Das einstige Grand-Hotel Fresena auf Wangerooge wird 100 Jahre alt / Fassade steht unter Denkmalschutz Wo Heinz Erhardt Dauergast war

Einst war es ein Grandhotel, später ein Gästehaus der Caritas für Senioren, Familien und Menschen mit Behinderungen: das Fresena auf Wangerooge. Das markante viergeschossige Gebäude im Zentrum der Insel wird nun 100 Jahre alt.
06.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Melanie öhlenbach

Einst war es ein Grandhotel, später ein Gästehaus der Caritas für Senioren, Familien und Menschen mit Behinderungen: das Fresena auf Wangerooge. Das markante viergeschossige Gebäude im Zentrum der Insel wird nun 100 Jahre alt.

Wangerooge. Zarah Leander, Vico Torriani, Heinz Schenk und Dieter Thomas Heck – die Liste der Stars ist lang, die einst nach Wangerooge reisten, um im Hotel Fresena aufzutreten. Heinz Erhardt soll sogar alle zwei Wochen dort gewesen sein, als seine Karriere gerade den Höhepunkt erreicht hatte. Auf alten Fotos kann man noch die Menschenmenge sehen, die die Kreuzung Zedelius- / Charlottenstraße blockierten, wenn wieder einmal ein namhafter Gast vor dem Fresena vorfuhr.

Für Tanzveranstaltungen war das Hotel Fresena berühmt. Nicht nur in den 50er- und 60er-Jahren, sondern auch schon drei Jahrzehnte zuvor. Kaffee-Konzerte, Tanz-Tees am Nachmittag und abendliche Tanzgesellschaften wie die sogenannten Reunions, bei denen die Herren im dunklen Anzug erscheinen mussten, gehörten damals zum festen Programm für die Gäste. Der große Speisesaal im Erdgeschoss, der sieben Jahre nach der Eröffnung für solche und andere Feste erweitert wurde, gehörte zu den Dreh- und Angelpunkten des gesellschaftlichen Lebens auf der Insel.

Claas Peter Freese ließ das Hotel im März 1912 auf einem Grundstück bauen, das er bereits 1904 gekauft hatte. Das Haus auf Wangerooge war nicht sein erstes Projekt: Schon 1897 hatte Freese ein Fresena auf der Insel Juist gebaut. "Es liegt gewiß doch auch wohl im Interesse des so sehr im Aufblühen begriffenen Badeortes Wangeroog, daß statt des letzten öden Bauplatzes an der Hauptverkehrsstraße ein ansehnliches Hotel zu stehen kommt", schrieb er im November 1911 an das Großherzogliche Amt in Jever. Sein Bauantrag wurde genehmigt; Nach nur 13 Wochen Bauzeit wurde am 8. Juli 1912 – passend zum Beginn der Sommersaison – das Gebäude abgenommen. Eine Anzeige im Inselprospekt bewarb das Hotel Fresena als "Haus ersten Ranges im Zentrum des Badeortes".

Das Fresena war auf der Insel nicht zu übersehen: Es war knapp 19 Meter hoch und hatte vier Etagen sowie ein Dachgeschoss. In den Inselprospekten warb es mit elektrischem Licht, Wasserspülung, einem Billardsaal und einem Wiener Café. Die Gäste aßen nicht an einer langen Gemeinschaftstafel, sondern an einzelnen Tischen im Speisesaal. 1927 soll das Haus 40 Zimmer und 90 Betten angeboten haben; nach einem Umbau sieben Jahre später waren es nur noch 75 Betten.

Bis 1934 leitete Curt Dimler das Hotel. Der 32-Jährige war Freeses Schwiegersohn und mit dessen Tochter Theda Mathilde verheiratet. Danach übernahmen sein Schwager Richard Haase und dessen Ehefrau Hilke Anna Johanne das Haus. Hilke Anna Johanne Haase war die jüngste Tochter des Bauherrn Freese, gelernte Gastronomin und Hoterliere. Sie leitete das Hotel, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und ohne das Mansardendach wieder aufgebaut wurde, 44 Jahre lang – bis sie es 1971 an den Caritas-Verband Dortmund verkaufte: Der Betrieb in seiner bisherigen Form hatte sich nicht mehr gelohnt. 1997 starb Haase mit 103 Jahren in einem Seniorenheim in Bremen.

Die Inselbewohner sollen betroffen, ja sogar böse reagiert haben auf den Verkauf des Hotels. Und auch die Gäste waren bestürzt: "Wir alten Gäste können nicht verstehen, was auf Wangerooge ist geschehen. Unser altes Fresena gibt‘s nicht mehr. Daran gewöhnen wir uns sehr schwer (…) Die Insel ohne Fresena ist still und leer. Diese unterhaltsame Stätte vermissen wir sehr. Nur Erinnerung bleibt bestehen. Wir wünschen, der Verkauf wäre nicht geschehen", dichtete ein Urlauber.

Doch die Zeit ließ sich nicht mehr zurückdrehen: Aus dem Grandhotel wurde das Haus Fresena, das der Caritas-Verband nicht mehr für die Allgemeinheit öffnete. Stattdessen erholten sich dort Senioren, Familien, Mütter mit Kindern sowie Menschen mit Behinderungen. 1990 kaufte Hermann-Josef Bunte das Gebäude und baute es um. Die Hotelzimmer wurden zu Ferienwohnungen zusammengelegt; in den alten Speisesaal zog ein Drogeriemarkt ein; die Sitzungsräume wurden zum Friseursalon. Allein die Fassade erinnert noch an das Grandhotel: Sie steht inzwischen unter Denkmalschutz.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+