SPD-Landesvorsitzender zur Endlagersuche Weil auf Konfrontationskurs

Hannover. Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager geht Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil auf Konfrontationskurs zu seiner Bundespartei.
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Von Wk

Hannover. Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager geht Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil auf Konfrontationskurs zu seiner Bundespartei. "Ich bin ein sehr loyaler Sozialdemokrat, aber ich werde Gorleben nicht mittragen", sagte der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Hannover. Bei einem Thema mit "dieser Kragenweite" gehe es nicht um Loyalität gegenüber der eigenen Partei, sondern um Verantwortung. Genau wie die Grünen will auch SPD-Chef Sigmar Gabriel Gorleben bei der bundesweiten Suche nach einem Atommüllendlager im Topf lassen.

Ganz anders Weil: "Ich werde intensiv gegen eine weitere Prüfung Gorlebens kämpfen." Dazu sei er auch zu einem Konflikt mit der Bundes-SPD bereit. "Gabriel sagt, wir müssen jetzt weiterkommen. Ich bin aber nicht bereit aus taktischen Gründen einen Standort in der Diskussion zu lassen, der geologisch immer streitig sein wird." Gorleben sei für ihn alles andere als eine wahltaktische Überlegung. Vielmehr gehe es um "eine besondere Verantwortung", die er auch mit dem Preis bezahlen werde, dass dann andere niedersächsische Standorte infrage kommen. "Dessen bin ich mir bewusst", sagte Weil. Es gebe nirgendwo einen Standort für ein Endlager, der ohne Streit ausgewählt werde. "Für mich heißt dass, der Standort muss geologisch – nicht politisch – über jeden Zweifel erhaben sein", sagte Weil. Im Gegensatz zum laufenden Fachstreit um Gorleben gehöre dazu, dass alle Geologen eine prinzipielle Eignung attestierten.

Der seit 35 Jahren währende Streit um Gorleben dreht sich vor allem darum, ob der Salzstock für die Lagerung von Atommüll auch langfristig sicher genug ist. Bei einer neuen Suche soll daher auch noch einmal ergebnisoffen geprüft werden, ob Salz, Ton oder Granit als Wirtsgestein für die unterirdische Lagerung am besten geeignet ist. Frankreich und die Schweiz haben sich für Ton entschieden, der als wasserundurchlässig gilt. Finnland und Schweden setzen auf Granit, der in Deutschland aber als "Außenseiter" gilt.

Geologen halten deutsche Salzstöcke für gut geeignet zur Sicherung hoch radioaktiver Abfälle. Es ist Konsens, diese in tiefen Schichten zu lagern – in Gorleben wäre es in 860 Metern Tiefe. Salz hat den Vorteil größerer Hitzebeständigkeit. Abgebrannte Brennstäbe müssten nicht so weit auseinander gelagert werden. Zudem "fließt" Salz, es kann die Behälter einschließen. Die Atomindustrie geht bisher fest von einer Eignung Gorlebens aus, denn es gebe noch keinen endgültigen fachlichen Gegenbeweis.

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