Hannover Zu wenig Personal in psychiatrischen Einrichtungen

Hannover. Die Zahl der Menschen, die sich in Niedersachsen wegen psychischer Störungen oder Erkrankungen in stationäre Behandlung begeben, steigt. Zur Zeit liegt sie bei rund 100 000 pro Jahr.
14.07.2015, 00:00
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Zu wenig Personal in psychiatrischen Einrichtungen
Von Michael Lambek

Die Zahl der Menschen, die sich in Niedersachsen wegen psychischer Störungen oder Erkrankungen in stationäre Behandlung begeben, steigt. Zur Zeit liegt sie bei rund 100 000 pro Jahr. Darüber, ob sie in den Einrichtungen eine angemessene Behandlung erhalten, ob die Bedingungen zufriedenstellend sind oder zu wünschen übrig lassen, wie die baulichen und personellen Voraussetzungen in den Einrichtungen beschaffen sind, berichtet einmal im Jahr der Ausschuss für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung dem Landtag und dem Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales.

In jeder vierten psychiatrischen Einrichtung in Niedersachsen haben Ausschuss-Mitglieder bei ihren Besuchen im vergangenen Jahr zum Teil erhebliche Mängel festgestellt. So steht es im jährlichen Untersuchungsbericht des Psychiatrie-Ausschusses der gerade veröffentlicht wurde.

Insgesamt wurden 125 Einrichtungen – Kliniken, sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) und Heimeinrichtungen aufgesucht. Der Trend der Vorjahre, dass vermehrt Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Einrichtungen, Betroffene und Angehörige sich an die Besuchskommissionen (BK) des Ausschusses wenden, habe sich im vergangenen Jahr fortgesetzt, heißt es.

Während vielerorts in den besuchten Kliniken durchaus Fortschritte bei der Verbesserung der baulichen Situation zu erkennen waren, zeigten sich aus Sicht der Ausschuss-Mitglieder deutliche Tendenzen zur Verschlechterung der personellen Ausstattung.

Neben dem Personalmangel kommt es dem Bericht zufolge in einigen Kliniken immer wieder zu Problemen mit Überbelegungen. Dabei wird auch mit diesem Problem sehr unterschiedlich umgegangen. Die Kombination aus Personalmangel und Überbelegung – verbunden mit unzureichendem therapeutischen Angebot, mangelnder Verfügbarkeit von Sozialarbeitern und Ergotherapeuten sowie fehlenden Konzepten für eine Überleitung in die Entlassung ins häusliche Umfeld steht den Experten zufolge dem Heilungs- und Reintegrationsprozess entgegen.

Andererseits werben Kliniken trotz des angeblichen Mangels an qualifiziertem Personal auch immer wieder offensiv mit einer Angebotserweiterung. Bisweilen versuchen sie, das Feld der Psychosomatik für ihre Einrichtungen zu erschließen und werben damit, Menschen mit leichteren Erkrankungen stationär oder teilstationär zu behandeln – ein aus Sicht der Autoren mehr als fragwürdiges Vorgehen.

Die dauerhafte Überbelegung der psychiatrischen Stationen in den Kliniken war wie schon in den vergangenen Jahren weiterhin zentrales Thema bei den Klinikbesuchen. Die hohen Belegungszahlen in den Einrichtungen führen nach den Beobachtungen der Experten im Raum Hannover zeitweilig zu deutlichen Einschränkungen in der Versorgungsqualität der Patienten. Nicht nur in Einzelfällen mussten sie längere Phasen ihres Krankenhausaufenthalts mit ihrem Bett auf dem Flur verbringen. Mängel in psychiatrischen Über den Bericht des Psychiatrie-Ausschusses soll im Herbst im Sozialausschuss des niedersächsischen Landtags debattiert werden.

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