450 Trauergäste nehmen Abschied von Ernst Albrecht Vorbild in der Flüchtlingspolitik

Hannover. In einem Staatsakt haben Politiker und Wegbegleiter den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht gewürdigt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete seinen im Alter von 84 Jahren gestorbenen Parteifreund als „großen Deutschen, großen Europäer und vor allem großartigen Menschen“.
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Von Christina Sticht

In einem Staatsakt haben Politiker und Wegbegleiter den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht gewürdigt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete seinen im Alter von 84 Jahren gestorbenen Parteifreund als „großen Deutschen, großen Europäer und vor allem großartigen Menschen“. Der Mitgründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Rupert Neudeck, hob Albrechts Einsatz für vietnamesische Bootsflüchtlinge 1978 hervor. Er hoffe, dieses Beispiel könne in diesen Tagen noch einmal Schule machen. „Ein Ministerpräsident könnte mit einer Entscheidung das Leben von 1000 Syrern oder Jesiden retten“, sagte Neudeck.

Rund 450 Trauergäste hatten sich gestern zu dem Trauerakt in der Staatsoper Hannover versammelt. In den ersten Reihen saßen Angehörige, darunter Albrechts Tochter, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, mit ihrem Ehemann. Die Familie war 2007 zu dem an Alzheimer erkrankten Ernst Albrecht auf das elterliche Gut in Beinhorn bei Hannover gezogen. Vom Tod ihres Vaters hatte die Ministerin am 13. Dezember bei einem Truppenbesuch in Afghanistan erfahren.

Von 1976 bis 1990 war Albrecht niedersächsischer Regierungschef – so lange wie keiner vor und nach ihm. Mit Gerhard Schröder, Gerhard Glogowski, Sigmar Gabriel und Christian Wulff hatten gleich vier ehemalige Ministerpräsidenten Niedersachsens in der ersten Reihe Platz genommen. Der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erinnerte daran, dass Niedersachsen als erstes europäisches Land 1978 Flüchtlinge aus Vietnam, die sogenannten Boat People, aufnahm. Es sei bis heute bewegend, wie Albrecht seinen humanitären Einsatz damals ethisch begründete, sagte Weil und zitierte seinen Vorgänger: „Solidarität, das ist säkularisierte Form der Nächstenliebe! Die Solidarität darf ihrer Natur nach, wie die Nächstenliebe, nicht auf die Menschen der eigenen Nation begrenzt bleiben.“

Wie zuvor schon Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann betonte Schäuble den politischen Stil und das intellektuelle Format Ernst Albrechts. Er habe auf die Kraft des Diskurses, statt auf den Austausch von öffentlichkeitswirksamen Sprüchen gesetzt, sagte der Finanzminister. Bis zuletzt sei seine Ausstrahlung ungebrochen geblieben: freundlich, liebenswürdig, altersmilde, gütig, aber dennoch Autorität vermittelnd.

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