Neue Studie bestärkt Kritiker: Ineffektiv und zu teuer Y-Trasse: Zug um Zug auf Distanz

Hannover·Bremen. Seit 20 Jahren wird über Sinn und Unsinn der Y-Trasse gestritten. Allein die Planung hat schon einen gut zweistelligen Millionenbetrag gekostet, ohne dass auch nur ein Schienenstrang verlegt wurde. Jetzt melden sich Skeptiker und Kritiker immer lauter zu Wort. Kommt die neue Trasse von Hannover Richtung Hamburg und Bremen überhaupt noch? Machen sich die Y-Befürworter nicht längst selbst ein X für ein U vor?
13.08.2010, 17:22
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Y-Trasse: Zug um Zug auf Distanz
Von Peter Voith

Hannover·Bremen. Seit 20 Jahren wird über Sinn und Unsinn der Y-Trasse gestritten. Allein die Planung hat schon einen gut zweistelligen Millionenbetrag gekostet, ohne dass auch nur ein Schienenstrang verlegt wurde. Jetzt melden sich Skeptiker und Kritiker immer lauter zu Wort. Kommt die neue Trasse von Hannover Richtung Hamburg und Bremen überhaupt noch? Machen sich die Y-Befürworter nicht längst selbst ein X für ein U vor?

Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), im Interview mit unserer Zeitung zurückhaltend geäußert. Der Cuxhavener verwies auf den schrumpfenden Investitionsetat seines Ministeriums und stellte die Verwirklichung der Y-Trasse unter Vorbehalt. Und nun stützt eine Studie des Umweltbundesamtes die Kritiker: 'Ineffektiv und zu teuer' sei die Trasse - und zur Bewältigung des wachsenden Güterverkehrs aus den norddeutschen Seehäfen nicht geeignet.

Projekt für 'über-übermorgen'?

Was man im Bremer Wirtschaftsressort von Senator Martin Günthner (SPD) nicht gerne hört. Dort bangt man angesichts dieser Meldungen, dass aus dem insbesondere für den Umschlag in Bremerhaven notwendigen 'Projekt für übermorgen nun eins für über-übermorgen wird', wie Günthners Sprecher Holger Bruns sagte. Wie notwendig die Y-Trasse für Bremerhaven sei, versuchte er mit Zahlen zu belegen. Noch im Jahre 2008 seien über Bremerhaven 5,4 Millionen TEU (Standardcontainer) umgeschlagen worden. Prognosen gingen davon aus, dass diese Zahl sich im Jahr 2025 mehr als verdoppelt haben werde. Die Rede ist von über 12 Millionen TEU. Bruns: 'Das ist mit dem vorhandenen Schienennetz nicht zu bewältigen.'

Indes: Offenbar glaubt man auch im Bremer Senat nicht daran, dass Planungen für die Y-Trasse alsbald wieder richtig Fahrt aufnehmen. So jedenfalls interpretieren politische Beobachter auch eine Aussage von Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) gegenüber Bahnchef Rüdiger Grube. Der Bremer Bürgermeister habe nach Angaben aus dem Bremer Verkehrsressort von Reinhard Loske (Grüne) beim Bahngipfel in Bremen Anfang Juli mitgeteilt, Bremen werde sich an den Planungskosten für die Y-Trasse nicht beteiligen. Bisher seien die Planungen, wie es hieß, ausschließlich vom Bund und den Ländern Hamburg und Niedersachsen finanziert worden. So führt denn auch aus Sicht von Niedersachsen kein Weg vorbei an der Y-Trasse. Noch im Juni hatte Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) daran keine Zweifel gelassen: Zur Bewältigung des wachsenden Güterverkehrs von den Häfen ins Binnenland setzten alle Szenarien den Bau der Trasse voraus, erklärte der Minister. Gestern wiederholte das

Ministerium diese Position.

Wie aber die Container abtransportieren, wenn die Y-Trasse doch nicht kommt? Darauf gibt die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie auch Antwort. Laut 'Hannoversche Allgemeine Zeitung' schlägt sie den dreigleisigen Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen, den zweigleisigen Ausbau der Strecken Uelzen-Stendal sowie Langwedel-Uelzen und Rotenburg-Verden vor. Die Kosten lägen mit 1,5 bis 2 Milliarden Euro 'klar unter den Baukosten der Y-Trasse in Höhe von 4 Milliarden Euro, erzielen aber im Paket einen zwei bis dreimal höheren Kapazitäts- und Flexibilitätsgewinn'. Erstellt hat die Studie das Berliner Beratungsunternehmen KCW, nach eigenen Angaben führend auf dem Gebiet öffentlicher Dienstleistungen mit dem Spezialgebiet Schienenverkehr.

Die Linken im Landtag forderten die Landesregierung gestern auf, das Projekt zu stoppen, statt weiter Steuergelder zu verschwenden. Die Grünen drängten Verkehrsminister Bode, er solle endlich 'die Notbremse ziehen'.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+