NSU-Prozess: Zschäpe hat nun fünf Verteidiger Anwälte müssen bleiben

München. Demnächst wird es eng werden neben Beate Zschäpe auf der Anklagebank. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München wird ab Mitte Dezember auch im Gerichtssaal von gleich fünf Anwälten verteidigt werden.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Wiebke Ramm

Demnächst wird es eng werden neben Beate Zschäpe auf der Anklagebank. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München wird ab Mitte Dezember auch im Gerichtssaal von gleich fünf Anwälten verteidigt werden. Der Senat hat den Entpflichtungsantrag ihrer langjährigen Pflichtverteidiger – Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl – am Dienstag, dem 245. Verhandlungstag, abgelehnt. Damit werden die drei Verteidiger weiterhin Zschäpes Anwälte bleiben, ob sie wollen oder nicht.

Der Senat sieht das Vertrauensverhältnis zwischen den drei Anwälten und ihrer Mandantin nicht als zerrüttet an. Heer, Stahl und Sturm halten Schweigen nach wie vor für die beste Verteidigungsstrategie, Zschäpe aber will aussagen. Mit ihrem neuen Pflichtverteidiger, Mathias Grasel, und ihrem Wahlverteidiger, Herman Borchert, hat sie seit Wochen an einer Erklärung gearbeitet, die Anwalt Grasel im Dezember vor Gericht verlesen will. Zschäpes Altverteidiger waren in die Pläne nicht eingeweiht. Sie sind auch jetzt nicht über die Strategie informiert und kennen auch den Inhalt der Aussage nicht. Zschäpe spricht seit Wochen nicht mehr mit ihnen. Und auch Grasel scheint den Anwälten kaum etwas zu verraten. Für Heer, Stahl und Sturm ist aus der Pflicht- mittlerweile eine Zwangsverteidigung geworden. Einen Grund, ihnen das Mandat zu entziehen, sieht der Vorsitzende Richter Manfred Götzl darin nicht.

Götzl sagte am Dienstag, Heer, Stahl und Sturm hätten „lange genug Zeit gehabt, sich darauf einzustellen und darauf vorzubereiten“, dass es eine Aussage von Zschäpe geben könnte. Schließlich habe die mutmaßliche NSU-Terroristin selbst vor Monaten bekundet, dass sie mit dem Gedanken spiele auszusagen. Als Zschäpe sich im November 2011 nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt der Polizei stellte, hatte sie gesagt: „Ich habe mich nicht gestellt, um nicht auszusagen.“ Und im März 2015 hatte sie einem psychiatrischen Gutachter anvertraut, dass sie unter ihrem Schweigen leidet. Mitte Juni schrieb sie Richter Götzl, dass sie darüber nachdenke, „etwas auszusagen“. Im Juli bekam sie Grasel als zusätzlichen Pflichtverteidiger. Seitdem arbeitet sie daran, ihre Ankündigung wahr zu machen.

Mit Borchert, Grasel, Heer, Sturm und Stahl hat Zschäpe nun einen Wahl- und vier Pflichtverteidiger an ihrer Seite. Theoretisch könnten es sogar noch mehr werden. Die Strafprozessordnung lässt maximal drei Wahlverteidiger zu. Auszuschließen ist das nicht. Zschäpe war schon für manche Überraschung gut. Zschäpes Aussage wird nicht vor dem 8. Dezember erfolgen. Denn bis dahin ist Wahlverteidiger Borchert im Urlaub. Der Urlaub soll lange schon geplant und gebucht gewesen sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+