Bremen Amerikaner zweifeln am Brexit

Amerikas Chefdiplomat ist nach dem Brexit-Referendum nach Brüssel und London geflogen. John Kerry traf dort mit seinen europäischen Kollegen und dem britischen Premierminister David Cameron zusammen, um sich einen unmittelbaren Eindruck zu verschaffen.
30.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Spang, Washington

Amerikas Chefdiplomat ist nach dem Brexit-Referendum nach Brüssel und London geflogen. John Kerry traf dort mit seinen europäischen Kollegen und dem britischen Premierminister David Cameron zusammen, um sich einen unmittelbaren Eindruck zu verschaffen. Nach seiner Rückkehr in die USA äußerte Kerry Zweifel, ob es jemals zum Brexit kommen werde. Die meisten Befürworter glaubten nicht wirklich an eine Scheidung von der EU und hätten keinen Plan, wie diese erreicht werden könnte, suggerierte der US-Außenminister beim Ideenfestival von Aspen im US-Bundesstaat Colorado.

Der Präsident des Aspen-Institutes, Walter Isaacson, erkundigte sich, ob es einen Exit aus dem Brexit gebe. „Als Außenminister möchte ich sie nicht aufzeigen“, antwortete Kerry. „Das wäre ein Fehler. Aber es gibt eine Reihe an Wegen.“ Grundsätzlich sei es Angelegenheit Großbritanniens und der EU, die nächsten Schritte zu besprechen. „Wir wollen uns da nicht einmischen.“

Das entspricht der Linie, die Barack Obama verfolgt: Ruhe bewahren und einen Ausweg aus dem Brexit nicht unmöglich machen. Der US-Präsident warnte in einem Interview mit dem Radiosender „NPR“ vor übereilten Rückschlüssen. „Am besten lässt sich das vielleicht mit dem Drücken des Pausenknopfs bei der europäischen Integration beschreiben“, meinte Obama. Die Idee, es stünde nun die Nato oder die transatlantische Allianz auf dem Spiel, sei übertrieben. „Es ist nicht so, als zöge sich jedes Land in seine Ecke zurück. Das passiert nicht.“

Obama hatte sich bei seinem London-Besuch im April deutlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen und vor Konsequenzen für die Handelsbeziehungen gewarnt. Der republikanische Speaker im US-Kongress, Paul Ryan, forderte den Präsidenten auf, so schnell wie möglich an einem bilateralen Handelsabkommen mit dem Königreich zu arbeiten. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, erklärte, Vorrang behielten die Verhandlungen über das transatlantische Handelsabkommen TTIP. „Gespräche mit dem Vereinigten Königreich setzten an einem anderen Punkt an.“

In den US-Medien wird der Brexit vielfach als Warnung vor unbeabsichtigten Konsequenzen populistischer Wut gewertet. Der Kolumnist Thomas Friedman findet, ein Ausstieg der Briten aus der EU wäre ein Verlust für alle Beteiligten. „Ich hoffe die ,Regrexit’-Kampagne kann den Brexit umkehren, und die Amerikaner rücken von Trump ab.“

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