Kommentar über den Pflegereport 2017 Am Bedarf vorbei

Um junge Menschen pflegerisch gut zu betreuen, braucht es mehr auf sie zugeschnittene Einrichtungen und mehr Informationen über Angebote und Unterstützungsleistungen, schreibt Hans-Ulrich Brandt.
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Am Bedarf vorbei
Von Hans-Ulrich Brandt

Wer an Pflege denkt, denkt zuerst an alte Menschen, an ambulante Pflegedienste und an Pflegeheime. Doch das ist zu kurz gedacht – pflegebedürftig können natürlich auch junge Menschen werden, jeder kennt solche Schicksale. Dem Pflegereport 2017 zufolge, vorgestellt von der Krankenkasse Barmer, sind etwa 386 000 Menschen und damit 13,5 Prozent aller Pflegebedürftigen unter 60 Jahre. Und für sie ist die pflegerische Betreuung in vielen Fällen alles andere als optimal.

Wer schon mal ein Altenpflegeheim betreten hat, kann nachvollziehen, wie sich dort ein 35-jähriger Querschnittsgelähmter fühlen muss oder eine junge Epilepsie-Kranke. Gebraucht werden deshalb Einrichtungen jenseits der klassischen Altenpflege, die auf solche Fälle spezialisiert sind, nicht auf die Betreuung von Demenzpatienten. In Einzelfällen gibt es sie zwar, doch es sind nicht genug. Entsprechende Kapazitäten in der Tages- und Kurzzeitpflege fehlen ebenfalls.

Doch es liegt nicht nur an Versorgungslücken. Vielfach wissen Eltern und junge Pflegebedürftige auch zu wenig über geeignete Angebote und Unterstützungsleistungen. Die Pflegekassen stehen deshalb in der Pflicht, darüber offensiver zu informieren.

Insgesamt steht und fällt die Pflegequalität aber mit guter Personalausstattung. Es sollte zu denken geben, dass Krankenpfleger 14 Jahre in ihrem Beruf arbeiten, Altenpfleger nur acht Jahre. Ohne bessere Bezahlung und mehr Wertschätzung wird sich das auch nicht ändern.

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