Deutschlandtag der Jungen Union

AKK verwandelt den Matchball

Bei ihrem Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union stand CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer unter Druck. Am Ende gab es sogar stehende Ovationen für sie.
13.10.2019, 18:41
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Albrecht Meier
AKK verwandelt den Matchball

Bei ihrem Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union stand CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer unter Druck. Am Ende gab es sogar stehende Ovationen für sie.

Tittel/DPA

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer trat am Sonntag beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Saarbrücken zwar in ihrer Heimat auf, aber es war nicht unbedingt ein Heimspiel. Die Versammlung finde gewissermaßen „in meinem Wohnzimmer“ statt, meinte Kramp-Karrenbauer zu Beginn ihrer Rede. Von einer gemütlichen Atmosphäre konnte aber keine Rede sein. Denn das dreitägige Treffen des Parteinachwuchses von CDU und CSU glich einem Schaulaufen.

Vor Kramp-Karrenbauer waren in Saarbrücken bereits der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dessen nordrhein-westfälischer Amtskollege Armin Laschet (CDU) aufgetreten. Zumindest von Spahn lässt sich sagen, dass er sich derzeit mit Blick auf die Kanzlerkandidatenfrage bei der Union als innerparteilicher Konkurrent der CDU-Chefin in Stellung bringt.

Vor allem Merz’ umjubeltes Grußwort vom Freitag machte deutlich, wie sehr AKK angesichts schlechter Umfragewerte der Union derzeit unter Druck steht. Sie wusste also, was sie erwartet, als sie vor den JU-lern auftrat. Mit dem Mikrofon in der einen und einem Spickzettel in der anderen Hand ging sie gleich auf das Schaulaufen ihrer männlichen Konkurrenten ein und bemerkte ironisch, man habe den Eindruck bekommen können, „dass es hier mehr um das Format Germany’s next Topmodel geht als um sonst was“.

Den entscheidenden Punkt hatte die Verteidigungsministerin schon zuvor während ihres Besuchs im Baltikum abgeräumt. Sie lehne eine Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten der Union ab, erklärte sie in Riga. Das hielt den Parteinachwuchs allerdings nicht davon ab, einen mehrheitlichen Beschluss zugunsten eines Mitgliederentscheides zu fassen. Ob der nächste Kanzlerkandidat oder die Kanzlerkandidatin der Union tatsächlich auf diesem Wege gekürt werden, müssen nun die kommenden Parteitage der CSU in einer Woche und der CDU-Parteitag Ende November entscheiden.

In ihrer Rede spannte Kramp-Karrenbauer den Bogen vom Klimaschutz über die Sorgen der Dieselfahrer, die sich kein Elektroauto leisten können, bis zur Außen- und Sicherheitspolitik. Vor ihrer Reise ins Baltikum hatte die Ministerin einen Lufttransportstützpunkt der Bundeswehr im Niger und ein Ausbildungszentrum im Krisenstaat Mali besucht. Mali sei die „Drehscheibe für den internationalen Terrorismus“, begründete sie den dortigen Einsatz deutscher Soldaten. Als sie erklärte, dass die Bundeswehr so ausgestattet werden müsse, dass die Soldaten wieder gesund aus dem Auslandseinsatz zurückkommen, gab es großen Beifall. Spätestens an diesem Zeitpunkt war klar, dass die CDU-Chefin bei ihrem Heimspiel in Saarbrücken ihren Matchball auch verwandeln würde.

Am Ende ihrer Rede gab es sogar stehende Ovationen für Kramp-Karrenbauer. Auch JU-Chef Tilman Kuban, der nicht unbedingt zu ihren Unterstützern gehört, suchte den Schulterschluss zur Parteichefin. Geholfen haben dürfte ihr in Saarbrücken die Tatsache, dass sie vor den Jungpolitikern die nötige Portion Selbstkritik an den Tag legte. Seit ihrer Wahl zur Parteichefin sei „bei Weitem nicht alles gelungen“, gab sie zu.

Dass trotzdem weiter zahlreiche JU-Mitglieder mit Kramp-Karrenbauer hadern, wurde indes nach ihrer Rede deutlich. Ein Fragesteller merkte an, dass die Entscheidung der Parteichefin, entgegen ihrer Ankündigung ins Kabinett einzutreten, der Glaubwürdigkeit geschadet habe. Kramp-Karrenbauer antwortete, dass ihre Entscheidung, im vergangenen Juli das Verteidigungsressort zu übernehmen, von mehreren Kriterien beeinflusst wurde – darunter die wackelige Situation der SPD und der Wunsch nach Kontinuität. Deshalb, erklärte sie im Rückblick, habe sie sich damals gesagt: „Bundeswehr ist bei der CDU Chefsache, und deshalb übernehme ich das Ressort selbst.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+