Kommentar zu Plastik-Verboten in der EU

400 Jahre sind zu lang

Mit einem Verbot vieler Plastik-Einwegprodukte will die EU die Verschmutzung der Meere eindämmen. Wenn weitere Maßnahmen folgen, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, meint Redakteur Peter Hanuschke.
24.10.2018, 21:45
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400 Jahre sind zu lang
Von Peter Hanuschke
400 Jahre sind zu lang

Mit einem Verbot vieler Plastik-Einwegprodukte will die EU die Verschmutzung der Meere eindämmen. Ein Schritt in die richtige Richtung, meint Peter Hanuschke.

Montri Maiman

Mellum liegt neun Kilometer östlich von Horumersiel. Die Düneninsel in der Nordsee ist unbewohnt. Dennoch sind die Strände verschmutzt – zum Großteil mit Plastikmüll. Woher er kommt? Er wird angespült, und das passiert nicht nur auf Mellum: Die Weltmeere sind voll mit Müll. Und etwa 75 Prozent der bis zu zehn Millionen Tonnen Müll, die jährlich in die Meere gelangen, bestehen aus Kunststoff.

Mit einem Verbot vieler Einwegprodukte wie Luftballonstäbe, Trinkhalme, Wattestäbchen, Plastikbesteck und -teller sowie einer Recyclingquote für Plastikflaschen will die EU die Verschmutzung der Ozeane nun eindämmen. Wenn das der Anfang von weiteren Maßnahmen ist, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

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Ganz verschwinden wird Plastik wohl kaum, zumal es derzeit gerade als Verpackungsmaterial auch sinnvoll eingesetzt wird. Das ist aber kein Freifahrtschein für die Industrie: Sie muss mittelfristig Kunststoffprodukte entwickeln, die wiederverwendbar sind oder komplett recycelt werden können. Und diese Produkte müssten weltweit zum Einsatz kommen, denn die schwimmende Müllkippe gibt es auf allen Weltmeeren – gerade auch in Regionen, in denen es anders als in Deutschland überhaupt kein Recycling-System gibt.

Und noch etwas ist notwendig: Es müssen zeitnah serienreife technische Lösungen entwickelt werden, um die bestehenden Müllberge abbauen zu können. Woher das Geld dafür kommt? Im Idealfall aus den Ländern, in denen Plastik hergestellt wird. Denn selbst ohne weitere Verschmutzung der Weltmeere bleibt das Problem bestehen: Bis Plastik sich völlig zersetzt hat, können bis zu 400 Jahre vergehen.

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