Ernteeinbußen

Zehn Millionen Euro Soforthilfe für Bauern in Niedersachsen

Die Ernteeinbußen sind wegen der anhaltenden Dürre enorm. Zehn Millionen Euro Soforthilfe wollen Bund und Land den Bauern in Niedersachsen zahlen.
22.08.2018, 19:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Silke Looden und Jürgen Theiner
Zehn Millionen Euro Soforthilfe für Bauern in Niedersachsen

Staubtrocken sind die Felder. Wegen der anhaltenden Dürre erhalten Landwirte nun Soforthilfen vom Staat.

FRANK MAY

Die extreme Trockenheit in diesem Sommer bringt die Bauern in Existenznot. Allein in Niedersachsen belaufen sich die Schäden auf vom Landwirtschaftsministerium geschätzte 985 Millionen Euro. Die Ernteeinbußen beim Getreide liegen landesweit bei 22 Prozent, bei der Maisernte werden es wohl 30 Prozent weniger als im ohnehin schlechten Vorjahr. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte den Landwirten am Mittwoch fünf Millionen Euro Soforthilfe zu. Der Bund stockt die Summe um weitere fünf Millionen Euro auf. Doch das wird nicht reichen.

4,7 Millionen Tonnen Getreide konnten Niedersachsens Landwirte noch von den Feldern holen. Das sei die „schlechteste Getreideernte seit 1976“, betonte die Landwirtschaftsministerin am Mittwoch im Landtag. Besonders stark seien die Futteranbaubetriebe betroffen. „Kein Regen, kein Gras“, so Otte-Kinast. So einfach ist das.

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Im Augenblick geht die Ministerin davon aus, dass die Schäden mit 80 Millionen Euro weitaus höher sind als mit der zehn Millionen Euro schweren Soforthilfe aufgefangen werden kann. Die Hälfte der Schäden will der Staat begleichen, also 40 Millionen Euro, von denen Niedersachsen wiederum die Hälfte, also 20 Millionen Euro übernehmen will. „Für mich ist klar: Wer in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht ist, dem muss geholfen werden“, sagte die Ministerin und versprach ein unbürokratisches Antragsverfahren, „damit die ersten Millionen noch 2018 auf die Höfe kommen“.

„Wetterereignis von nationalem Ausmaß“

Zuvor hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Weg für die Zuschüsse frei gemacht. Indem sie die Dürre in diesem Jahr als ein „Wetterereignis von nationalem Ausmaß“ einstufte, wird die Beteiligung des Bundes überhaupt erst möglich. Klöckner will 150 Millionen bis 170 Euro zur Verfügung stellen. Das ist weit entfernt von der einen Milliarde Euro, die Bauernpräsident Joachim Rukwied gefordert hatte. Klöckner: „Wir wollen, dass den betroffenen Bauern rasch geholfen wird.“ Zuletzt hatte sich der Bund 2003 an Soforthilfen für die Bauern beteiligt.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass jeder 25. Hof durch die Trockenheit vor dem Aus steht. Damit das Vieh überhaupt mit Futter versorgt werden kann, hat de Bundeslandwirtschaftsministerin bereits in der vergangenen Woche die Bewirtschaftung von Brachen, die eigentlich dem Naturschutz vorbehalten sind, erlaubt. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat darüber hinaus die Nutzung von Zwischenfrüchten als Futter frei gegeben. Normalerweise werden diese als Nährstoffe für die Böden untergepflügt.

Das Umweltministerium kündigte an, dass die Neusaat von Grünland in diesem Jahr wegen der Dürre nicht von den Naturschutzbehörden genehmigt werden muss. „Dadurch gewinnen wir wertvolle Zeit“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Das niedersächsische Finanzministerium hatte zudem die Stundung der Steuervorauszahlung für betroffene Betriebe in Aussicht gestellt. Der niedersächsische Bauernverband Landvolk begrüßte die Unterstützung durch die Politik. „Uns Landwirten wird dieser Dürresommer noch lange in Erinnerung bleiben“, sagte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. Er sieht aber auch die Bauern in der Pflicht: „Wir Landwirte müssen uns betriebswirtschaftlich ebenso für den Klimawandel wappnen, wie wir es auf dem Acker bereits tun.“

Problematische Situation für Biobetriebe

Der Verbraucher werde kaum etwas von der Dürre bemerken, meint Schulte to Brinke. So mache der Kostenanteil des Mehls bei einem Brötchen nur 1,5 Cent aus. Unklar ist jedoch, ob sich der dramatische Mangel an Tierfutter auf die Fleischpreise niederschlagen wird. Besonders problematisch ist die Situation für Biobetriebe. Diese dürfen ihren Tieren nur Biofutter geben. Sie hoffen auf eine Ausnahmeregelung, damit sie auch konventionell angebautes Futter verwenden dürfen. Es war bereits von Notschlachtungen die Rede.

Nach Angaben des statistischen Landesamtes sind die Dürreschäden regional sehr unterschiedlich. Besonders betroffen ist die Region Lüneburg. Die sandigen Böden dort können kaum Feuchtigkeit speichern. Starke Einbußen gibt es auch an der Küste, wo die sonst so saftigen Wiesen die Kühe nicht mehr satt machen und auch keine Vorräte für den Winter angelegt werden konnten.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen in Niedersachsen, Miriam Staudte, forderte angesichts der Dürreschäden einen grundlegenden Wandel der Agrarpolitik: „Wenn wir eine langfristige Verbesserung wollen, müssen wir an die Ursachen.“ Kleinere Tierbestände, mehr Humusaufbau und weniger Spezialisierung seien notwendig. Wenn sich nichts ändere, würden Nothilfen bald an der Tagesordnung sein.

Das Land Bremen wird für den Ausgleich von Dürreschäden der Landwirte ungefähr 135.000 Euro aufwenden. Das kündigte Umweltstaatsrat Ronny Meyer an. Vor rund drei Wochen hatte seine Behörde die Höhe der dürrebedingten Ernteschäden in den Städten Bremen und ­Bremerhaven auf rund 2,5 Millionen Euro beziffert. Existenzbedrohend hätten sich die Schäden auf 14 landwirtschaftliche Betriebe ausgewirkt. Das finanzielle Volumen liegt in diesen Fällen bei insgesamt gut 540.000 Euro. Da diese Betriebe ihre Ausfälle nun zur Hälfte entschädigt bekommen und sich Bund und Land diesen Betrag wiederum teilen, liegt die Belastung für den Bremer Haushalt bei den genannten 135.000 Euro.

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