Seit über 60 Jahren Herr des Schilderwaldes

Werner Sporleder befasst mit der Sicherung von Baustellen

Beim Baustellen-Absperr-Service Verkehrstechnik herrscht Werner Sporleder seit 1976 über einen Schilderwald. Der 89-Jährige hat unter anderem die blinkende Warnlampe erfunden - nun sucht er nach einer Lösung für Staus und gegen Geisterfahrer.
29.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von AMELIE RICHTER
Werner Sporleder befasst mit der Sicherung von Baustellen

Werner Sporleder zwischen Absperrband, alter Flackerlaterne und neuen beleuchteten Verkehrszeichen.

Julian Stratenschulte, dpa

In Werner Sporleders Vorstellung herrscht fast immer stockender Verkehr. Kilometerweit schieben sich die Blechlawinen vor seinem inneren Auge über deutsche Autobahnen. „Und es wird noch mehr Autos geben und mehr Staus“, sagt der 89-Jährige. Wie die Automassen sicher über die Straßen gelenkt werden können, das beschäftigt den Vorstandsvorsitzenden der Baustellen-Absperr-Service Verkehrstechnik (B.A.S.) seit mehr als 60 Jahren. In seinem Unternehmen in Hemmingen bei Hannover herrscht Sporleder seit 1976 über einen Schilderwald. Er hat das Flatterband erfunden, die blinkende Warnlampe und Wasserbomben gegen Waldbrände – nun sucht er nach einer Lösung für Staus und gegen Geisterfahrer.

Bis zu 3000 Baustellen betreut der B.A.S. zeitgleich in Deutschland. Das Unternehmen ist bundesweiter Marktführer bei der Absicherung von innerörtlichen Baustellen. Sporleder und sein Team planen aber auch Baustellen auf Autobahnen oder Straßensperrungen bei Großveranstaltungen wie dem Papstbesuch. Der gebürtige Hannoveraner wird im kommenden Februar 90 Jahre alt, seit 25 Jahren ist er Rentner. „Innovationsrentner“, sagt der Mann in Jeans und hellblauem Hemd und hebt dabei betont streng den Zeigefinger. Er brauche die Arbeit einfach.

„Wir kennen ihn auch als besonders innovativen Geist“, sagt Stefan Wittke, Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, das häufig mit Sporleder zusammenarbeitet. In der Straßenbau-Branche sei die Firma aus Niedersachsen ein geschätzter Partner.

Doch die vielen Ideen aus Sporleders Kopf brauchen auch Zeit: „Ich bin noch ständig im Büro oder den Niederlassungen“, sagt der 89-Jährige nicht ohne Stolz. Der letzte richtige Urlaub auf Ibiza sei 1968 gewesen. Seither fahre er nur nach Sylt in sein Ferienhäuschen.

Seine Liste mit Erfindungen ist lang. 1951 entwickelte Sporleder die erste batteriebetriebene Warnleuchte mit Blinkmechanismus. Auf das bekannte rot-weiße Absperrband sei er wenige Jahre später beim Aufhängen der Wäsche gekommen. Er brachte die zweifarbigen Kunststoffstreifen an einer Wäscheleine an – fertig war das Flatterband.

Der Stau auf den Straßen lässt dem „Innovationsrentner“ keine Ruhe. „Es geht mir um eine schnellere Erfassung der Stauinformationen“, sagt Sporleder. „Kommunikation ist das A und O.“ Mobile Schilder sollen den Autofahrern nach seinen Vorstellungen schneller sagen, wie lang der Stau ist und welche Umleitungen es gibt. Dadurch will er die Stauschlangen entzerren.

Auch gegen Geisterfahrer hat Sporleder eine Idee entwickelt. „Rote Leuchtlinien, über die Fahrbahn“, sagt Sporleder und klatscht mit der Hand bei jedem Wort auf den Tisch, dass die Kaffeetassen klirren. In den Boden eingelassene Leuchtpanele sollen die Menschen davon abhalten, in falscher Richtung auf die Autobahn zu fahren. „Obwohl, das Beste was dagegen hilft“, sagt Sporleder und lacht verschmitzt, „das ist ein Hammer, der von oben runterfällt. Wumms.“

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