Angriffe auf Nutztiere im Kreis Cuxhaven Wolfsberater: Jungtiere abschießen

Nach vielen Wolfsangriffen auf Nutztiere im Landkreis Cuxhaven hat der Wolfsberater Hermann Kück jetzt eine klare Empfehlung ausgesprochen.
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Nach vielen Wolfsangriffen auf Nutztiere im Landkreis Cuxhaven hat der Wolfsberater Hermann Kück den Abschuss von fünf Jungtieren empfohlen. Die im Mai 2016 geborenen Wölfe hätten früh beide Eltern verloren und deshalb nie gelernt, Wild zu jagen, sagte Kück am Mittwoch. Ihm zufolge haben die klugen Tiere verstanden, wie einfach es ist, Nutztiere zu reißen. "Vor allem Schafe stehen fast ungeschützt auf den Weiden", sagte er. "Wölfe können ungestört rankommen." Eine "Entnahme" der fünf Jungtiere müsse man zumindest diskutieren, sagte er. Er selbst sehe dazu keine Alternative. "Sie sind hoch intelligent und geben ihr Wissen an den Nachwuchs weiter." Schon in wenigen Monaten würden die Tiere geschlechtsreif. "Es bleibt nicht mehr viel Zeit", sagte er.

Kück ist einer von zahlreichen Wolfsberatern, die vom Land Niedersachsen ernannt wurden. Die Berater sammeln Informationen über die Wolfsvorkommen und Wolfsrisse in ihrer Region. Über Kücks Forderung nach einem Abschuss der Jungtiere hatte zunächst der NDR berichtet.

Das Umweltministerium kennt die schwierige Lage im Landkreis Cuxhaven und wartet derzeit auf eine Empfehlung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Görlitz. "Wir gehen davon aus, dass wir den Bericht zeitnah bekommen", sagte Sprecher Rudi Zimmeck. Auf Basis der Analyse werde das Ministerium eine Entscheidung treffen - in Abstimmung mit dem Landkreis sowie anderen Institutionen wie dem Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

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Ende September hatten Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erklärt, dass Problemrudel abgeschossen werden können. Der Artenschutz lasse dies in Ausnahmefällen zu. Bedingung dafür sei, dass diese Tiere notwendige Schutzzäune von Nutztierhaltern regelmäßig überspringen. Über ein Vorgehen gegen Wölfe werde weiterhin im Einzelfall entschieden.

Wolfsberater Kück zufolge sind die Wölfe im Kreis Cuxhaven nicht schuld an der schwierigen Lage. "Das ist ein menschengemachtes Problem", sagte er. Ihm zufolge wurde die Mutter der drei männlichen und zwei weiblichen Wölfe erschossen. "Als die Mutter getötet wurde, waren sie fünf Monate alt", berichtete er. Vom Vater gebe es seit 2016 keine Spur. Wenn Menschen Wolfswelpen in so einer frühen Phase Elternteile nehmen, könnten die Tiere kein normales Jagdverhalten lernen. "Die Jungtiere sind ohne Eltern aufgewachsen und mussten sich selbst ernähren." Seit dem vergangenen Jahr hätten sie weit über 25 Nutztiere gerissen, dabei gebe es in der Region hohe Wildbestände. Andere Wölfe griffen darauf zurück, die fünf elternlosen Tiere hätten sich auf Schafe und Rinder spezialisiert.

Auch sonst zeigten die Jungtiere kein "normales" Verhalten. "In einer intakten Rudelstruktur wären die Jungtiere schon abgewandert", sagte der Wolfsberater. Ihm zufolge verlassen Wölfe nach etwa einem Jahr die Region, um ein eigenes Rudel zu gründen. Den elternlosen Tieren habe das aber niemand gesagt. Er gehe davon aus, dass sie sich spätestens im Alter von zwei Jahren einen Partner suchen. Für einen Abschuss bleibe daher nur noch wenig Zeit, denn trächtige Tiere könnten in der Regel nicht "entnommen" werden.

Nach Angaben der Landesjägerschaft leben in Niedersachsen derzeit rund 150 Wölfe. (dpa)

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