Schneeschmelze Weser-Hochwasser ist auf dem Weg

Hannover/Bremen . Tauwetter und Regen haben die Flüsse in Niedersachsen über die Ufer treten lassen. Gesperrte Straßen, überflutete Wiesen und vollgelaufene Keller halten die Menschen in Atem. Weitere Regenfälle könnten die Lage verschlimmern.
10.01.2011, 16:07
Lesedauer: 2 Min
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Hannover/Bremen . Die Wettervorhersage für die kommenden Tage bringt für die Hochwasserregionen in Niedersachsen keine guten Nachrichten. Erneute Regenfälle könnten die Pegel der Flüsse weiter ansteigen lassen und die Situation verschlimmern. Am Dienstag und Mittwoch sei im ganzen Bundesland wieder mit Regen zu rechnen, sagte ein Sprecher des Wetterdienstes.

Am Montag gaben die Pegelstände an den Flüssen kein einheitliches Bild ab. Während es an Aller und Oker sowie im oberen Leinegebiet Entwarnung gab und die Pegelstände sanken, ist die Hochwasserlage an Weser und Elbe weiter kritisch. "Der Regen in der Nacht zum Sonntag hat dafür gesorgt, dass es an der Weser ein dickeres Hochwassergeworden ist, als wir erwartet hätten", sagte eine Sprecherin des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Keine Aufregung in Bremen

Die Hochwasserwelle auf der Weser bewege sich flussabwärts und solle am Mittwochmorgen Bremen erreichen. In den kommenden Tagen werde an allen Pegelständen entlang des Flusses die Meldestufe drei erreicht, was die Gefahr einer größeren Überschwemmung bedeute. Allerdings werde man in Bremen das Hochwasser voraussichtlich kaum noch spüren, meint Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter Wasserwirtschaft in der Bremer Umweltbehörde. Das Hochwasser werde allenfalls im Bereich Hemelingen über die Ufer treten. Koldehofe beruhigt: "Alles nichts Außergewöhnliches. Das Wasser fließt kontrolliert ab."

Ende der Woche könnte es in den niedersächsischen Städten entlang der Elbe kritisch werden. Die Pegel des Flusses steigen nach Angaben des NLKWN im oberen Lauf an und könnten dafür sorgen, dass am Wochenende die Alarmstufe eins ausgerufen wird. "Dann wird möglicherweise auch die Sechs-Meter-Marke überschritten", sagte die Sprecherin des NLKWN.

Land unter in Hannoversch Münden

Am schlimmsten ist die Lage bislang in Hannoversch Münden, wo Werra und Fulda zur Weser zusammenfließen. Kein Durchkommen gab es dort für die Autofahrer auf der Bundesstraße 496, auch auf der Bundesstraße 80 kam es zu Beeinträchtigungen. Zudem stehen Teile der Altstadt und Wohngebiete in Hannoversch Münden unter Wasser. Am Sonntagabend hatte der Weserpegel dort mit 6,20 Meter fast den Stand des Jahrhunderthochwassers vom Januar 1995 erreicht. Am Montagmorgen sank der Pegel aber bereits wieder leicht auf 6,16 Meter. Die Anwohner hoffen auf eine Entspannung der Situation.

Betroffen von den Überflutungen sind nach Angaben des Leiters des städtischen Ordnungsamts, Jürgen Liebrecht, rund 50 Gebäude in der historischen Altstadt. Dort seien die Keller vollgelaufen. "Für die Bewohner der Altstadt sind Überschwemmungen ganz normal", sagte Liebrecht. "Sie nehmen das alles fast fatalistisch hin."

Im gesamten Bundesland sind vor allem Wiesen und Felder überschwemmt. In der Region Hannover wurden sechs Kreisstraßen und eine Landesstraße gesperrt. Auch im Busverkehr kam es zu Behinderungen. Buslinien mussten umgeleitet und Haltestellen gesperrt werden.

Schwierigkeiten an Deichen

Beim Deichschutz sorgt das Hochwasserebenfalls für Probleme. Rund um Bleckede (Kreis Lüneburg) verhindern die Wassermassen, dass Weiden zwischen den Deichen zurückgeschnitten werden können. Wenn sich in den Bäumen Treibgut festsetze, könnten sie das Wasser zusätzlich aufstauen, sagte ein Sprecher der Stadt am Montag.

Die frühe Schmelzperiode, die das Hochwassermit verursacht hat, ist nach Angaben eines Sprechers des Wetterdienstes sehr ungewöhnlich. "Normalerweise gibt es die große Schneeschmelze erst im März", sagte der Sprecher. Die bisherigen Schnee- und Regenmengen in diesem Winter seien jedoch normal. (gor, mit Material von dpa)

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