vor allem während der Kohlfahrtsaison häuften sich laut Parkdirektor Tim Großmann Beschwerden über stark alkoholisierte Gruppen, blockierte Wege, Scherben, Erbrochenes oder in die Tiergehege geworfene Feuerwerkskörper.

Auch die Kosten für die Müllentsorgung seien gestiegen. „Das Verbot dient dazu, die Auswüchse zu begrenzen“, sagt Großmann. „Der Bürgerpark ist ein Ort der ruhigen Erholung, Gegröle und Gesaufe steht dem entgegen.“ Durchgesetzt werden soll die Regelung vor allem durch die freundliche Ansprache von Alkoholsündern durch die Parkwächter.

Von einer Verbesserung der Situation sprechen auch die Stadt Leer, an deren Uferpromenade seit 2011 ein Alkoholverbot gilt, und Osnabrück in Bezug auf das Quartier Salzmarkt/Johannisstraße.

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