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Wiesenhof-Mutter investiert in Fleisch aus dem Labor

Fleisch essen, ohne Tiere zu töten – der Konzern hinter der Marke Wiesenhof will das möglich machen. Der Geflügelproduzent verbündet sich mit einem Start-up aus Israel. Was werden Verbraucher sagen?
04.01.2018, 17:24
Lesedauer: 3 Min
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Wiesenhof-Mutter investiert in Fleisch aus dem Labor
Von Stefan Lakeband

Der Geflügelproduzent Wiesenhof steht immer wieder wegen die Haltung seiner Tiere und deren Tötung in seinen Fabriken in der Kritik. Das könnte sich nun ändern – indem der Konzern gar keine Tiere mehr schlachtet. Das ist, zumindest theoretisch, möglich: PHW, der Konzern hinter der Marke Wiesenhof, hat fast 2,5 Millionen Euro in ein israelisches Start-up investiert, das Fleisch im Labor herstellt.

Super Meat nennt sich das junge Unternehmen aus Tel Aviv, mit dem die niedersächsische PHW-Gruppe nun eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen ist, wie es in einer Mitteilung heißt. Das Verfahren, mit dem Super Meat Fleisch herstellen will, ist auch unter dem Begriff In-vitro-Fleisch bekannt. Dazu werden lebenden Hühnchen Zellen entnommen, die sich in einer Nährlösung massenhaft vermehren und in eine Form gebracht werden, die einem herkömmlichen Stück Fleisch gleicht. Unterschiede im Geschmack soll es nicht geben.

"Es wird genauso wie herkömmliches Fleisch schmecken"

„Das Fleisch ist genau das gleiche Fleisch, das wir heute schon kennen und kaufen“, heißt es auf der Website von Super Meat. „Deswegen wird es genauso wie herkömmliches Fleisch schmecken.“ Laut Unternehmen werden dadurch keine Tiere mehr bei der Fleischherstellung getötet, die Entnahme der Zelle sei schmerzlos. So könne auf Massentierhaltung verzichtet werden, der CO2-Ausstoß und der Wasserverbrauch in der Fleischproduktion gingen zurück.

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Peter Wesjohann, Vorstand der Wiesenhof-Mutter PHW, sieht die Partnerschaft als eine strategische Investition in die Zukunft. „Super Meat steht im Einklang mit unserem Bestreben, Europa mit nachhaltigen, sauberen Lebensmitteln zu versorgen“, wird er in einer Mitteilung zitiert. „Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Entwicklung von bestmöglichen Tierschutzkonzepten in unserem Geflügelgeschäft, sondern wird auch zur Stärkung unseres veganen Produktportfolios führen. Dies bestätigt unsere führende Rolle im globalen Verbrauchertrend hin zu einer saubereren, proteinreichen Diät.“ Deutschlands größter Geflügelzüchter und -verarbeiter will das Start-up nach eigenen Angaben bei der Forschung und Entwicklung sowie bei der Positionierung des Laborfleischs auf dem Markt unterstützen.

Auch andere Unternehmen verfolgen die Idee, Fleisch im Labor zu züchten. Mit dem Start-up Memphis Meats aus den USA gibt es harte Konkurrenz für Super Meat. Auch hier wird daran gearbeitet, Fleisch aus Zellen zu züchten. Und auch hier wurden prominente Geldgeber gefunden: Zu den Investoren gehören Microsoft-Gründer Bill Gates und der Milliardär Richard Branson.

Auch in den Niederlanden wird an alternativem Fleisch gearbeitet: So haben Forscher der Universität Maastricht bereits 2013 einen Burger aus In-vitro-Fleisch vorgestellt. Geschmacklich konnte er die Tester jedoch nicht überzeugen. Auch der Preis war alles andere als konsumentenfreundlich: Stolze 250.000 Euro hat die Frikadelle damals gekostet. "Wir experimentieren immer noch im Labor. Aber wir wissen längst, wie wir die Technologie im größeren Maßstab umsetzen können“, sagte einer der Forscher Anfang vergangenen Jahres dem Deutschlandfunk. „Nach unseren Kalkulationen kommen wir dann auch auf zehn bis elf Dollar für den Hamburger.“ Auch an der Rezeptur habe man gefeilt.

Die Investition der Wiesenhof-Mutter und die Partnerschaft zwischen PHW und Super Meat dürften den Konkurrenzkampf noch einmal anheizen. Ohne konkreter zu werden, teilt das Start-up mit, man wolle „in sehr naher Zukunft“ und zu einem Preis, der mit herkömmlichen Hähnchenfleisch vergleichbar sei, an den Start gehen.

Vor allem in Deutschland ist die Skepsis groß

Wie viel Erfolg das Fleisch aus dem Labor aber haben wird, ist fraglich. Vor allem in Deutschland ist die Skepsis groß. Wie aus einer Studie des Bundesumweltministeriums hervorgeht, sehen drei von vier Deutschen gentechnische Veränderungen an Tieren und Pflanzen kritisch.

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