Kommentar über die EU und die Flüchtlinge Abschottung statt Hilfe

Wie 2015 stehen wieder Flüchtlinge an der Grenze zur EU. Doch anders als vor fünf Jahren wird in Europa heute nicht über Hilfe gesprochen, sondern über Abschottung. Die EU hat nichts gelernt, sagt Detlef Drewes
03.03.2020, 06:36
Lesedauer: 1 Min
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Abschottung statt Hilfe
Von Detlef Drewes

Als die Opfer des syrischen Stellvertreter-Krieges vor fünf Jahren Richtung Europa flohen, da war nicht – wie jetzt in der Frontex-Analyse – von „Massenmigrationsströmen“ die Rede, sondern von Hilfesuchenden. Da fanden etliche Tausende jener Vertriebenen eine Heimat, ehe die Stimmen nach Abschottung und Grenzschließung die Oberhand gewannen.

Nun ist von Solidarität für Griechenland und Bulgarien die Rede, nicht aber von Willkommenskultur für die Flüchtlinge. Dabei wissen die EU-Mitgliedstaaten, dass sie eine humanitäre Katastrophe provozieren, wenn sie sich in den kommenden Tagen nicht zumindest zur Aufnahme derer entschließen, die der türkische Präsident als Opfer seiner Machtpolitik an die Grenze schaffen ließ.

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Jeder ahnte, dass der EU-Türkei-Deal ein Pakt war, der die Gemeinschaft erpressbar machen würde. Trotzdem war er richtig. Nicht zuletzt deshalb, weil er der Union eine Atempause verschaffte, um eine Lösung zu finden. Doch ein Teil der Mitgliedstaaten setzte auf Blockade, der andere Teil ließ sich ausbremsen. So stehen heute wieder ­Flüchtlinge vor den Toren der EU – und ­niemand weiß, was er mit ihnen machen soll.

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