Kölner Chaos Anleitungszettel für Belästigungen

Es ist kurz nach Mitternacht am Freitag, als Zivilfahnder der Polizei auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz zwei junge Männer sehen, die ihnen verdächtig vorkommen. Sie entscheiden sich, die zwei zu kontrollieren – und landen einen Treffer.
09.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von TIM STINAUER,KÖLNER STADT-ANZEIGER

Es ist kurz nach Mitternacht am Freitag, als Zivilfahnder der Polizei auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz zwei junge Männer sehen, die ihnen verdächtig vorkommen. Sie entscheiden sich, die zwei zu kontrollieren – und landen einen Treffer.

Sie finden nicht nur einen Zettel mit der kruden Übersetzung sexistischer Begriffe vom Deutschen ins Arabische. Auf den Handys der Verdächtigen sichern die Fahnder zudem Filme und Fotos, die Szenen der Ausschreitungen vor dem Hauptbahnhof in der Silvesternacht zeigen. Wie es heißt, sind auch Übergriffe auf Frauen auf dem Material zu sehen. In der Kleidung der beiden Männer wird zudem mutmaßliche Beute aus Trickdiebstählen sichergestellt.

Weil den beiden Männern allerdings zunächst keine konkreten Straftaten nachzuweisen sind, werden sie am Freitagnachmittag wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Die Ermittlungen liefen aber weiter, betont Staatsanwalt Benedikt Kortz.

Zunächst sei beabsichtigt gewesen, einen Haftbefehl wegen sexueller Nötigung gegen die Männer zu erlassen, berichtet ein Ermittler. Auf dem Zettel, den die Fahnder bei ihnen gefunden haben, sind handschriftliche Übersetzungen ins Arabische zu erkennen. Darunter finden sich unverfängliche Formulierungen wie „Ich scherze mit Ihnen“ oder „Ich habe eine Überraschung“, aber auch sexistische Bemerkungen wie „Große Brüste“, „Ich will dich küssen“ und „Ich will fIcken“. Auch der Satz „Ich töte Sie“ ist zu lesen.

„Man kann diesen Zettel womöglich als Hinweis darauf werten, dass die Überfälle und sexuellen Angriffe an Silvester nicht zufällig und spontan begangen wurden, sondern organisiert und vorbereitet waren“, sagt ein Ermittler. Offiziell will die Polizei die weiteren Umstände der Festnahme und die Schlüsse daraus „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht näher kommentieren.

Insgesamt hat die Kölner Polizei inzwischen mehr als 20 Tatverdächtige aus der Silvesternacht ermittelt, die meisten sind nordafrikanischer Herkunft. Aufgabe der „Ermittlungsgruppe Neujahr“ ist nun, diesen Männern konkret Straftaten nachzuweisen. Dazu wird die Gruppe am Freitag um weitere 20 auf 100 Beamte aufgestockt. Außer Zeugen- und Opferaussagen werten sie vor allem Videos und Fotos aus.

Zusätzlich hat die Bundespolizei 32 weitere Männer identifiziert, darunter 22 Asylbewerber. Ihnen werden aber überwiegend Körperverletzungen und Diebstähle zur Last gelegt. Sexualdelikte sind bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden.

Auch Spuren in mindestens ein Kölner Flüchtlingsheim soll die Kölner Polizei inzwischen verfolgen. Wie es heißt, sollen einige der in der Silvesternacht geraubten Mobiltelefone dort geortet worden sein. Weitere Männer, deren Personalien in der Nacht kontrolliert worden sind, sollen nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft in Duisburg wohnen.

Wegen des ungewöhnlich hohen Ermittlungsaufwands in diesen Tagen wollte der geschasste Polizeipräsident Wolfgang Albers in einer seiner letzten Amtshandlungen die traditionelle polizeiinterne Feier an Weiberfastnacht absagen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse werde an Weiberfastnacht jeder verfügbare Polizist auf der Straße gebraucht, soll Albers die geplante Absage sinngemäß begründet haben. Der Absage muss allerdings noch der Personalrat zustimmen. An der Feier nehmen in jedem Jahr rund 500 Polizisten teil. Veranstalter ist das Sozialwerk der Kölner Polizei. Dessen Vorsitzender Ralf Remmert bestätigt die geplante Absage: „Wir bedauern diese Entscheidung, respektieren sie aber.“ Er betont allerdings, dass die offizielle Karnevalssitzung der Polizei am kommenden Donnerstag im Hotel Maritim auf jeden Fall stattfinden wird.

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