Reaktion auf viele Flüchtlingskinder Zehn Millionen Euro für zusätzliche Lehrer

Zehn Millionen Euro hatte Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) im Nachtrag zum Landeshaushalt 2015 dem Kultusministerium für flüchtlingsbedingte zusätzliche Ausgaben spendiert.
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Zehn Millionen Euro für zusätzliche Lehrer
Von Michael Lambek

Zehn Millionen Euro hatte Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) im Nachtrag zum Landeshaushalt 2015 dem Kultusministerium für flüchtlingsbedingte zusätzliche Ausgaben spendiert. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat nun dargelegt, was sie mit dem Geld anfangen möchte: Sie wird es im wesentlichen für Lehrer und Lehrerinnen ausgeben.

1600 Lehrkräfte sollen danach zum größten Teil Anfang kommenden Jahres in Niedersachsen eingestellt werden. Die Pädagogen verteilen sich nach einer Aufstellung des Ministeriums auf Grund-, Haupt- und Realschulen (690 Pädagogen), Gesamtschulen (320), Gymnasien (290), Oberschulen (205) und Förderschulen (95). Drei viertel von ihnen dienen dem, was die Schulverwaltung „Fluktuationsausgleich“ nennt. Das heißt: 1200 Lehrer ersetzen die Kollegen, die – aus welchem Grund immer – den Schuldienst verlassen.

So weit der ursprüngliche Plan – der Rest ist nachtragsfinanziert: 400 der 1600 Lehrer sollen für den Unterricht von Flüchtlingskindern eingesetzt werden. Für sie gilt nicht das turnusmäßige Startdatum 1. Februar, sondern sie können von den Schulbehörden mit sofortiger Wirkung eingestellt werden.

Zusätzliche Sozialpädagogen und Lehrer

Mit Blick auf schulpflichtige Flüchtlinge ist darüber hinaus die Einstellung von Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie zusätzliche Lehrer an öffentlichen berufsbildenden Schulen geplant. Außerdem werden Stundenkontingente zur Verfügung gestellt, mit denen unter anderem pensionierte Lehrkräfte im Rahmen der Sprachförderung beschäftigt werden können. Für diesen Bereich sind Mittel vorgesehen, die der Finanzierung von rund 340 Stellen entsprechen. „Durch den anhaltenden Zuzug von Flüchtlingsfamilien haben wir einen hohen Bedarf an engagierten Lehrerinnen und Lehrer vor allem für den Sprachförderunterricht“, sagte Kultusministerin Heiligenstadt zur Erläuterung des Aufwands.

>> Kommentar: Schule zuerst <<

Unterdessen ist es angesichts eines täglichen Zuzugs von etwa 1100 Flüchtlingen nach Niedersachsen schwierig, jederzeit den punktgenauen Bedarf zu ermitteln. Das bestätigte Ministeriumssprecherin Susanne Schrammar. Immerhin gibt es Anhaltspunkte dafür, wie schnell der Bedarf wächst: Im September habe man bei den Schulen nach Kindern mit geringen oder keinen Deutsch-Kenntnissen gefragt, sagt Schrammar – wissend, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Flüchtlinge handeln würde. Die Antwort: 32 000 Schüler. Fast die Hälfte davon, nämlich 15 000, sind in den vergangenen sechs Monaten dazugekommen. Eine weitere Zahl, die das Kultusministerium in Hochspannung versetzt: Auf 20 bis 30 Prozent beziffern Experten den Anteil der Schulkinder unter den nach Niedersachsen kommenden Flüchtlingen.

Thümler: „Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht ausreicht"

CDU-Oppositionsführer Björn Thümler spricht mit Blick auf die Planungen des Ministeriums von einem „Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht ausreicht“: In Bayern gebe es mit dem ersten Kind ohne Deutsch-Kenntnisse an einer Schule gesonderten Sprachunterricht. Dagegen würden in Niedersachsen erst ab zwölf Kindern Sprachlernklassen eingerichtet. Finanzielle Gründe lässt Thümler dafür nicht gelten. „Wir brauchen keine Fachlehrer mit einer Zusatzqualifikation im Fach Deutsch als Fremdsprache“, sagt Thümler. Es gehe darum, dass die Flüchtlingskinder sicher durch den Schulalltag kämen. Dafür seien keine spezialisierten Lehrer erforderlich. Thümler: „Das macht die Sache bloß unnötig teuer. Wir könnten hier für das gleiche Geld wesentlich mehr erreichen.“ Bei einem Etat von 5,2 Milliarden Euro vermisse er mehr Flexibilität der Ministerin.

Wenig auszusetzen hat dagegen die Lehrergewerkschaft GEW. Landesvorsitzender Eberhard Brandt nannte das Konzept von Heiligenstadt „stimmig“, auch wenn bei der Unterrichtsversorgung besonders im Bereich der Inklusion mancher Wunsch offen bleibe. Kommentar Seite 2

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