Gasversorgung LNG-Pläne nehmen Gestalt an

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies ist Vorsitzender der Energieministerkonferenz, seiner Meinung nach kommen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke nicht infrage – ihr Anteil am Energiemix sei zu gering.
24.03.2022, 16:50
Lesedauer: 3 Min
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LNG-Pläne nehmen Gestalt an
Von Peter Mlodoch

Die Pläne für ein Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven werden konkreter. Oberbürgermeister Carsten Feist (parteilos) reiste am Donnerstag eigens nach Hannover, um mit Ministerpräsident Stephan Weil, Energieminister Olaf Lies und Regionalministerin Birgit Honé (alle SPD) die nächsten Schritte zu beraten. Noch in diesem Jahr soll etwa vier Kilometer nördlich vom Jade-Weser-Port am Voslapper Groden der Bau einer rund 30 Kilometer langen Pipeline starten. Über dieses Rohr soll dann das zunächst über schwimmende Einheiten angelieferte und regasifizierte LNG zur Kavernenanlage Etzel transportiert und von dort aus ins bundesdeutsche Fernleitungsnetz eingespeist werden.

Spätestens im Herbst 2023 könnte dann vier Kilometer südlich des JWP beim Öltanker-Terminal eine zweite schwimmende Anlandestation entstehen, die dann durch eine Querspange mit der neuen Pipeline verbunden würde. „Beide Standorte sind geeignet und sollen auch genutzt werden“, kündigte Ressortchef Lies im Gespräch mit dem WESER-KURIER an. Die Transportkapazitäten dort bezifferte er auf rund 20 Millionen Kubikmeter jährlich, wobei die Anlandemengen zunächst deutlich darunter liegen dürften. Die Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland belaufen sich jährlich auf etwa 130 Millionen Kubikmeter; davon wird die Hälfte an andere EU-Staaten weitergeleitet.

Die schwimmenden Projekte sollen aber nur eine vorübergehende Lösung sein. Bis 2025 will Niedersachsen in Wilhelmshaven und Stade feste LNG-Terminals bauen lassen und dafür jeweils 200 Millionen Euro als Fördermittel bereitstellen. Sie könnten 50 Millionen Kubikmeter russisches Gas ersetzen. Die Anlagen sollen später auch für Wasserstoff, „grünen“ Ammoniak und „grünes“ Gas geeignet sein. In Stade sind die Planungen bereits sehr weit gediehen; das dortige Privat-Konsortium will offenbar noch vor Ostern seine Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim zustanden Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einreichen. Eine schwimmende Zwischenlösung komme in Stade allerdings aus Platzproblemen kaum in Betracht, erklärte FDP-Fraktionsvize und Ex-Wirtschaftsminister Jörg Bode. Zwar könnten LNG-Schiffe am Terminal des Chemiekonzerns Dow durchaus anlegen. Dann aber wäre jeder weitere Schiffsverkehr blockiert.

Ob die Stadt an der Elbe überhaupt in das vom Bund betriebene LNG-Konzept passt, ist immer noch fraglich. Auf der schleswig-holsteinischen Seite gilt Brunsbüttel als Favorit der Ampel-Regierung für ein Terminal, obwohl dort die Pipeline-Anbindung ans Gasfernnetz deutlich aufwändiger wäre. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rührt Landesminister Lies daher kräftig die Werbetrommel für seine beiden Häfen. „Wir in Niedersachsen sind fest entschlossen zu zeigen, dass wir solche Jahrhundertaufgaben von nationalem Belang gemeinsam mit dem Bund stemmen werden“, heißt es in den Schreiben, das dem WESER-KURIER vorliegt.

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Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke zur Energiesicherung lehnte Lies dagegen vehement ab. „Das ist die völlig falsche Debatte zu dieser Zeit. Wir müssen aufpassen, dass wir die Menschen nicht verwirren“; warnte der Vorsitzende der Energieministerkonferenz. Der Ausstieg aus der Kernenergie sei konsequent. „Wenn wir heute über die Energieversorgung, reden wir hauptsächlich über Gas. Eine Verlängerung der Kernkraftwerk-Laufzeiten hilft uns nicht, um das fehlende Gas aus Russland zu ersetzen“, betonte der Ressortchef. Wenn man die Stromversorgung sichern wolle, müsse man über eine Verschiebung des Kohleausstiegs reden, aber nicht über Kernkraft, meinte der Minister „Die Kernkraftwerke decken gerade mal sechs Prozent des gesamten Strombedarfs ab. Und dafür machen wir definitiv keine Laufzeitverlängerung.“  In Deutschland sind noch drei Atomkraftwerke aktiv; darunter das AKW Emsland in Lingen. Ihr Betrieb soll zum 31. Dezember 2022 enden.

In der Landtagsdebatte waren sich alle Fraktionen weitgehend einig, dass ein Stopp der russischen Gasimporte trotz der Rubel-Trickserei von Russlands Präsident Wladimir Putin vorläufig nicht in Frage komme. „Einen kurzfristigen Ausgleich können wir uns derzeit nicht leisten“, meinte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer wiederholte seine Forderung, stärker auf Energieeinsparung etwa durch eine schnelle Gebäudesanierung und alternative Heizmethoden zu setzen. Das sah zwar auch Umweltminister Lies als möglichen Ausweg, wies aber auf finanzielle Kraftakte hin. Wenn bei einem Hauseigentümer die Gasheizung kaputt ginge, bekäme er eine neue für 5000 Euro. Für ein klimaschonendes Wärmepumpensystem müsse er dagegen 40.000 Euro berappen. Auch wenn sich diese Anschaffung über viele Jahre amortisiere, müsse der Staat sich fragen, ob man diesen Umstieg am Anfang mit Zuschüssen unterstütze.

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