Ferien- statt Brückentag Warum ein Lehrer für Winterferien in Niedersachsen kämpft

Ein Lehrer aus Stadthagen kämpft dafür, dass in Niedersachsen einwöchige Winterferien eingeführt werden. Viele Hürden hat er inzwischen genommen, jetzt ist die Politik am Zug.
05.10.2019, 20:31
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Warum ein Lehrer für Winterferien in Niedersachsen kämpft
Von Marc Hagedorn

Wenn es nach Stefan Berger ginge, hätte es den Brückentag am vergangenen Freitag nicht geben müssen. Berger ist Lehrer am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen, und er hätte gern am Freitag unterrichtet und dafür an einem anderen Tag frei gehabt. Berger weiß auch wann: direkt nach der Zeugnisvergabe, zwischen dem Wechsel vom ersten zum zweiten Schulhalbjahr. Winterferien könnte man diese eine freie Woche nennen, die Berger sich wünscht. Möglich wären aus seiner Sicht aber auch fünf Tage Pfingstferien, wenn die Osterferien schon sehr früh, also im März, liegen.

Der Pädagoge ist mit seiner Idee Anfang des Jahres in die Öffentlichkeit gegangen. Er hat eine Online-Petition gestartet und hatte innerhalb weniger Tage die 5000 Unterschriften zusammen, die in Niedersachsen notwendig sind, damit sich die Politik ernsthaft mit dem Anliegen beschäftigt.

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Vergangene Woche hat Berger den nächsten Schritt gemacht: Er hat vor dem Petitionsausschuss des Landtages gesprochen. Sein Gefühl? „Ich hatte das Gefühl, dass es nettes Kopfnicken gab, aber auch ernstes Schauen und kritisches Nachfragen“, sagt Berger im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Der Vater von zwei Kindern, liebt den Winter und den Wintersport. Er macht keinen Hehl daraus, dass sein Wunsch nach einer Woche Winterferien auch damit zu tun hat. „Ich hätte sehr gern die Möglichkeit, mit meiner Familie eine Woche lang Ski-Urlaub zu machen“, sagt Berger. Und auch für diejenigen, die nicht Ski fahren oder sich einen Trip in die Berge leisten können, wäre die eine Woche Winterferien ein Gewinn, ist Berger überzeugt. „Ich wünsche den Kindern, wenn es Anfang Februar schneit: Nutzt den Schnee. Geht mal einen ganzen Tag lang raus, schnappt euch einen Schlitten und fahrt damit die Hügel hinunter“, sagt Berger.

Familienvater und Pädagoge

Als Berger vergangene Woche vor den Politikern saß und seine Eingabe vorstellte und verteidigte, sprach er aber nicht nur als Familienvater, sondern auch als Pädagoge. Er wünscht sich ein „klares Break“, wie er sagt, zwischen den Halbjahren, „eine kleine Atempause. Wir geben den Kindern die Zeugnisse, und sie haben gar keine Zeit, sich zu schütteln, die Noten zu verarbeiten und sich auf die zweite Hälfte vorzubereiten. Zwei Tage später fängt doch schon das nächste Halbjahr an.“ Die Pause, so Berger, tue auch den Schulen aus organisatorischen Gründen gut, denn oft kämen neue Kollegen nach den Halbjahreszeugnissen.

Beim Philologenverband Niedersachsen stößt Bergers Anliegen auf Widerspruch. „Für die Einführung von Winterferien gibt es unserer Auffassung nach auch bei Abwägung des Pro und Contra keine zwingenden pädagogischen oder schul- und unterrichtsorganisatorischen Gründe“, schreibt der Verband auf Anfrage des WESER-KURIER.

Bereits 2015 hatte der Verband bei der Anhörung zur Ferienplanung bis 2023/2024 Stellung genommen und war zu demselben Schluss gekommen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte vor vier Jahren Winterferien abgelehnt und argumentiert, dass fünf Tage Ferien keinen wirklichen Erholungswert hätten. Der setze erst ab zwei Wochen ein.

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Diese Argumentation wiederum hält Lehrer Berger für widersprüchlich. „Wenn erst zwei Wochen Ferien einen Erholungswert haben, warum arbeitet man dann mit so vielen Brückentagen?“, fragt er. Berger will nicht missverstanden werden: Es geht ihm nicht darum, mehr Ferien zu haben. Er möchte sie nur gern anders aufgeteilt haben. Ostern zum Beispiel. „Warum muss nach Ostern der Dienstag auch noch frei sein, wenn man doch sowieso schon zwei Wochen Ferien hatte?“, fragt er. Überhaupt die Osterferien: „Sie sind ein Keil mitten im Halbjahr.“

Was dem Lehrer Berger nicht gefällt, ist für den Philologenverband gerade ein Plus. Besonders der erste Unterrichtsblock nach den Weihnachtsferien und bis Ostern sei wichtig, da er „geschlossen und ohne wesentliche Unterbrechungen“ für die Vermittlung des Unterrichtsstoffes und das Schreiben von Klausuren genutzt werden könne.

Eine nicht unproblematische Unterrichts- und Arbeitsverdichtung

Dies sei umso bedeutsamer, da nach Ostern sehr bald Abiturprüfungen oder für jüngere Jahrgänge Exkursionen und Schulfahrten sowie Zeugniskonferenzen anstünden, diese zweite Phase im zweiten Halbjahr also schon sehr verdichtet sei. „Aus unserer Sicht wäre davon auszugehen, dass es durch Winterferien zu einer nicht unproblematischen Unterrichts- und Arbeitsverdichtung sowie zu einer weiteren zeitlichen Häufung von Leistungsüberprüfungen käme“, schreibt der Philologenverband.

Das letzte Wort hat die Politik. Bis zum Jahr 2024 sind die Schulferien in Niedersachsen festgeschrieben. Noch in diesem Jahr wird die Kultusministerkonferenz die Sommerferien ab 2025 festlegen. Erst danach wird über die neue Ferienordnung für Niedersachsen entschieden. Ferien, die ausdrücklich als Winterferien deklariert sind, gibt es 2020 und 2021 in acht Bundesländern.

Der Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtages wird im November einen Beschluss fassen. Wie das Niedersächsische Kultusministerium mitteilt, sind dabei die Einschätzungen der zuständigen Gewerkschaften und Fachverbände „sehr wichtig“.

Stefan Berger hat das befürchtet. Er sei „skeptisch“, dass sein Anliegen Erfolg haben wird, gibt er zu. „Schade“, sagt er, „denn mit einer Woche Winterferien würde sich für einige Kinder und Familien eine ganz neue Welt auftun.“

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