UN-Umweltgipfel in Nairobi beginnt

Afrikanische Staaten kämpfen gegen Plastikmüll

Am Montag beginnt der UN-Umweltgipfel in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ein Hauptthema: Plastikmüll. Wer in Kenia Plastiktüten nutzt, riskiert bis zu vier Jahre Haft - doch löst das das Problem?
03.12.2017, 18:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Gioia Forster
Afrikanische Staaten kämpfen gegen Plastikmüll

Zwischen all dem angeschwemmten Plastikmüll sammelt ein Mann am Korle- Gono-Strand bei Accra in Ghana verwertbares Material.

Christian Thompson, dpa

Bis zu vier Jahre Haft oder maximal 32.500 Euro Strafe. Das droht jemandem, der in Kenia eine Plastiktüte nutzt. Das ostafrikanische Land hat jüngst eines der strengsten Verbote von Plastiktüten weltweit eingeführt. Mit der drastischen Maßnahme schließt sich Kenia rund 40 anderen Ländern an, die mit Beschränkungen oder Verboten der Tüten gegen eins der größten Umweltprobleme weltweit vorgehen wollen: Plastikmüll. Doch lässt sich die Bedrohung so effektiv bekämpfen?

„Die Plastikverschmutzung in den Ozeanen ist jenseits von Gut und Böse“, sagt Sam Barratt, Leiter öffentlicher Kampagnen beim UN-Umweltprogramm (UNEP). Mindestens acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen der UN zufolge jährlich in den Ozeanen. Meerestiere verheddern sich oder verschlucken den Müll.

Auch zerfällt das Material und bildet Mikroplastik, Kunststoff-Teilchen die sich später auch im Trinkwasser und in Nahrungsmitteln wiederfinden. Bis 2050 werde sich der Plastikmüll in den Meeren verzehnfachen, warnt Barratt. Die Bedrohung wird auch ab diesem Montag beim UN-Umweltgipfel in Nairobi großes Thema sein.

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„Einweg-Plastik ist einfach so bequem, dass die Welt vergessen hat, die Folgen des Kunststoffs mit einzupreisen“, sagt Barratt. Die Plastiktüte ist dabei einer der größten Übeltäter. Bis vor Kurzem war sie in Kenia fester Bestandteil des Lebens. Etwa 100 Millionen Tüten wurden der kenianischen Umweltbehörde Nema zufolge jährlich ausgeteilt. Die Tüten landeten in Bäumen und auf Straßen, in Abflüssen und an Stränden.

Steuer auf die Tüten

Etliche Staaten haben inzwischen Maßnahmen gegen Plastikmüll ergriffen. Einige Industrieländer haben eine Steuer für die Tüte eingeführt. In Großbritannien kostet sie Barratt zufolge nun fünf Pence (etwa sechs Euro-Cent), was die Nutzung der Tüte um etwa 80 Prozent verringert hat. Doch in Entwicklungsländern würde eine Steuer nicht funktionieren. „Ein Verbot ist eine harte aber sehr effektive Maßnahme“, erklärt Barratt. Das hat bereits Ruanda gezeigt. Der ostafrikanische Staat ist inzwischen berühmt für seine sauberen Straßen, schon am Flughafen werden Besuchern jegliche Plastiktüten abgeknöpft.

Im Nachbarland Kenia wurde nach einem jahrelangen Tauziehen und zwei Anläufen endlich im August die Nutzung, Herstellung und der Import von Plastiktüten untersagt. Und dies gegen den Widerstand der Industrie. Es gab anfangs große Verwirrung – zeitweise waren in den Supermarktregalen keine Mülltüten zu finden, weil unklar war, ob sie auch Bestandteil des Verbots sind. Doch die Plastiktüte ist nur ein Teil des Problems. In Kenia wird gemunkelt, dass die hartnäckige Umweltministerin Judi Wakhungu bereits ein Verbot von Plastikflaschen anvisiert. Dies durchzusetzen wird wohl ein harter Brocken.

Abfalltrennung oft Zukunftsmusik

„Lediglich eine ganze Art von Behälter zu verbieten, wird das Problem nicht lösen“, sagt eine Sprecherin von Coca Cola in Kenia. Das Unternehmen kooperiert aber derzeit mit dem Verband kenianischer Hersteller und der Regierung, um eine effiziente Abfallentsorgung und ein Recycling-System zu entwickeln. Denn darin liegt wohl die größte Herausforderung für Entwicklungsländer. Was in Deutschland selbstverständlich ist – systematische Mülltrennung, Abfallentsorgung und Recycling – ist in Kenia noch Zukunftsmusik. Zwar wird derzeit Plastikmüll von einigen Privatunternehmen teilweise gesammelt und wiederverwertet. Doch die Kosten von Recycling seien derzeit noch weitgehend untragbar, erklärt Umwelt-Aktivist Dipesh Pabari. „Noch gibt es nicht genug Anreiz, um im großen Stil mit der Nutzung von wiederverwertetem Plastik zu beginnen.“

Um zu zeigen, was mit recyceltem Plastik alles möglich ist, baut Pabari mit der Initiative Flip-Flopi auf der kenianischen Insel Lamu ein etwa 18 Meter langes Segelboot aus wiederverwertetem Kunststoff. Für das Dhow – ein traditionelles Boot, mit dem die Küstenbewohner Kenias und Tansanias seit Jahrzehnten segeln – werden demnach 45 bis 60 Tonnen Plastikmüll verwendet, der für das Projekt in einer eigenen Fabrik recycelt wird.

200.000 an den Stränden angespülte bunte Flip-Flops werden den Rumpf des Schiffes verzieren. Mit dem Dhow wollen die Aktivisten von Kenia nach Südafrika segeln. Das Segelboot soll zum Umdenken animieren, wie Pabari sagt. „Wir wollen neu definieren, was wir Menschen alltäglich nutzen, wie wir es nutzen und wie wir es wegwerfen.“ Durch das jüngste Verbot seien Kenianer gezwungen worden, sich ein Leben ohne Plastiktüte vorzustellen. Die ultimative Vision sei es, eine Welt ganz ohne Einweg-Plastik zu schaffen.

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