Zehn-Punkte-Plan vorgelegt

Wie Niedersachsen die Rückkehr in die Schulen plant

In der Corona-Krise will das niedersächsische Kultusministerium die Digitalisierung und den Gesundheitsschutz an Schulen vorantreiben. Nach den Osterferien wird der Präsenzunterricht für alle angestrebt.
11.02.2021, 17:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Schnelltests, mehr Unterricht in der Klasse und ein Stärken von Schülern und Lehrkräften in der Corona-Krise: Mit einem Bündel von Maßnahmen will das Kultusministerium die Weichen für eine schrittweise und sichere Rückkehr zu mehr Normalität in Schule und Kinderbetreuung in Niedersachsen stellen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) legte am Donnerstag in Hannover einen Zehn-Punkte-Plan zum weiteren Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten vor und räumte ein: „Die Herausforderungen für Kinder und Eltern werden größer mit dem andauernden Lockdown.“

Die entscheidende Frage, ab wann die Schülerinnen und Schüler wieder aus dem Homeschooling in größerer Zahl zurück in die Schulen können, konnte Tonne noch nicht beantworten. Auf jeden Fall sollten bei weiter sinkenden Infektionszahlen im März weitere Schuljahrgänge im Wechselunterricht in die Schulen zurückkehren. Der Zeitpunkt solle in der kommenden Woche ausgelotet werden, die Schulen sollten auf jeden Fall ihre Anfangszeiten entzerren. Nach den Osterferien soll grundsätzlich in den Präsenzunterricht für alle zurückgekehrt werden, vorausgesetzt die Infektionszahlen sinken bis dahin weiter ab.

Lesen Sie auch

Bis Ende Februar gibt es wie bisher einen Wechselunterricht nur für Grundschulen sowie die Prüfungsklassen an den weiterführenden Schulen. Die Präsenzpflicht bleibt bis Ende Februar aufgehoben. Eltern können ihre Kinder zu Hause halten, wenn sie das für sicherer halten. Alle übrigen rund 75 Prozent der Schüler bleiben unterdessen bis Ende Februar im Homeoffice. Das vom Landesschülerrat geforderte Absagen aller Prüfungen hielt Tonne für keine gute Idee. Die Voraussetzungen für faire Prüfungen seien geschaffen worden, abgefragt werde nur der Stoff, der auch behandelt worden sei. Auch eine automatische Versetzung ohne Sitzenbleiben verwarf Tonne.

Zum Infektionsschutz können alle Lehrkräfte und Kita-Beschäftigten künftig bis zu den Osterferien einmal wöchentlich kostenlos einen Corona-Schnelltest machen. Dafür hat das Land bis zu 40 Millionen Euro reserviert, sagte Tonne. Die Tests, die in Arztpraxen vorgenommen werden, beginnen in der kommenden Woche. Ein ähnliches Testangebot war im vergangenen Jahr von den Lehrkräften nur schwach genutzt werden. Über Tests auch für Schüler denke das Land nach, sobald Selbsttests verfügbar seien, sagte Tonne. Für Lehrkräfte werden außerdem kostenlose Schutzmasken zur Verfügung gestellt.

Lesen Sie auch

In Schwung bringen will der Kultusminister außerdem die Digitalisierung an den Schulen. Im laufenden Jahr sollen alle Lehrkräfte mit eigenen Computern ausgestattet werden, außerdem will der Minister die Schulen antreiben, die Gelder aus dem Digitalpakt Schule flotter abzurufen und die Breitbandanbindung voranzubringen, dort wo sie noch nicht vorhanden ist. Außerdem sollen alle Lehrkräfte im laufenden Jahr mindestens eine Fortbildung zum Digitalunterricht absolvieren.

Ein besonderes Anliegen ist Tonne ferner, nicht nur „möglichst viel Wissen in die Köpfe der Kinder hereinzutrichtern“, sondern auch die psycho-sozialen Folgen des Lockdowns in den Blick zu nehmen. Dazu soll die Schulpsychologie gestärkt werden. Was das Aufholen von versäumtem Stoff angeht, sollen die Grundschulen sich auf die Kernfächer Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren. Auch in den Klassen fünf bis acht sollen die Schulen Schwerpunkte setzen. Die Grundschulen sollen auch personell vorübergehend mit Hilfskräften entlastet werden.

Lesen Sie auch

Die Opposition im Landtag, die seit Monaten bessere Corona-Maßnahmen an Schulen einfordert, kritisierte Tonnes Zehn-Punkte-Plan als verspätet und unvollständig. „Das Programm wäre im Herbst letzten Jahres gut gewesen, jetzt bleibt es hinter aktuellen Möglichkeiten zurück“, sagte FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. „Wir benötigen einen Plan über mehrere Jahre, wie der Lernstoff nachgeholt werden kann und wir die Kinder nicht im Stich lassen.“

Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg forderte neben einem Ausbau der Digitalisierung auch mehr Kleingruppenangebote sowie den Einsatz von Lehramtsstudenten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte unterdessen die Entlastung der Grundschulen sowie die Maßnahmen für mehr Infektionsschutz an den Schulen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+