Landkreis Lüneburg prüft

Wird Wasser illegal aus Flüssen abgezapft?

Der Landkreis Lüneburg überprüft, ob Anwohner von Flüssen und Seen die Gewässer illegal anzapfen. Landwirte und Gartenbesitzer sollen bei den heißen Temperaturen das kostbare Nass schützen.
29.07.2018, 20:38
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Peer Körner
Wird Wasser illegal aus Flüssen abgezapft?

Natascha Abrahams (v. r.) kontrolliert zusammen mit Praktikantinnen Maria Müllern und Tine Jordan, ob illegal Wasser aus der Ilmenau entnommen wird.

Philipp Schulze/DPA

34 Grad, es ist einer der heißesten Tage dieses Glutsommers. Hitze und Insekten setzen den Paddlerinnen zu, doch auf der ­Ilmenau bei Lüneburg geht es nicht um eine nette Kanutour. Die drei Frauen überprüfen, ob illegal Wasser aus dem Fluss entnommen wird. Unter den niedrigen Wasserständen leiden auch kleine Gewässer wie beispielsweise die Luhe oder die Ilmenau, nicht nur die Elbe. Da sollen Landwirte oder aber Gartenbesitzer das kostbare Nass nicht noch zusätzlich abzapfen.

„Es ist sinnvoll, jetzt bei niedrigem Wasserstand nachzuschauen“, sagt Natascha Abrahams vom zuständigen Fachdienst Umwelt Wasserwirtschaft des Landkreises, sie sitzt vorn. „Dann können wir auch nach illegalen Einleitungen Ausschau halten.“ Ihr Augenmerk gelte auch anderen möglichen Verstößen, wie ungenehmigten Bootsstegen und Pontons, Vieh darf dem Fluss nicht zu nahe kommen. „Ich gucke mir das Ufer an, die Befestigung, und schaue nach Schläuchen und Rohren.“ Unterstützt wird die Ingenieurin heute von Praktikantin Maria Müller und Tine Jordan, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert.

Am Morgen sind sie am Stadtrand von Lüneburg gestartet, langsam geht es flussabwärts Richtung Elbe, am Ufer immer wieder Schilfgürtel und Waldstücke. Tine Jordan steuert. Trotz Hitze und Bremsen ist sie mit Freude dabei. „Ich finde es wichtig, auf die Problematik und den Schutz der Gewässer aufmerksam zu machen“, betont die 20-jährige Frau. Abrahams hat eine spezielle Kamera dabei, die automatisch auch die GPS-Daten erfasst. So lassen sich der genaue Standort und der Eigentümer ermitteln. „Immer wieder beobachten wir, dass die Flüsse angezapft werden“, sagt Wulf-Rüdiger Hahn, stellvertretender Fachdienstleiter Umwelt. Durch das aktuelle Wetter gerate das ökologische Gleichgewicht durcheinander, erklärt der Wasserbauingenieur.

„Wenn die Wassertemperatur steigt, sinkt der Sauerstoffgehalt.“ Nun gelte es vor allem, die Gewässer und die darin lebenden Tiere zu schützen. Viel Wasser brauchen derzeit vor allem die Bauern, wofür Hahn durchaus Verständnis zeigt. „Uns ist ihre schwierige Lage angesichts der Trockenheit durchaus bewusst“, betont er.

Lesen Sie auch

Dennoch gehe der Gewässerschutz vor, der sei von größter Bedeutung für Mensch und Natur. Für Landwirte gibt es einen legalen Weg, das nasse Gut zu nutzen. So dürfen beispielsweise Weidepumpen eingesetzt werden, bei denen die Tiere an der Tränke mit der Schnauze gegen einen Hebel stoßen. Eine Pumpe liefert dann nur so viel Wasser, wie benötigt, das Vieh nähert sich nicht dem Fluss. Auch Hobbygärtner dürfen das Wasser nicht mit Pumpen oder Schlauch entnehmen, erklärt Hahn. Mit Eimer oder Gießkanne sei es der geringen Mengen wegen nach dem Wassergesetz erlaubt. Am Nachmittag holt Hahn die drei Paddlerinnen ab, in gut sechs Stunden haben sie rund 14 Kilometer geschafft. „Wir haben zwei Pumpen gefunden, obskure Befestigungen und Gartenabfälle“, sagt Abrahams. Auch seien einige Zäune zu dicht am Ufer gewesen.

Lesen Sie auch

Im Übrigen müssten die Fotos ausgewertet werden. Verstöße könnten teuer werden, es drohten Strafen von bis zu 50.000 Euro, sagt Hahn. „So schön der Sommer auch ist - was am meisten hilft und mich besonders für die Landwirte freuen würde, wäre wieder einmal richtiger Landregen.“

„Landesweit scheinen größere Verstöße noch kein Thema zu sein, das Umweltministerium hätte sonst Erkenntnisse darüber“, sagt eine Ministeriumssprecherin in Hannover. Zuständig seien die Landkreise mit ihren unteren Wasserbehörden.

Info

Zur Sache

Auch wenn Regen am Wochenende Erfrischung brachte: Die Hitze hat das Gras auf vielen Weiden und Deichen in Niedersachsen verdörren lassen. Schafe, Kühe und Pferde finden nur wenig Futter. „Im Moment sieht das alles trostlos aus“, sagt der Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, Burchard Wulff. Dieser ist für 142 Kilometer Deich in der Wesermarsch zuständig. An vielen Stellen sei das Gras verbrannt, die Erde rissig. Die Stabilität der Deiche sei aber nicht in Gefahr.

Landwirte und Deichbände haben nach Angaben von Wulff beantragt, auch das Deichvorland zu nutzen, damit Tiere grasen und Heu eingefahren werden kann. „Die Futtersituation wird mit Blick auf den Winter prekär“, sagt Gabi von der Brelie vom Landesbauernverband Landvolk. „Noch mehr Sorge als das Grünland macht uns der Mais als Futterpflanze.“ Kühe sieht man selten auf den Weiden. „Die suchen den Schatten“, sagt von der Brelie. Draußen halten sich Rinder nur auf, um Bewegung zu bekommen. Frisches Gras finden sie dort nicht. Pferden machen die hohen Temperaturen nicht zu schaffen. „Die haben nicht so große Probleme wie Menschen“, sagte Ulrich Hahne vom Hannoveraner Verband in Verden. Da auf den Weiden wenig zu holen ist, gehen viele Tiere zum Futtern in den Stall.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+