Berlin/Ankara

Ankara skeptisch gegenüber Özdemir als Außenminister

Berlin/Ankara. Eine mögliche Ernennung von Grünen-Chef Cem Özdemir zum Bundesaußenminister eines Jamaika-Bündnisses stößt in der türkischen Regierungspartei AKP auf große Skepsis. „Dann hätten wir möglicherweise verschenkte Jahre vor uns“, sagte der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu in Ankara mit Blick auf die bilateralen Beziehungen.
09.10.2017, 00:00
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Von Can Merey

Berlin/Ankara. Eine mögliche Ernennung von Grünen-Chef Cem Özdemir zum Bundesaußenminister eines Jamaika-Bündnisses stößt in der türkischen Regierungspartei AKP auf große Skepsis. „Dann hätten wir möglicherweise verschenkte Jahre vor uns“, sagte der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu in Ankara mit Blick auf die bilateralen Beziehungen. „Cem Özdemir wird in der Türkei nicht als Botschafter Deutschlands wahrgenommen, sondern als jemand, der türkische Innenpolitik betreiben möchte.“

Der Grünen-Chef ist ein scharfer Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Für den Fall, dass die Grünen in Koalitionsverhandlungen mit Union und FDP das Amt des Außenministers erhalten, gilt Özdemir als Favorit. Yeneroglu sagte: „Ich glaube, dass sich Erdogan schon aus realpolitischen Gründen bemühen würde, Özdemir als Repräsentanten Deutschlands eine Chance zu geben.“ Das hänge aber davon ab, ob der Grünen-Chef – der Erdogan einen „AKP-Diktator“ und einen „Geiselnehmer“ genannt hat – nach einer Ernennung zum Außenminister Deutschlands, seine Haltung ändere. „Wenn er vor einem möglichen Türkei-Besuch so unqualifizierte Äußerungen wie in der Vergangenheit von sich gibt, wird er nicht willkommen sein.“

Der deutsch-türkische Parlamentarier sagte, er habe Özdemir nach der Bundestagswahl per SMS zum Wahlergebnis beglückwünscht und seiner Hoffnung auf eine Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen Ausdruck verliehen. Eine Antwort habe er nicht erhalten. Yeneroglu ist Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des Parlaments in Ankara. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu spielte die Bedeutung der Nachfolge von Außenminister Sigmar Gabriel im „Spiegel“ herunter. „Es wäre falsch, die Beziehung zwischen zwei Ländern über Einzelpersonen zu definieren“, sagte er. „Wer auch immer als Bundesaußenminister in die Türkei kommt, wir lassen ihm den gleichen Respekt zukommen, der uns entgegengebracht wird.“

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