Kommentar über die Fleischindustrie

Nichts gelernt

Die Politik reagiert auf die Missstände in den Fleischfabriken mit einem neuen Gesetz. Sie hat dazugelernt. Von der Fleischindustrie selbst kann man das nicht sagen, meint Norbert Holst.
30.07.2020, 05:00
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Nichts gelernt
Von Norbert Holst
Nichts gelernt

Ein Mitarbeiter des Fleischunternehmens Tönnies arbeitet im Schlachthaus in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen). Im Juni wurden dort bei mehr als 1400 Mitarbeitern das Coronavirus festgestellt.

Bernd Thissen/DPA

Arbeitsminister Hubertus Heil nimmt die Fleischindustrie an die Kandare. Der SPD-Mann will der Branche mit dem vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf strengere Arbeitsschutzregeln auferlegen. Werkverträge und Leiharbeit werden verboten, die Fabriken sollen häufiger kontrolliert, die Unterkünfte für die Mitarbeiter besser werden. Kurzum: Ausbeutung als Geschäftsmodell soll für Tönnies & Co. nicht mehr möglich sein.

Doch so sehr der Minister jetzt poltert, er kaschiert damit auch das Versagen der Politik. Miserable Arbeitsbedingungen, Dumping-Löhne, das Unterlaufen des Mindestlohns, inhumane Unterkünfte – all das war vor Corona bekannt. Seit vielen Jahren hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Missstände angeprangert. Immerhin, die Politik zeigt sich lernfähig.

Selten hat man die Fleischbarone so weinerlich gesehen, wie in den Tagen, als sich ihre Unternehmen als Hotspots herausstellten. Nun geben sich die Branchenverbände aber wieder kämpferisch. Von „Diskriminierung“ und „Treibjagd“ ist die Rede, sie drohen mit Klagen gegen substanzielle Bereiche des Gesetzes. Die Fleischverbände haben nichts dazugelernt.

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