Gemeinderat verlangt Abschuss Wolfsrudel in Goldenstedt soll „entnommen“ werden

„Weil die Gefahren zu groß sind“, verlangt der Goldenstedter Gemeinderat vom Land, das im Moor lebende Wolfsrudel zu „entnehmen“. Das würde, wie im Ausnahmefall Kurti, den Abschuss bedeuten.
07.01.2018, 20:47
Lesedauer: 2 Min
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Wolfsrudel in Goldenstedt soll „entnommen“ werden
Von Justus Randt

Klartext aus Goldenstedt: „Der Rat fordert die Landesregierung auf, die zunehmende Angst der Bevölkerung vor tier- und menschengefährdenden Wolfsübergriffen ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es in einer Resolution, die Bürgermeister Willibald Meyer Ministerpräsident Stephan Weil übermittelt hat. Der hat noch nicht reagiert, ebenso wenig der neue Umweltminister Olaf Lies (beide SPD). „Wir hatten ja gehofft, dass der die Sache realistischer sieht“, sagt Meyer, was ausdrücklich als Kritik am grünen Amtsvorgänger Stefan Wenzel (Grüne) zu verstehen sei. Das Goldenstedter Wolfsrudel „muss sofort entnommen werden, weil die Gefahren zu groß sind“, verlangte der Gemeinderat kurz vor Weihnachten. Das Programm der neuen Landesregierung müsse „ein klares Nein zur bisherigen Wolfspolitik“ enthalten.

„Ganz schlimme Reaktionen haben wir von sogenannten Wolfsfreunden daraufhin bekommen, das ging auch unter die Gürtellinie“, sagt Meyer. Dass ihm „ein Rotkäppchen-Syndrom“ nachgesagt worden sei, sei noch harmlos. Die Resolution aus dem Landkreis Vechta, die nach ähnlichen Brandbriefen aus den Kreisen Celle und Lüneburg wenig Neues fordert, hat die Gräben zwischen Wolfsfans und -skeptikern offenbar vertieft.

„Die Lebensqualität der Bürger auf dem Lande – vor allem bei Familien mit Kindern – leidet schon jetzt erheblich, weil zum Beispiel Kinder sich nicht mehr unbeaufsichtigt im Dorf bewegen können“, hat der Gemeinderat formuliert. Jan Olsson, Vorsitzender des Vereins Wolf-Informations- und Schutz-Zentrum Vechta, erinnert an den hohen Schutzstatus, den die Europäische Union dem Wolf zubilligt. Auch der Goldenstedter Fähe und ihrem Rudel.

Wolf Kurti wurde im Heidekreis erschossen

Olssons Verein, aber auch Wolfsschützer aus Sachsen und den Niederlanden machen sich mit Online-Petitionen, die alle zusammen mehr als 300.000 virtuelle Unterschriften tragen, für das Wolfsrudel stark. Dabei ziehen die Wolfsfreunde mitnichten an einem Strang. Während Olssons Verein, wie er sagt, „wissenschaftlich vorgeht“, beklagen die niederländischen Petenten, Tierhalter nähmen den Herdenschutz nicht ernst. „Goldie wird zum Tode verurteilt.“

Unter der „Entnahme“, wie der Goldenstedter Rat sie fordert, war bislang die Tötung zu verstehen. In Niedersachsen ist im Frühjahr 2016 der Kurti genannte Jungwolf im Heidekreis erschossen worden, nachdem er sich offenbar zu sehr an die Nähe zu Menschen gewöhnt hatte und die Fluchtdistanz nicht mehr einhielt. Wenzel ordnete damals den Abschuss als letztes Mittel an und unterstrich stets, dass es sich um eine Ausnahme gehandelt habe.

Umweltminister Lies bekannte jüngst, die öffentliche Sicherheit für den Menschen habe oberste Priorität: „Wenn Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren und zur Gefahr werden, müssen sie schnell entnommen werden.“ Sein Ressort arbeitet aktuell an einer neuen Wolfsverordnung. Dass es bislang keinen nachweislichen Übergriff von Wölfen auf Menschen gegeben hat, hatte das Umweltministerium in der Vergangenheit mehrfach klargestellt. Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert.

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