Munitionsdiebstahl: Bundeswehr ermittelt in eigenen Reihen Zwei Soldaten unter Verdacht

Seedorf. Im Fall des Munitionsdiebstahls von Seedorf wird gegen zwei Soldaten aus der Fallschirmjägerkaserne ermittelt. Fehlende Sicherheitsanlagen haben den größten Munitionsdiebstahl bei der Bundeswehr seit 30 Jahren offenbar erleichtert.
19.03.2014, 17:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Zwei Soldaten unter Verdacht
Von Hans Ettemeyer

Im Fall des Munitionsdiebstahls von Seedorf wird gegen zwei Soldaten aus der Fallschirmjägerkaserne ermittelt. Fehlende Sicherheitsanlagen haben den größten Munitionsdiebstahl bei der Bundeswehr seit 30 Jahren offenbar erleichtert. Das geht aus Unterlagen des Verteidigungsministeriums hervor.

Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt gegen zwei Bundeswehrsoldaten wegen des spektakulären Munitionsdiebstahls in der Fallschirmjägerkaserne in Seedorf (Kreis Rotenburg). Gegen zwei weitere Soldaten wird intern wegen einer Wachverfehlung ermittelt. Das geht aus einem Bericht des parlamentarischen Staatssekretärs Markus Grübel (CDU) an die Mitglieder des Verteidigungsausschusses hervor, der unserer Zeitung vorliegt. Dabei hätte der Diebstahl womöglich verhindert werden können, wenn die Bundeswehr nicht aus Geldmangel bei der Sicherung der Munitionsbunker gespart hätte.

Bei dem größten Munitionsdiebstahl der Bundeswehr seit 30 Jahren wurden laut Verteidigungsministerium Anfang Februar genau 34 881 Patronen unterschiedlichen Kalibers gestohlen. Von der mehr als 500 Kilogramm schweren Munition für Sturmgewehre vom Typ G 36, Maschinengewehre MG 3 und Pistolen P 8 fehlt weiterhin jede Spur. Über den möglichen Tathergang und den Stand der Ermittlungen von Polizei, Feldjägern und Militärischem Abschirmdienst (MAD) ließen sich gestern in Berlin hinter verschlossenen Türen die Mitglieder des Verteidigungsausschusses informieren. „Der Bericht hat uns nicht zufrieden gestellt, es blieben viele Fragen offen“, so ein Teilnehmer anschließend.

Laut schriftlichem Bericht von Verteidigungsstaatsekretär Grübel kamen die Diebe am 7. Februar morgens irgendwann in der Zeit zwischen 4.30 und 7 Uhr – zwischen der letzten Wachkontrolle und dem allgemeinen Dienstbeginn. Sie stiegen vermutlich durch ein Loch im Kasernenzaun. „Nach den aufgefundenen Spuren ist ein Kraftfahrzeug, in welches die Munition vermutlich verladen wurde, von einer parallel zum Kasernenzaun verlaufenden Straße an den Einbruchsort herangefahren worden“, heißt es im Grübel-Bericht. Die Ermittlungen konzentrierten sich jetzt auf mögliche Innentäter. Gegen zwei Soldaten aus der Fallschirmjägerkaserne ermittele die Staatsanwaltschaft. „Allerdings liegen bis dato keine Hinweise auf ein Tatmotiv vor.“

Die Staatsanwaltschaft Stade war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Vermutungen, dass in Seedorf Insider am Werk waren, gab es von Anfang an. Am Tag nach der Tat waren nach Informationen unserer Zeitung mehrere zivile Wohnungen in Seedorf durchsucht worden.

Gegen zwei weitere Soldaten wird laut Grübel wegen einer Wachverfehlung ermittelt. Die Wache habe am Tag des Diebstahls „den Anforderungen an ihren Wachauftrag nicht entsprochen“. Weitere Details nennt der Bericht allerdings nicht.

Versäumnisse hat es offenbar bei der Sicherung der Munitionsbunker gegeben. Als die Bundeswehr 2006 die Kaserne von den niederländischen Streitkräften übernommen habe, hätten die Sicherungsmaßnahmen für die Bunker nicht mehr den Vorschriften entsprochen, heißt es im Bericht. Damals sei von einer Kommission unter anderem vorgeschlagen worden, die Bunker einzuzäunen und eine Einbruchsmeldeanlage einzubauen. Diese Empfehlungen seien aber wegen fehlenden Geldes nicht umgesetzt worden. Mit fatalen Folgen: „Bei Einsehbarkeit der Munitionsbehälter vom Wachgebäude aus beziehungsweise durch den Einsatz einer Einbruchsmeldeanlage hätte der Munitionsdiebstahl mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert oder zumindest deutlich erschwert werden können“, schreibt Grübel.

Unterdessen hat das Verteidigungsministerium gestern auf Anfrage bestätigt, dass 2007 beim Umzug des Fallschirmjägerbataillons 373 von Doberlog-Kirchhain in Brandenburg nach Seedorf neun Sturmgewehre vom Typ G 36 K gestohlen wurden. Es müsse von einem kriminellen Hintergrund ausgegangen werden, eine fehlerhafte Verbuchung werde ausgeschlossen. Dasselbe gelte für eine Pistole, die am 29. August 2008 aus einer verschlossenen Waffenkammer in Seedorf gestohlen wurde. In beiden Fällen dauerten die Ermittlungen an, zu Einzelheiten könnten aus ermittlungstaktischen Gründen keine Aussagen gemacht werden, so das Ministerium.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+