Mehr als 1000 Einwendungen

Widerstand gegen Rückbau des AKW Unterweser

Nahe Rodenkirchen liegt das Kernkraftwerk Unterweser. 2017 soll der Rückbau beginnen, doch Anwohner kritisieren: Der Zeitraum der Zwischenlagerung des Atommülls sei nicht genau definiert.
24.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Widerstand gegen Rückbau des AKW Unterweser
Von Jan Oppel

Nahe Rodenkirchen liegt das Kernkraftwerk Unterweser. 2017 soll der Rückbau beginnen, doch Anwohner kritisieren: Der Zeitraum der Zwischenlagerung des Atommülls sei nicht genau definiert.

Im kommenden Jahr will der Energiekonzern Eon mit dem Rückbau des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) beginnen – doch es regt sich Widerstand. Mehr als 1000 Einwendungen gibt es gegen dieses Vorhaben sowie den damit verbundenen Bau eines Zwischenlagers auf dem Betriebsgelände. Seit Dienstag diskutieren Bürger, Behörden und Betreiber über den geplanten Rückbau des 2011 abgeschalteten Werks. Alle Bedenken, Anregungen und Stellungnahmen würden sorgfältig geprüft, sicherte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) zum Auftakt eines vermutlich mehrtägigen Erörterungstermins in Rodenkirchen zu.

Der Betreiber Eon geht davon aus, dass die Arbeiten mindestens zehn Jahre dauern werden. Ob sich der Rückbau durch die zahlreichen Einwendungen verzögert, ist unklar. „Niemand kann dazu eine Prognose abgeben“, sagt Rudi Zimmeck, Sprecher des Umweltministeriums. Unter den 1000 eingegangen Kritikpunkten befänden sich auch zahlreiche Sammeleinwendungen. Ungeachtet dessen sei der Rückbau des KKU ohnehin noch nicht eindeutig terminiert. „Also kann er sich auch nicht verzögern“, sagt Zimmeck.

Rückbaukosten: Umweltminister geht von einer Milliarde Euro aus

Wenzel betont, das gesamte Vorhaben sei langwierig und komplex, aber es spreche vieles dafür, den Abbau des Atomkraftwerks in der Wesermarsch nicht auf die nächste Generation zu verschieben. „Das Atomkraftwerk Unterweser wird sich nicht in Luft auflösen“, sagte der Minister. Mit Blick auf die Rückbaukosten erklärte Wenzel, dass er „grob geschätzt“ von einer Milliarde Euro ausgehe. „Das kann aber durchaus auch 50 Prozent mehr sein am Ende.“

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Grundsätzlich müssen die Betreiber für den Rückbau der Atomkraftwerke aufkommen. Eon, EnBW, RWE und Vattenfall haben dafür laut Bundeswirtschaftsministerium Rückstellungen von insgesamt 38,3 Milliarden Euro gebildet. Sollte diese Summe am Ende nicht ausreichen, wird voraussichtlich der Staat und damit der Steuerzahler einspringen müssen.

Anwohner kritisieren unklares Ende des Zwischenlagers

Zum Auftakt der Anhörung in Rodenkirchen äußerten Einwender Bedenken, das geplante Zwischenlager könne letztlich doch auf Dauer geplant sein. „Wenn Sie uns ein Zwischenlager verkaufen wollen, muss doch klar sein, wann das ein Ende hat“, sagte Dietmar Lange aus Nordenham. Er könne auch nicht nachvollziehen, dass das Zwischenlager in einem Überflutungsgebiet liegen solle. Dort steht aber auch seit Jahrzehnten das Kernkraftwerk.

Wenzel betonte, es bestehe Einigkeit darüber, dass es keine dauerhafte Zwischenlagerung geben dürfe. „Das ist definitiv nicht beabsichtigt. Hier wird tatsächlich nur über ein Zwischenlager verhandelt, nicht über ein Endlager.“ Der Atommüll des Kraftwerks sollte ursprünglich in Schacht Konrad bei Salzgitter für alle Zeiten einbetoniert werden. Der Bau der Anlage zieht sich jedoch hin. Vor 2022 wird das Endlager nicht in Betrieb gehen.

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In Niedersachsen gibt es derzeit noch vier Kernkraftwerkstandorte. Stade ist seit 2003 stillgelegt und wird zurückgebaut. Unterweser wurde 2011 abgeschaltet. Es laufen noch das AKW Grohnde (Abschaltung Ende 2021) und das Kraftwerk Emsland (Ende 2022). Bundesweit sind derzeit noch acht der verbliebenen 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Der Atomausstieg sieht vor, dass die letzten Atomkraftwerke spätestens Ende 2022 vom Netz gehen.

Der von Eon betriebene Druckwasserreaktor an der Weser zwischen Bremen und Bremerhaven ging 1978 ans Netz. Bis zur Abschaltung hat das Kernkraftwerk laut Eon 305 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt – mehr als jede andere Einzelblockanlage weltweit.

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