Ärzte diagnostizieren Stoffwechselstörung

Nawalny darf nun doch zur Behandlung ins Ausland

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny liegt seit Donnerstag im Koma. Die behandelnden Ärzte gehen nicht von einer ursprünglich vermuteten Vergiftung des Politikers aus.
21.08.2020, 13:53
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von dpa
Nawalny darf nun doch zur Behandlung ins Ausland

Liegt seit Donnerstag im Koma: Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Die behandelnden Ärzte des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in der sibirischen Stadt Omsk haben nach eigenen Angaben bei dem Putin-Kritiker eine Stoffwechselstörung diagnostiziert. Das sagte der Chefarzt Alexander Murachowski am Freitag in einem Krankenhaus der Großstadt der Agentur Interfax zufolge. Nawalnys Ärztin, AnastassijaWassiljewa, teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass ein niedriger Blutzucker und eine Stoffwechselstörung keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung seien. Nawalnys Blutzucker sei im normalen Bereich gewesen.

„Sie verkaufen uns wieder einmal für Idioten: sagen kluge allgemeine Worte, aber können nicht den Grund für das Koma und eine Diagnose erstellen“, schrieb sie. Die Mediziner hatten zuvor schon mitgeteilt, dass sie keine Spuren von Gift im Körper des 44-Jährigen entdeckt hätten.

Der Chefarzt sagte weiter, die Ärzte hätten einen chemischen Stoff an der Kleidung und der Haut von Nawalny gefunden. Das sei aber ein üblicher chemischer Stoff, der auch bei der Produktion von Plastikbechern eingesetzt werde. „Der wurde nicht im Blut, sondern an Nawalnys Haut und der Kleidung entdeckt“, sagte er.

Nawalny liegt seit Donnerstag in einem Krankenhaus in Omsk - rund 4000 Kilometer von Berlin entfernt. Er liegt im Koma und wird künstlich beamtet. Sein Team vermutet, dass er vergiftet wurde. Nawalnys Team fordert einen raschen Transport nach Deutschland. Seine Frau Julia schrieb dazu auch einen Brief an Kremlchef Wladimir Putin. Eine Sondermaschine aus Deutschland mit Ärzten und Ausrüstung an Bord war in Omsk gelandet. Die Ärzte kamen russischen Medien zufolge in der Klinik an.

Lesen Sie auch

Wie am Abend bekannt wurde, darf der russische Oppositionelle nun doch zur Behandlung ins Ausland geflogen werden. Das teilten die behandelnden Ärzte im sibirischen Omsk nach Angaben der Agentur Interfax am Freitag mit. Auch Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bestätigte das.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+