Geflügelpest

Engpässe bei Freilandeiern aus Niedersachsen

Lange Stallpflicht wegen Geflügelpest zwingt Erzeuger zum Umdeklarieren. Das hat unter anderem auch zur Folge, dass Eier in Niedersachsen zu Ostern teurer sind.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Engpässe bei Freilandeiern aus Niedersachsen
Von Peter Mlodoch
Engpässe bei Freilandeiern aus Niedersachsen

Werden Freilandhühner für einen längeren Zeitraum eingesperrt, dürfen die Eier nur noch als Bodenhaltung verkauft werden.

Felix Kästle / dpa

Freiland-Eier zu Ostern werden knapp und damit wohl auch teurer. Weil in den meisten niedersächsischen Landkreisen und in Bremen die Legehennen wegen der Geflügelpest seit November nicht mehr draußen rumlaufen dürfen, müssen deren Produkte als „Eier aus Bodenhaltung“ vermarktet werden. Betroffen von dieser Folge der behördlich angeordneten Aufstallungspflicht sind mehr als 4,4 Millionen Hühner aus konventioneller Freiland-Haltung. Das ergibt sich aus einer Antwort des Landwirtschaftsministeriums in Hannover auf Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Miriam Staudte.

Aufgrund der Abstufung in der Haltungsform von Klasse 1 (Freiland) auf Klasse 2 (Bodenhaltung) müssen die Betriebe mit Einbußen bei ihren Erlösen rechnen. Zwar könne derzeit über die konkreten Auswirkungen auf die Erzeugerpreise „nur spekuliert“, werden, heißt es in der Ministeriumsauskunft, die dem WESER-KURIER vorliegt. „Es ist allerdings zu vermuten, dass Freilandhaltungseier teurer, Bodenhaltungseier hingegen billiger werden.“ Engpässe auf dem Gesamtmarkt vor Ostern befürchtet Ressortchefin Barbara Otte-Kinast (CDU) dagegen nicht. „Grundsätzlich ist die Eierproduktion zeitlich auf die steigende Nachfrage zu den Feiertagen vorbereitet.“ Endverbraucher dürften von preislichen Schwankungen kaum etwas spüren, hofft das Ministerium.

Im vergangenen November hatten 26 der 45 Landkreise und großen Städte in Niedersachsen auf Anordnung des Ministeriums eine Verbannung aller Freiland-Bestände in die Ställe verfügt – darunter Delmenhorst, Diepholz, Osterholz und Verden. Auch Bremen, wo 200 Freilandhennen registriert sind, vollzog diesen Schritt. Weitere sieben Kommunen ordneten Teil- oder Einzelaufstallungen an. Laut EU-Verordnung 589/2008 müssen die dort erzeugten Produkte nach 16 Wochen in „Eier aus Bodenhaltung“ umdeklariert werden. Bei den 2,4 Millionen von Stallpflicht betroffenen Bio-Legehennen (Haltungsklasse 0) ist dies nicht erforderlich.

Seit November wurden 64 Geflügelpest-Ausbrüche in Niedersachsen registriert. In 72 Prozent der Fälle waren davon allerdings Putenbetriebe betroffen. Und fast zwei Drittel dieser Ausbrüche fanden allein im Landkreis Cloppenburg statt. Grünen-Parlamentarierin Staudte fordert daher differenzierte Reaktionen. „Die pauschale Verhängung der Stallpflicht in ganzen Landkreisen ist unverhältnismäßig.“ Ausbrüche passierten nur vereinzelt oder in regionalen Clustern. „Auch zeigt sich, dass gerade die industrielle Putenhaltung für Geflügelpest anfällig ist, weniger die Legehennenhaltung“, erklärt die Vizefraktionschefin. Die Theorie von Einschleppung durch Wildvögel sei vielfach nicht mehr haltbar. „Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass die Hygienemaßnahmen durch einzelne Betriebe nicht eingehalten wurden.“

Staudte befürchtet außerdem immense Probleme beim Tierschutz, wenn die an Auslauf gewöhnten Hühner für lange Zeit in enge Ställe gesperrt würden. Diese Sorge teilt sogar das Agrarressort. Die Halter, appelliert das Ministerium in seiner Antwort, sollten das Verhalten der Hennen aufmerksam beobachten und „zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten, um die Tiere abzulenken, damit es nicht zum Auftreten von Federpicken und Kannibalismus kommt“.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+