Niedersachsen Weichenstellung für Küsteneisenbahn

Esens. Das Signal für einen durchgehenden Zugverkehr in Ostfriesland steht nicht länger auf Rot. Der Rat der Stadt Esens will die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Esens und Dornum wider Erwarten nicht von einem Lebensmitteldiscounter überbauen lassen.
05.01.2010, 16:23
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Wein

Esens. Das Signal für einen durchgehenden Zugverkehr in Ostfriesland steht nicht länger auf Rot. Der Rat der Stadt Esens will die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Esens und Dornum wider Erwarten nicht von einem Lebensmitteldiscounter überbauen lassen. Gespräche mit dem Investor hätten ergeben, dass eine neue Trasse um den Supermarkt herumführen könne, berichtet Matthias Köring, erster Kreisrat im Landkreis Wittmund. Ob zwischen Esens, Dornum und Norden allerdings jemals wieder Züge rollen werden, sei vor allem eine Frage von Fördergeldern.

Derzeit ist Ostfriesland per Bahn nur an seinen Rändern erreichbar. Die Deutsche Bahn verkehrt von Oldenburg über Leer und Emden nach Norden-Norddeich, die Nordwestbahn von Oldenburg nach Wilhelmshaven und von dort über Jever und Wittmund nach Esens. Vor allem die letztere Stichbahn ist mit 65 Prozent Zuschussbedarf hoch defizitär und stand in der Vergangenheit bereits zur Disposition. Zwischen Norden und Dornum wird die Strecke der alten Küstenkleinbahn nur noch von einem Museumszug sporadisch befahren. Die alte Trasse von Dornum nach Esens wird derzeit überwiegend als Radweg genutzt, ist aber planungsrechtlich noch vorhanden.

Eine Machbarkeitsstudie hatte im Sommer 2009 Kosten von 20 Millionen für eine Neuverlegung von Gleisen und weiteren 20 bis 30 Millionen für nötige Flächenkäufe und Signalanlagen prognostiziert. Bei steigenden Benzinkosten und einem steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung könne die Strecke demnach an Attraktivität gewinnen. Nach dem Sinneswandel in Esens wollen die betroffenen Kreise und Kommunen ihr weiteres Vorgehen abstimmen. 'Jede Infrastruktur ist gut für unseren touristisch geprägten Kreis', sagt Köring.

Die Idee einer Querverbindung zwischen Emden, Aurich und Wilhelmshaven für den Personenverkehr hat derzeit wenig Realisierungschancen. Zwar hat der Windanlagenbauer Enercon die alten Gleisanlagen zwischen Emden und Aurich auf eigene Kosten 2004 wiederherstellen lassen. 'Inzwischen rollen hier vier bis sechs Züge täglich', berichtet Manfred Galka, Sprecher des Landkreises Aurich. Damit entfallen die ständigen Straßensperrungen für die Großtransporte. Inzwischen müssten die Züge wegen fehlender Signalanlagen auch nicht mehr an jedem Übergang pfeifen.

Allerdings dürfe die Strecke nur mit maximal 25 km/h befahren werden, was allenfalls für Ausflugsfahrten zum Auricher Weihnachtsmarkt genutzt werde. 'Da können Sie sich auch auf ein Fahrgastschiff im Auricher Hafen setzen und sind noch schneller in Emden.' Eine Reaktivierung mache nur Sinn bei einer komplett neuen Trasse ab Georgsheil über Aurich-Tannenhausen nach Wilhelmshaven. 'Die wäre dann auch für den Verkehr vom Jade-Weser-Port in Richtung Ruhrgebiet interessant', glaubt Galka.

Wenig Chancen für Reaktivierungen sieht die zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen. Pressesprecherin Kerstin Heinemann berichtet, eine große Studie habe in Niedersachsen allein der Strecke Dissen-Osnabrück größere Fahrgastzahlen vorausgesagt. Allerdings seien diese bislang nicht erreicht worden. 'Wir sind da sehr vorsichtig', sagt Heinemann. Dagegen hätten sich die Passagierzahlen im Regionalexpress von Hannover nach Norddeich so gut entwickelt, dass dieser seit einigen Monaten mit einem sechsten Wagen verkehrt. Ob dies die überfüllten Züge vor allem zwischen Bremen und Oldenburg in Stoßzeiten spürbar entlastet, bleibt abzuwarten.

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