Juniorwahl bringt Bassumer Oberschüler näher an die Politik 13 Jahre, zwei Kreuze

Nein, normalerweise darf man mit 13 Jahren nicht wählen. Und ja, die Landtagswahl ist erst am Sonntag. An der Oberschule in Bassum konnte man gestern einen anderen Eindruck bekommen: Da durften Siebtklässler bereits ihre Kreuze machen. Juniorwahl nennt sich das.
18.01.2013, 05:00
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13 Jahre, zwei Kreuze
Von Micha Bustian

Nein, normalerweise darf man mit 13 Jahren nicht wählen. Und ja, die Landtagswahl ist erst am Sonntag. An der Oberschule in Bassum konnte man gestern einen anderen Eindruck bekommen: Da durften Siebtklässler bereits ihre Kreuze machen. Juniorwahl nennt sich das.

Bassum. Raum 74 in der Bassumer Oberschule am Petermoor. Florian trat über die Schwelle, zeigte beim Wahlvorstand artig Wahlschein und Ausweis vor, ehe er am Computer seine zwei Kreuze – in diesem Fall Punkte – machte. Florian hat gewählt, obwohl er erst in die achte Klasse geht. "Ich wollte das mal ausprobieren, mal sehen, wie das ist", verriet der 14-Jährige. Ein gutes Gefühl sei das. Er habe die Partei gewählt, die ihm laut Wahl-O-Mat am nächsten steht. Welche? "Darf ich nicht sagen", sagte Florian, grinste und verschwand zurück in sein Klassenzimmer.

Wahlgeheimnis – auch das war ein Bestandteil der Juniorwahl, die heute mit Ablauf der sechsten Stunde an der Bassumer Oberstufe ihr Ende findet. Ihren Anfang nahm diese bundesweite Erweiterung des Politikunterrichts bei der Bundeszentrale für politische Bildung, erzählte Reinhold Ohlendorf, gemeinsam mit Jan-Jürgen Aden in Bassum zuständig für die Betreuung der Juniorwahl. Betreuung – mehr nicht. Die Organisation lag komplett in Schülerhand; das war Bestandteil des Konzeptes.

Tamara Henke, Svenja Segelhorst, Pia Rossmann und Isabelle Wetjen stellten den Wahlvorstand. Freiwillig, sie hatten sich für diese Aufgabe gemeldet. In den teilnehmenden Klassen wurden Wahlhelfer bestimmt, deren Aufgabe es war, ihre Mitschüler auf die Wahl vorzubereiten, Listen zu erstellen und ähnliches. Der Wahlvorstand war zuständig für den Ablauf in der gesamten Schule, saß und sitzt heute im Wahllokal, in Raum 74.

Die Klasse 8a fand sich gestern dort ein, um ihre Bürgerpflicht zu erledigen. "Wo ist die Liste?", fragte Tamara und bekam sie prompt ausgehändigt. Die Damen aus dem Wahlvorstand hatten den Respekt ihrer Mitschüler. "Alle raus", rüffelte Pia kurz darauf die undiszipliniert nach vorne drängende Menge. "Es dürfen nur zwei zugleich rein." Der Wahlvorstand war sichtlich froh, wieder etwas zu tun zu haben. "Eigentlich ist es ganz interessant", fand Svenja, "aber das Warten ist langweilig." Deshalb habe man sich ein Radio besorgt, das fröhlich vor sich hindudelte.

Reinhold Ohlendorf zeigte sich froh, dass es die Juniorwahl gibt. "Nur eine Stunde Politik in der Woche – das ist eigentlich eine Sünde", meinte er. Die Juniorwahl bringe Politik näher an die Schüler heran. Wahlrecht, Demokratieverständnis, Gesetzgebung – all das fände so Platz im Lehrplan. Und das fächerübergreifend. "Das habe ich so im Politikunterricht nicht erlebt."

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