Hinterland-Hafen in der Hinterhand Wunstorf plant mittelfristig Container-Umschlag

Bislang ist Uwe Schwamm nur Herr über ein ziemlich gewöhnliches größeres Gewerbegebiet am Westrand des Ballungsraums Hannover. Doch der Gewerbepark soll wachsen – in vier Bauabschnitten auf rund 90 Hektar Gewerbe- und Industriefläche.
23.09.2016, 00:00
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Wunstorf plant mittelfristig Container-Umschlag
Von Martin Wein

Wunstorf. Bislang ist Uwe Schwamm nur Herr über ein ziemlich gewöhnliches größeres Gewerbegebiet am Westrand des Ballungsraums Hannover.

Die Deutsche Post, ein Lidl-Zentrallager, die Spedition Neukirch und die Kraftverkehr Nagel GmbH sind unter den 200 kleinen und mittleren Unternehmen genauso zu finden wie Theis Bürsten- und Besenhölzer oder Der Marmeladenmacher. Doch der Gewerbepark soll wachsen – in vier Bauabschnitten auf rund 90 Hektar Gewerbe- und Industriefläche bis an den Rand des Luther Forstes und ans Ufer des Mittellandkanals. Und genau dort – am Kanal – sieht Schwamm, der für die Stadt Wunstorf das Areal managt und seit zwei Jahrzehnten Wirtschaftsförderung betreibt, das eigentliche Potenzial der Fläche.

„Allein im letzten halben Jahr gab es zwei konkrete Anfragen von Unternehmen nach einem universalen Logistikstandort mit Straßen-, Gleis- und Wasser-Anschluss“, sagt Schwamm. Ein Automobilzulieferer, der Teile für Audi nach Indien und China schickt, wollte sich den Lkw-Transport nach Hamburg sparen. Ein anderer wollte Motoren per Bahnanschluss direkt in sein Werk liefern lassen. Angesichts solcher Anfragen reibt der Wirtschaftsförderer sich die Hände. Denn er hat ganz in der Nähe der Landeshauptstadt einen möglichen Containerhafen in der Hinterhand – mit Autobahn- und Gleisanschluss – als Hinterlandanbindung über Minden vor allem an die Weserhäfen Bremerhaven und Bremen, bedingt auch an Hamburg und Emden an Elbe und Ems.

Neue Jobs in der Logistik wären hochwillkommen

Schwamm und der Wunstorfer Politik sitzt die Zeit im Nacken. Einer der größten Arbeitgeber in der Stadt ist Kali + Salz. Die bereits jetzt schwierige Kaliförderung im Bergwerk Sigmundshall wird in einigen Jahren allerdings auslaufen. 700 Arbeitsplätze fallen dann weg. Da wären neue Jobs in der Logistik hochwillkommen. Die Ausgangsvoraussetzungen sind günstig: Neben dem bestehenden Gewerbepark gibt es in nur einem Kilometer Entfernung im Stadtteil Kohlenfeld bereits einen Hafen mit 280 Metern Kailänge. Die Agravis GmbH verschifft dort Getreide aus der Region und landet hauptsächlich Düngemittel an. Ein Stahlwerk lässt überdies Stahlcoils verschiffen. Die Umschlagmenge hat sich vom Wirtschaftskrisenjahr 2007 bis 2013 wieder auf 128.000 Tonnen verdoppelt.

Die Zukunft sieht Schwamm allerdings im Containerverkehr – und zwar an der Nahtstelle zwischen Binnenschiff, Lkw und Eisenbahn. Da die vier Stadthäfen Hannovers in den kommenden Jahren an Kapazitätsgrenzen stoßen könnten, wäre Wunstorf-Kohlenfeld kein Konkurrent vorhandener Anlagen. Nachdem die Projektidee mehrere Jahre recht unkonkret diskutiert worden ist, gibt es seit vergangenem Jahr eine konkrete Kostenberechnung durch ein Ingenieurbüro in Hannover. Günstig wäre eine Verladung mit mobilen Umschlagfahrzeugen. Diese Reach-Stacker funktionieren wie große Gabelstapler. Sie haben allerdings nur eine begrenzte Reichweite. 42.000 Standardcontainer könnte der Hafen in dieser Variante jährlich abfertigen. Dafür wären die Kosten mit gut 13 Millionen Euro nicht höher als die Straßenbaukosten für den erweiterten Gewerbepark. Schwamm präferiert dennoch einen Portalkran auf Schienen. Der könnte auch voll beladene Binnenschiffe mit vier Containerlagen über- und nebeneinander entladen. Die Umschlagkapazität in Kohlenfeld läge dann bei 90.000 Containern im Jahr. Allerdings wären auch die Kosten sechs Millionen Euro höher.

Umsiedlung von Feldlerchen hat bereits begonnen

Kurzfristig investieren wollen allerdings weder die Stadt Wunstorf noch die Region Hannover. „Wir sehen das als mittelfristige Option“, sagt Schwamm. Erst bei einem konkreten Bedarf, bei dem sich auch die Investitionen erkennbar amortisierten, werde man den Hafen und Gleisbau angehen: „Ich kann mir vorstellen, dass es in fünf bis zehn Jahren so weit ist.“ Die Gewerbeflächen indessen sollen nun Schritt für Schritt entwickelt werden. Nachdem aufwändige Untersuchungen keine streng geschützten Feldhamster auf dem Areal zutage gefördert haben, werden nur einige Feldlerchen umziehen müssen. „Mit der Umsiedlung haben wir bereits begonnen.“ Auch die Spaziergänger am Mittellandkanal werden sich demnächst womöglich Ausweichrouten suchen müssen.

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