Kommentar über Julian Assange

Angriff auf einen Grundpfeiler der Demokratie

Die Entscheidung über eine Auslieferung darf nicht davon geleitet sein, ob man Julian Assange mag oder nicht. Hier geht es um weitaus mehr, nämlich um die Pressefreiheit, schreibt Katrin Pribyl.
20.02.2020, 07:00
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Angriff auf einen Grundpfeiler der Demokratie
Von Katrin Pribyl
Angriff auf einen Grundpfeiler der Demokratie

Demonstranten in London setzen sich für die Freilassung von Julian Assange ein.

Kirsty Wigglesworth /AP /dpa

Einmal mehr streitet die Welt darüber, ob Wikileaks-Gründer Julian Assange ein Held ist oder ein Verräter. Sollte er in die USA abgeschoben werden, wo ihm eine lebenslange Haftstrafe droht? Das wäre ein massiver Fehler. Wie würde Großbritannien reagieren, wenn beispielsweise ein englischer Blogger in China in Untersuchungshaft sitzen würde und ein dortiges Gericht über die Auslieferung nach Saudi-­Arabien entscheiden würde? Der Aufschrei wäre zu Recht groß.

Auch wenn Assange im eigentlichen Sinne nicht als Journalist agiert hat, sondern als kompromissloser Aktivist handelte, er hat einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit geleistet. Seine brisanten Informationen waren von großem öffentlichem Interesse. Das Problem? Der Australier ist für viele Beobachter kein Sympathieträger. Vielen erscheint er selbstgerecht, unnahbar und arrogant. Aber die Entscheidung darf nicht davon geleitet sein, ob man Assange mag oder nicht. Hier geht es um weitaus mehr, nämlich um die Pressefreiheit. Und dieser Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie wird gerade in Ländern wie Großbritannien oder in den USA zunehmend angegriffen.

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