Niederländer richten Wangerooger Wal her Wal-Skelett wird als Schaustück präpariert

Noch liegen die Knochen eines der vor Wangerooge gestrandeten Pottwale in der Seifenlauge. Auf der Insel wird bereits überlegt, wie das präparierte Skelett am besten zur Geltung gebracht werden kann.
05.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Wal-Skelett wird als Schaustück präpariert
Von Justus Randt

Noch liegen die Knochen eines der vor Wangerooge gestrandeten Pottwale in der Seifenlauge. Auf der Insel wird bereits überlegt, wie das präparierte Skelett am besten zur Geltung gebracht werden kann.

Noch liegen die Pottwalknochen in einer Lauge. Das Skelett eines der beiden im Januar vor Wange-rooge verendeten Jungbullen muss vom Fett befreit werden. Es ist deutlich weniger als es sein sollte. Vermutlich haben die Meeressäuger gehungert, nachdem sie sich auf dem Weg von der Arktis zu den Azoren verschwommen und nicht mehr aus der Nordsee herausgefunden haben.

Ehe sie geschwächt strandeten und starben, hätten sie „schon von ihrem eigenen Fett gezehrt“, hatte Aart Walen vermutet. Der niederländische Tierpräparator bearbeitet die Knochen des größeren der beiden Wale. Das Skelett soll auf Wangerooge ausgestellt werden.

Wie das aussehen könnte, will Inselbürgermeister Dirk Lindner noch im März in den Niederlanden besprechen. Dinosaurier- und Walexperte Aart Walen und sein Team waren schon auf Wangerooge an der Bergung der Kadaver beteiligt. Im Wilhelmshavener Hafen hatten sie die streng geschützten Tiere unter Mithilfe sachkundiger Freiwilliger zerlegt.

Lesen Sie auch

Die mit den Ziffern 1 und 2 markierten toten Wale für die Tierkörperbeseitigungsanlage vorzubereiten, dauerte ein ganzes Wochenende. Dass Nummer 2, der größere, aber mit ursprünglich 16 Tonnen leichtere, wieder zurück auf die Insel kommen soll, das stand schon fest. Seine 140 Knochen sind, in einen Container verpackt, in Aart Walens Werkstatt bei Arnhem in der Provinz Gelderland gebracht worden. Einschließlich des zuvor zum Schutz vor Elfenbeindieben abgetrennten Unterkiefers und der Flosse, die dem Kadaver abgeschnitten wurde, um ihn besser ins Wasser und nach Wilhelmshaven schleppen zu können.

In Doornenburg will Lindner sich den Fortgang der Dinge ansehen. Die Einzelteile des knapp 13 Meter langen Skeletts werden dann noch immer im Laugebad liegen. Aber schon jetzt soll geklärt werden, wie die Zukunft des Wals auf Wangerooge aussehen kann und soll. „Wir haben Aart Walen den Platz vor dem Nationalparkhaus gezeigt“, sagt Lindner. Im Innern des Gebäudes ist es zu eng für das größte Raubtier der Erde – und die Renovierung des „Rosenhauses“ sei gerade erst beendet worden.

So ist alles darauf ausgerichtet, das Skelett vor dem Haus zu platzieren. In der Inselkommune sei auch schon über eine Art Carport für den Pottwal nachgedacht worden, sagt der Inselbürgermeister, „aber dagegen wehre ich mich, das passt da nicht hin. Da sollten wir lieber die Laubbäume am Park ein bisschen beschneiden, damit der Wal keine Vogelschiete abbekommt.“ Noch werde überlegt, ob das Skelett auf Stelzen gestellt oder aufgehängt werden soll. Das hängt auch davon ab, wie der Wal modelliert wird: „springend, also gebogen, oder gerade“. Egal wie, vor April 2017 wird der Wal jedenfalls nicht zurückerwartet auf Wangerooge.

Im Bremer Übersee-Museum ist schon seit 1998 ein Pottwalskelett zu sehen, das von einem 1996 vor Sylt in dänischen Gewässern gestrandeten Pottwal stammt. Andreas Vollprecht, Präparator im Museum, reinigte die Knochen damals in einem heißen Seifenbad auf dem Gelände der Kläranlage Seehausen, ehe er sie im Museum wieder zusammensetzte.

Gegenwärtig spielt das zwölf Meter lange und 1,2 Tonnen schwere Skelett eine tragende Rolle in der Sonderausstellung „Faszination Wale – Mensch. Wal. Pazifik“, die noch bis zum 24. April zu erleben ist – einschließlich Walgesängen und des begehbaren Modells eines Blauwalherzens. Eine der nächsten Attraktionen im Begleitprogramm der Schau ist der Familientag am Sonntag, 13. März, ab 13 Uhr. „Die sanften Riesen der Meere und und die Menschen in der Südsee“ stehen dabei laut Cerstin Wille vom Übersee-Museum im Mittelpunkt.

In Doornenburg präpariert und imprägniert Aart Walen die Gebeine „so, dass wir erst mal zehn Jahre lang Ruhe haben“, wie der Bürgermeister sagt. „Danach werden die Knochen dann wie wertvolles altes Holz alle sieben bis zehn Jahre neu imprägniert. Bei den alten Walknochen-Zäunen auf Borkum wird das auch so gemacht.“

Im Januar, einen Tag, nachdem die Wale gefunden worden waren, hatte Almut Kottwitz, Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, die Hauptversammlung der Insel-Feuerwehr besucht. Eigentlich ging es um wichtige Themen wie das Freihalten der Fahrrinne. „Da kamen uns die Wale sozusagen dazwischen“, sagt Lindner, „und Frau Kottwitz hat uns bekräftigt und unterstützt, das Skelett zu behalten.“. Andere Naturparkhäuser haben bereits ganze Skelette oder Walknochen ausgestellt. Diesmal ist Wangerooge an der Reihe.

Rund 70.000 Euro kostet es nach Informationen des Bürgermeisters, die Knochen als Denkmal herzurichten. „Ich haue an, wen ich kann“, sagt er. Der Landkreis Friesland habe 10.000 Euro zugesagt, auch die Wattenmeerstiftung, Inselbewohner und Gäste wollten Geld geben. Die Wattenmeer-Nationalparkverwaltung unterstütze das Vorhaben, ein Energieunternehmen habe inzwischen zugesagt, die Kosten für die effektvolle Beleuchtung der Knochen zu übernehmen.

Seit dem 8. Januar sind insgesamt 28 junge Pottwale in der südlichen Nordsee gestrandet, 16 in Deutschland und je sechs in den Niederlanden und Großbritannien. Die Ursachen der Wal-Tragödie und ihr Ausmaß sollen erforscht werden. Proben werden am Büsumer Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover von einem internationalen Expertenteam untersucht. Erste Ergebnisse sollen Ende März vorgestellt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+