In der katholischen Kirchengemeinde Nordharz springen Ehrenamtliche bei Trauerfeiern ein Wenn Pfarrer für Beerdigungen keine Zeit haben

Wenn Pfarrer für Beerdigungen keine Zeit haben
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Joachim Göres

Liebenburg. Wer einer christlichen Kirche angehört, der wird nach seinem Tod meist von einem Geistlichen beerdigt. Nicht so in der katholischen Kirchengemeinde Nordharz. Dort gestalten auch ehrenamtliche Beerdigungsleiter die Trauerfeiern. Sie springen ein, wenn die beiden Pfarrer der großen Kirchengemeinde mit ihren 13 Mitgliedsorten zwischen Liebenburg, Goslar, Bad Harzburg und Schladen selbst keine Zeit haben.

Die geschulten Gemeindemitglieder kümmern sich um alles: vom Trauergespräch mit den Angehörigen über die Trauerfeier und die Beisetzung bis zur Teilnahme am Beerdigungskaffee. Im Bistum Hildesheim, das von Hannoversch Münden bis nach Cuxhaven reicht, gibt es inzwischen an 30 Kirchenorten ehrenamtliche Beerdigungsleiter. Nach katholischem Verständnis ist die Beerdigung kein Sakrament, sie muss deshalb nicht von einem Priester geleitet werden.

„Für die meisten Angehörigen ist der Termin der Beerdigung wichtig. Die sind froh, wenn einer von uns Ehrenamtlichen ihren Wunschtermin übernehmen kann und sie nicht vom Pfarrer auf ein späteres Datum vertröstet werden müssen“, sagt Barbara Schwinum. Die 58-Jährige aus Liebenburg leitet seit 2008 Bestattungen. Zuvor absolvierte sie eine zweijährige Fortbildung.

Zwei Frauen und drei Männer sind heute als ehrenamtliche Beerdigungsleiter im Nordharz aktiv. Schwinum hat bislang mehr als 30 Verstorbene beigesetzt, anfangs zu zweit mit einem anderen Beerdigungsleiter, inzwischen macht sie das auch alleine. Skepsis oder gar Ablehnung durch die Trauergemeinde hat sie noch nie gespürt. „Ich erlebe viel Dankbarkeit, weil ich mir Zeit nehmen kann, die der Pfarrer oft nicht hat. Außerdem ist für viele Katholiken das Gespräch mit mir lockerer als mit einem Pfarrer“, sagt Schwinum, die hauptberuflich als Realschullehrerin arbeitet.

Im Bistum Osnabrück gibt es bislang keine ehrenamtlichen Beerdigungsleiter. Allerdings bestatten in Bremen, das zum Teil zum Bistum Hildesheim und zum Teil zum Bistum Osnabrück gehört, seit einiger Zeit ebenfalls Frauen Verstorbene – sie arbeiten als Pastoralreferenten hauptamtlich für die katholische Kirche und entlasten durch die selbstständige Leitung von Trauerfeiern die örtlichen Pfarrer.

Zurück zu Barbara Schwinum: Bei den Begräbnissen trägt sie ein weißes Gewand. Außerdem hat sie immer eine große Osterkerze dabei, als Zeichen des Glaubens an die Auferstehung. Sie wäre selber gerne Priesterin geworden, was ja in der katholischen Kirche leider nicht möglich sei. „Ich finde nicht gut, dass in unserer Kirche so viele Männer entscheiden. Das war ein Grund für mich, ehrenamtliche Beerdigungsleiter zu werden.“ Seitdem fühlt sich Schwinum mehr zu Hause in ihrer Kirche, mit der sie nicht selten gehadert hat.

Wegen des Priestermangels übernehmen in einigen Modellgemeinden im Bistum Hildesheim die Gemeindemitglieder immer mehr Aufgaben. In der Pastoralkonferenz, dem obersten Leitungsgremium für die katholischen Gemeinden im Nordharz, sind die hauptamtlichen Mitarbeiter inzwischen in der Minderheit. Barbara Schwinum und andere Laien gestalten einmal im Monat einen Wortgottesdienst ohne Pfarrer. In einigen kleinen Kirchengemeinden leiten ehrenamtliche Ortsbeiräte, die über ein eigenes Budget verfügen, sogar alleine die Gemeindearbeit.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+