75-jähriges Bestehen Wie Obama, die Queen und der Papst Niedersachsen besuchten

Niedersachsen ist ein bescheidenes Bundesland und empfängt dennoch immer wieder Persönlichkeiten von Welt - etwa den Papst, Queen Elizabeth, Schwarzenegger oder Barack Obama. Geschichten aus dem Protokoll.
01.11.2021, 11:07
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Wie Obama, die Queen und der Papst Niedersachsen besuchten
Von Peter Mlodoch

Die Legende lautet so: Als einst Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß (CSU) dienstlich Niedersachsen besuchte, lief er in der Landeshauptstadt erst einmal auf einen pompösen Prachtpalast zu, in dem er den Sitz seines hiesigen Amtskollegen Ernst Albrecht (CDU) vermutete. Doch das 1902 fertiggestellte Neorenaissance-Schloss am Maschpark in Hannover beherbergte immer nur das Landesmuseum – bis heute. Die echte Staatskanzlei befindet sich in der Straße dahinter, in einem eher zweckmäßig umgebauten Doppelhaus-Ensemble aus den 30er-Jahren, in dem damals die Verwaltung einer Handelsfirma eingezogen war.

Verifizieren lässt sich die Anekdote heute nicht mehr. „Gehört habe ich auch davon, aber ob die Geschichte wirklich stimmt, weiß ich nicht“, sagt der Leiter der Protokollabteilung in der Staatskanzlei, Matthias Woiwode. „Wenn sie erfunden ist, ist sie auf jeden Fall sehr schön erfunden.“ Von allen Staatskanzleien in Deutschland sei der Regierungssitz in Hannover nämlich einer der am wenigsten repräsentativen. „Aber das passt zu Niedersachsen. Das Land ist nie auftrumpfend in Erscheinung getreten. Und das gilt auch für die politischen Vertreter des Landes.“

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Seit gut zehn Jahren ist der gelernte Bankkaufmann und promovierte katholische Theologe für Feierlichkeiten, Staatsbesuche und Ordensvergaben in Niedersachsen zuständig. Woiwode organisiert mit seinem 20-köpfigen Team Besuchsprogramme für Königinnen, Präsidenten, Kanzlerin und Außenminister. Er legt bei feierlichen Menüs für hochrangige Gäste die Speisefolge fest, sucht edle Weine aus, schläft in auswärtigen Hotels auch schon mal zur Probe. Und Woiwode zieht im Hintergrund die Fäden bei Großveranstaltungen wie jetzt beim Festakt zum 75-jährigen Jubiläum des Landes im Hannover Congress Centrum (HCC).

Bei einer hohen Promi-Dichte fällt die Aufzählung von Highlights seiner bisherigen Amtszeit naturgemäß nicht ganz leicht. „Der Besuch von US-Präsident Barack Obama fällt sicher darunter. Wenn man so einer Persönlichkeit etwas näher kommen kann, ist das sehr beeindruckend.“ Woiwode gehörte am 24. April 2016 zum Empfangskomitee, als die Air Force One auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen landete. Er durfte dem Ehrengast der Hannover Messe die Hand schütteln und einige Worte mit ihm wechseln. 2000 amerikanische Beamte waren damals eingeflogen worden, um Obamas Zwei-Tage-Trip in die niedersächsische Landeshauptstadt zu organisieren und für die Sicherheit des Präsidenten zu sorgen.

„Mindestens so beeindruckend war der letzte Teil des Staatsbesuchs der Queen, den sie hier mit einem sehr persönlichen Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen abgeschlossen hat“, berichtet Woiwode. Britische Truppen hatten am 15. April 1945 das Konzentrationslager von den Nazis befreit. Königin Elisabeth II. setzte 70 Jahre später dort ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen der Verbrechen des Holocaust. Die Monarchin war zuvor in einer „stillen Ankunft“ ohne größeres Publikum auf dem Militärflughafen Celle gelandet und von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und dem damaligen Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende empfangen worden. Hier gehörte der Protokollchef dann „nur“ zum Abschiedskomitee für die Queen.

Im September 2011 wartete Woiwode gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff auf Papst Benedikt XVI, der im thüringischen Eichsfeld an der Grenze zu Niedersachsen eine große Open-Air-Marienvesper abhielt. Im Oktober 2014 war der Protokollchef dabei, als der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein niederländischer Amtskollege Bert Koenders an Bord des Schiffs Neuwerk in der Ems-Mündung feierlich das Ende des jahrzehntelangen Streits um den dortigen Grenzverlauf besiegelten. Im selben Jahr beehrte auch der niederländische König Willem Alexander mit Königin Maxima Niedersachsen. Höchstpersönlich habe der Monarch sein Flugzeug zum Flughafen Bremen gesteuert, erzählt Woiwode. Das prominente Paar verkörpere in einer beeindruckenden Mischung königlichen Glanz und sympathische Bescheidenheit.

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Ansonsten hält sich der Protokollchef mit Kommentaren dezent zurück. Tratsch über Pannen oder Peinlichkeiten der Staatsgäste kommt ihm nicht über die Lippen. „Wir erzählen nichts“, betont Woiwode. Für ihn und sein Team gelte zudem der eiserne Grundsatz „no pictures“, Fotos schießen sei ein absolutes Tabu. Für Geschichten über das Improvisationstalent seiner Mitarbeiter ist der Referatsleiter aber gern zu haben. So habe sich während eines offiziellen Mittagsmenüs des Ministerpräsidenten kurzfristig herausgestellt, dass der eigentlich vorgesehene Hauptgang wegen einer Fisch-Allergie des Gastes nicht mehr habe serviert werden können. „Da hat unser Kochen binnen einer Viertelstunde eine Alternative gezaubert.“

Aus der Zeit vor Woiwodes Dienstantritt stammt eine Story von „Terminator“ Arnold Schwarzenegger. 2009 beehrte dieser als Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien zur Computermesse Cebit Hannover. Nach Eintrag in das Goldene Buch im Rathaus mit seinem Filmspruch „I’ll be back“ und Empfang durch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) im Gästehaus der Landesregierung stand das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Die CDU-Politikerin, sonst Pünktlichkeit in Person, verspätete sich. Um die Wartezeit zu überbrücken, soll der Konvoi mit Arnie eine halbe Stunde durch die Stadt gekurvt sein. Offiziell bestätigen lässt sich aber auch diese Geschichte nicht mehr.

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